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Aktien deutscher Autobauer und Dieselgate – Wie ist die Zukunft zu bewerten?

Auf den ersten Blick scheint die deutsche Automobilindustrie wenig Grund zur Sorge zu haben. Es werden stetig Rekorde gebrochen. Anfang Juli gab der Stuttgarter Daimler-Konzern bekannt, in den ersten sechs Monaten des Jahres mehr als 1,18 Millionen Mercedes-Fahrzeuge verkauft zu haben. Auch die Konkurrenten von BMW in München stehen zurzeit sehr gut dar. Von Januar bis Juni 2018 lieferte BMW mehr als 1,24 Millionen Fahrzeuge aus und feierte dabei den höchsten Halbjahresumsatz aller Zeiten. Auch der Volkswagen Konzern VW befindet sich an der Spitze der Automobilindustrie. Trotz des im September 2015 einsetzenden Abgasskandals, der die schwerste Krise in der Unternehmensgeschichte darstellt, verkauften die Kernmarken von VW im ersten Halbjahr 2018 rund 3,12 Millionen Fahrzeuge, ebenfalls ein Rekord. Es scheint, dass der Skandal die Kunden nicht daran gehindert hat, Volkswagen zu kaufen.
Alle Aktienkurse der drei großen Automobilkonzerne stehen derzeit sehr gut dar. Doch wie sieht es in Zukunft aus? Es ist wichtig, sich rund um Investments und Forex Handel gut zu informieren.

 

Wo ist der Haken?

Die Dinge laufen zumindest in Bezug auf den Umsatz sehr gut. Dennoch haben die Vorboten eines möglichen Abschwungs in den letzten Jahren zugenommen. Zum Beispiel hat Daimler im Laufe des Jahres seine Gewinnprognosen zurückgefahren, vor allem, weil die Prinzipien des freien internationalen Handels weniger Anhänger anzuziehen scheinen.
BMW ist ähnlich betroffen. Als größter Autoexporteur aus den USA exportiert Daimler – vor Ford und General Motors – Fahrzeuge aus seinen Werken in den USA nach China. Das Unternehmen ist von den Zollerhöhungen für Autos betroffen, die in South Carolina hergestellt und nach China verschifft werden. Daimler war gezwungen, seine Preise in der Volksrepublik zu erhöhen. Dies könnte sich negativ auf die Verkaufszahlen auf dem derzeit größten Automarkt der Welt auswirken.

 

Emissionsmesssystem

Die Automobilhersteller müssen sich auch mit dem neuen Emissionsmesssystem auseinandersetzen, das seit September in der Europäischen Union durchgesetzt wird. Das Verfahren hat zu zusätzlichen Kosten geführt, da viele ältere Modelle erneut zertifiziert werden müssen. Volkswagen litt auf Konzernebene am meisten darunter, dass viele seiner Unternehmensmarken länger brauchten, um die Zertifizierungsprüfungen zu bestehen. Ein Grund dafür war, dass die Ingenieure immer noch mit dem Diesel-Skandal beschäftigt waren und VW seine Produktion verlangsamen musste.

 

Auswirkungen und Herausforderungen

Wenn deutsche Autohersteller und Zulieferer in Zukunft an Bedeutung verlieren, könnte dies tiefgreifende Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und den Aktienmarkt haben. Die Autoindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor Insgesamt beschäftigen Automobilhersteller und -zulieferer in Deutschland zuletzt mehr als 820.000 Menschen, ganz zu schweigen von den Tausenden von Jobs, die direkt vom Auto abhängen, wie Autowerkstätten, Autohäusern und den rund 15.000 Bahnhöfe in ganz Deutschland.
Der Forschungsdienst des Deutschen Bundestages hat zu Beginn des vergangenen Jahres in Deutschland insgesamt 2,15 Millionen Arbeitsplätze berechnet, die von der Automobilindustrie abhängig sind. Das sind rund fünf Prozent aller im Land beschäftigten Personen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind Pkw und Lkw vor Motorenbau und chemischen Produkten auch der wichtigste Exporteur des Landes. Der Anteil der Autoindustrie an der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland beträgt 4,5 Prozent. Mit anderen Worten, es gibt viel zu verlieren.

Die deutsche Industrie ist nur einer von vielen, die tiefgreifenden, grundlegenden Veränderungen gegenüberstehen. Eine Reihe von Auto-Managern bekräftigt die Formel, wonach die Veränderungen in der Branche in den nächsten fünf bis zehn Jahren drastischer ausfallen werden als in den letzten 50 Jahren.

Dies ist zum Teil auf drei parallele Entwicklungen zurückzuführen.

