München Ostbahnhof: Brave Fanreise, brave Bundespolizei

Am Wochenende waren rund 900 Fußballfans mit einem vom Fanrat des TSV München von 1860 organisierten Fußball-Sonderzug von der Bayerischen Landes- in die Bundeshauptstadt zum Spiel gegen Union Berlin gereist. Die Münchner Bundespolizei war mit dem Verhalten der Fans bei Ab- und Anreise sehr zufrieden.

 

„Die Organisatoren hatten alle im Vorfeld getroffenen Vereinbarungen eingehalten und die Fans sich während der Zugfahrten weitestgehend von ihrer guten Seite gezeigt“ konstatierte Jürgen Vanselow, Chef der Münchner Bundespolizei.

Die Bundespolizei hatte Verein und Fans trotz gewalttätiger Vorfälle bei der Zugheimreise von der Auswärtspartie in Ingolstadt am 14. und 15. Februar sowie mehreren nachfolgenden Spielen mit Straftaten beim Zugreiseverkehr die Hand gereicht. Gespräche mit der Geschäftsführung und Fanvertretern führten dazu, dass die Bundespolizei beschloss, sich am Samstagabend bei der Abfahrt des Sonderzuges am Ostbahnhof mit Eingriffsmaßnahmen eher zurückzuhalten – ein gewisses Risiko war dabei bewusst in Kauf genommen worden.

 

Gemeinsam auf Selbstverantwortung gesetzt

 

Der Fanrat als Veranstalter und der Verein setzten zusammen rund 20 Ordner ein, die vor Abfahrt Kontrollen durchführten. Sowohl Zugangskontrollen zum ab 22 Uhr 15 am Gleis 12 bereitgestellten Zug, wie auch zur Durchsetzung eines selbstauferlegten Verbot von Glasflaschen und Pyrotechnik.

 

Polizeidirektor Jürgen Vanselow war angetan „von der Sorgfalt der Kontrollen, sowie vom Auftreten der Fans, die während der Wartezeit im Personentunnel nur durch laute Fangesänge und dem üblichen „Müllproblem“, nicht aber durch nennenswerte Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten aufgefallen waren“.

Dabei schien dies gar nicht selbstverständlich, war doch gerade ab 22 Uhr 30 eine gewisse Vermischung vom meisterschaftsfeiernden Bayern– wie auch abfahrenden 1860-Fans am Ostbahnhof gegeben. Es kam jedoch zu keinen der Bundespolizei bekanntgewordenen strafrechtlichen Auffälligkeiten im Fanverhalten.

 

Für Polizeidirektor Jürgen Vanselow war der 1860-Sonderzug wieder die geeignete Form künftiger Zug-Fanreisen.

„Wir unterstützen diese Fanzüge, ob als Sonderzüge oder sog. Entlaster. Fußballfans und andere, normale Bahnreisende können so, getrennt voneinander, die gleichen Ziele erreichen. Dies entlastet die Bundespolizei personell, da die Begleitung im Zug weitestgehend entfällt, nur im Ausnahmefall notwendig wird. Die Fans sind für ihr Verhalten selbst verantwortlich und es kommt auch zu einer Art Selbstregulierung im Zug.“

 

Damit derartiges klappt und es zu vermehrten geschlossenen Fanreisen kommt, sollten laut Vanselow:

 „Fußball (Vereine und Verbände), Politik und Bahn aufeinander zugehen.“

Er weiß, günstige Sonderzüge erhöhen das Faninteresse. Hier gilt es anzusetzen und gerade auch in Bayern das Baden-Württembergische Modell einmal näher zu betrachten und Bahnreisen vor allem günstiger als bisher anzubieten und zudem die Vereine bei von ihnen organisierten Fanreisen mit ins Boot und in die Verantwortung zu nehmen. Er weiß aber auch, dass sich neben der Bahn auch die Clubs bewegen müssen. Aus Sicht der Bundespolizei waren zuletzt Sonderzugreisen mit Fans des Karlsruher SC, des VfL Bochum sowie auch des VfB Stuttgart am Samstag positiv verlaufen.

 

In zahlreichen zurückliegenden Gesprächen mit den Verantwortlichen der Münchner Clubs sicherte Vanselow seine Unterstützung zu Gesprächen mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft zu. Am morgigen Dienstag (13. Mai) kommt es nun zu einem solchen gemeinsamen Austausch. Auf Einladung der Bundespolizei treffen sich Vertreter beider Münchner Vereine mit Zuständigen von Bayerischer Eisenbahngesellschaft und Deutscher Bahn AG um gemeinsam über die Gestaltung zukünftiger Sonderzug-Fanreisen zu reden.

BuPo