Handschellen vor einem Bundespolizei-Wappen, © Symbolfoto

16-Jähriger wegen Mordes zu zehn Jahren Jugendstrafe verurteilt

Ein 16-Jähriger ist vom Landgericht Ulm (Baden-Württemberg) unter anderem wegen Mordes an einem 64-Jährigen Mann zu zehn Jahren Jugendstrafe verurteilt worden.

 

 

Anders als die Staatsanwaltschaft war die Strafkammer nicht davon überzeugt, dass er die Tat am 23. Mai 2017 aus Hass auf Homosexuelle begangen hat, wie eine Sprecherin des Landgerichts nach der Urteilsverkündung am Mittwoch mitteilte. Der Fall war nichtöffentlich verhandelt worden.

 

Das Motiv des Mordes sei stark mit der Persönlichkeit des Angeklagten verbunden. Ein psychiatrischer Gutachter habe eine schwere Störung des Sozialverhaltens festgestellt. An der Schuldfähigkeit habe aber kein Zweifel bestanden, so die Sprecherin.

 

Der damals 15-Jährige war von zu Hause ausgerissen und hatte sein späteres Opfer am Ulmer Hauptbahnhof um Unterkunft und Essen gebeten. In der Wohnung habe der 64-Jährige dem Jugendlichen wegen eines Missverständnisses das Angebot sexueller Annäherung gemacht, sagte die Sprecherin. Weil der Jugendliche nicht gewusst habe, wie er damit umgehen soll, habe er aus Zorn und einer tiefen Verärgerung heraus mit Küchenmessern auf den Mann eingestochen. Er gestand die Tat im Prozess.

 

Weil er nach dem Mord in der Wohnung Feuer gelegt hat, wurde er auch wegen versuchter Brandstiftung sowie versuchten Mordes in 16 Fällen verurteilt – so viele Menschen befanden sich in dem Mehrfamilienhaus. Auch in einem anderen Haus hatte er zwei Tage zuvor laut Gerichtssprecherin versucht, Feuer zu legen. Das Gericht wertete diese Tat als versuchte schwere Brandstiftung und versuchten Mord in sechs Fällen. Verletzt wurde bei den Brandstiftungen niemand.

dpa