  • Herausforderung Nr.1:
    Einerseits gibt es den Wandel in Richtung Elektromobilität, der von Herausforderern wie dem in den USA ansässigen Elektroautohersteller Tesla, aber auch von immer strengeren europäischen Vorschriften zu Kohlendioxidemissionen beflügelt wird. Die deutschen Autohersteller arbeiten fieberhaft an neuen Elektromodellen. In der Tat ist es kein Zufall, dass Mercedes, BMW und Audi nacheinander neue Elektroautos, oder zumindest Zukunftsstudien, vorstellten. Ab dem nächsten Jahr sollen diese Produkte schrittweise auf den Markt kommen. Volkswagen hat den Beginn des kommenden Jahrzehnts zum Beginn seiner Elektrooffensive erklärt. Deutsche Automobilhersteller bieten heute 30 verschiedene Elektromodelle an; 2021 soll diese Zahl auf über 100 erhöht werden.
  • Herausforderung Nr.2:
    Die zweite Herausforderung betrifft die zunehmende Vernetzung von Fahrzeugen über das Internet sowie das autonome Fahren. Ein weiteres Ziel ist es, Autos zu bauen, die in der Lage sind, offene Stellen auf Parkplätzen zu finden, selbst zu parken und Aufgaben wie das Fahren auf der Autobahn zu übernehmen, damit sich die Fahrer auf andere Dinge konzentrieren können.
  • Herausforderung Nr.3:
    Die dritte große Herausforderung liegt in den sich ändernden Bedürfnissen der Verbraucher. Zumindest in den Industrieländern gibt es mehr Leute, die am Autofahren interessiert sind, aber nicht unbedingt eins besitzen möchten. Keiner der führenden Hersteller arbeitet heute ohne die Schlagworte „Carsharing“ und „Mobility Services“, die für den Erfolg von Unternehmen wie dem amerikanischen Mitfahrzentrums Uber akkreditiert werden können.

Das absehbare Ausmaß der Auswirkungen dieser Änderungen bestätigte eine aktuelle Studie im Auftrag des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Positiv zu vermerken ist, dass die wachsende Nachfrage die weltweite Pkw-Produktion bis 2030 um 30 Prozent auf rund 123 Millionen Fahrzeuge ansteigen lässt. Die Wertschöpfung soll langsamer wachsen und zwar um rund 27 Prozent auf 1,31 Milliarden Euro im Jahr gleichen Zeitrahmen. Es besteht kein Zweifel, dass es Wachstumschancen geben wird. Bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts werden 25 Prozent der verkauften Autos einen Elektromotor haben. heute liegt dieser Anteil je nach Land zwischen null und maximal zwei Prozent. Darüber hinaus wird sich die Wertschöpfung weiter nach Asien verlagern, da die Märkte dort nicht so gesättigt sind und die Kundennachfrage weiterhin hoch ist.
Der Wandel in der Automobilindustrie ist so drastisch wie nie zuvor und vollzieht sich auf allen drei Ebenen: bei den Kunden, im Produktionsprozess und in den Produkten selbst. Die deutschen Hersteller und Zulieferer seien auf die bevorstehenden Herausforderungen gut vorbereitet und arbeiten intensiv an Innovationen.

 

Lösungen

Es fließt momentan viel Geld in die Automobilindustrie der Zukunft. Hersteller und Zulieferer werden nach Angaben des VDA in den nächsten drei Jahren 40 Milliarden Euro in alternative Antriebe, insbesondere in Elektromotoren, investieren. Weitere 18 Milliarden Euro werden für den Netzausbau und die Digitalisierung ausgegeben. Laut Stefan Bratzel ist dies eine absolute Notwendigkeit. Bratzel weist darauf hin, dass die Generierung neuer Funktionen, Dienstleistungen und Produkte für den Ruf eines Herstellers wichtiger denn je ist: Innovation ist jetzt eine Frage des Überlebens.
Der Maßstab für das Bratzel-Ranking ist ein Index, bei dem Produktentwicklungen unterschiedlich gewichtet werden, je nachdem, wie neu und innovativ die Erfindung tatsächlich ist. Unter den Premiumherstellern liegen BMW, Mercedes und Audi auf den ersten drei Plätzen. Volkswagen ist vor seinen japanischen Konkurrenten Honda und Ford die Nummer eins unter den Massenautoherstellern.

 

Fazit

Die führenden Automobilhersteller arbeiten nach einer Devise: Sie dürfen nicht nachlassen! Die Konkurrenz steht immer in den Startlöchern. Der größte Innovator im Index ist Tesla, gefolgt von der chinesischen Elektroautomarke Nio. Ob Handelspolitik, Elektromobilität, autonomes Fahren oder Mobilitätsdienstleistungen, die deutsche Automobilindustrie ist sich der Herausforderungen bewusst, vor denen sie steht. Sie hat im Laufe der Jahre einige Schläge hinnehmen müssen und hat sich immer wieder zurückgekämpft. Wie in der Vergangenheit besteht die Herausforderung der heutigen Automobilhersteller darin, die Qualität ihrer Produkte zu optimieren und gleichzeitig die Kosten zu senken. Die Menschen brauchen Autos, weil Autos es ihnen ermöglichen, individuell mobil zu sein.
Für den Aktienmarkt sind die Änderungen ähnlich wie bei der gesamten Wirtschaft. Es ist schwer zu sagen, wie der Markt reagiert. Viele Experten vermuten, dass die Kurse der großen Automobilhersteller erst einmal leicht sinken, bis die Wirtschaft sich an die neuen Technologien und Änderungen gewöhnt hat und sich wieder beruhigt. Allerdings werden die Kurse nicht so stark fallen, wie viele in dieser Lage denken würden, da die deutsche Automobilindustrie für solche Fälle gerüstet ist.