Panorama: Blick über München

Azubis in München: Wohnen bei den Eltern, Nebenjobs und Geldspritzen

Wer in München eine Ausbildung macht und gleichzeitig dort wohnen will, hat es schwer. Lehrjahre sind bekanntlich keine Herrenjahre, dennoch sind die aktuellen Ergebnisse der Untersuchung „Berufsausbildung und Wohnen in München“ besorgniserregend. 

 

Auszubildende in München Wohnen laut der Untersuchung „Berufsausbildung und Wohnen in München“ überwiegend bei ihren Eltern und verdienen durchschnittlich 607 Euro im Monat. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass die eigene Wohnung allerdings knapp 500 Euro kosten würde.

 

Vermutlich deshalb können sich diese auch nur 16 Prozent der Azubis leisten. Um sich das Leben in der Großstadt überhaupt leisten zu können, werden mehr als die Hälfte der Auszubildenden von Verwandten oder Partnern finanziell unterstützt. Zirka 25 Prozent haben neben der Berufsausbildung eine Nebenbeschäftigung, wie aus einer Mitteilung in der aktuellen Rathausumschau hervorgeht.

 

München von oben mit Baustellen und Kränen - Wohnungsbau

 

Wohnungen extra für Azubis:

 

Der Leiter des Referats für Arbeit und Wirtschaft, Bürgermeister Josef Schmid betont: „Damit München auch weiterhin ein attraktiver Ausbildungsstandort bleibt und die Nachwuchskräftesicherung aufrecht erhalten werden kann, ist es unerlässlich, dass ausreichend bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende zur Verfügung steht. Deshalb baut die Stadt München aktuell 170 Wohneinheiten, die für junge Auszubildende reserviert sind.

 

„Berufsausbildung und Wohnen in München“ – Die Ergebnisse im Detail:

 

Die Untersuchung wurde gemeinsam vom Referat für Bildung und Sport, dem Referat für Arbeit und Wirtschaft und dem Sozialreferat durchgeführt und lieferte folgende Ergebnisse:

 

München von oben - Einfach wunderschön

 

Wohnung der Auszubildenden: Zum Zeitpunkt der Befragung wohnten 75,1 Prozent der befragten Auszubildenden bei ihren Eltern oder einem Elternteil, 16,2 Prozent in einer eigenen Wohnung, 1 Prozent zur Untermiete, 3,9 Prozent in einer WG, 1,5 Prozent in einem Wohnheim, 0,3 Prozent beim Ausbildungsbetrieb und 2,1 Prozent in einer sonstigen Wohnform. Männliche Auszubildende leben häufiger bei ihren Eltern als weibliche Auszubildende (77,9 Prozent zu 71,9 Prozent). 8,3 Prozent wohnen mit Lebenspartnern zusammen.

 

Am höchsten sind die von den Auszubildenden aufzubringenden Mietkosten (inklusive Nebenkosten) bei einer eigenen Wohnung mit durchschnittlich 498 Euro im Monat. Im Wohnheim betragen sie 440 Euro, in einer Wohngemeinschaft 367 Euro. Für ein Zimmer zur Untermiete sind 291 Euro und für die Unterkunft beim Ausbildungsbetrieb 196 Euro fällig.

 

Bewertung der Wohnsituation durch die Auszubildenden: Zahlreiche Auszubildende geben an, dass sie gerne eine eigene Wohnung in München hätten, sich eine solche angesichts der hohen Mietkosten jedoch nicht leisten können. Viele derjenigen, die in einer eignen Wohnung leben, betonen, dass sie sich finanziell sehr einschränken müssen.

 

 

Ausbildungsvergütung: Im Durchschnitt beträgt die monatliche Ausbildungsvergütung (netto) 607 Euro. 52,2 Prozent der Auszubildenden erhalten monatlich zwischen 501 und 700 Euro. Im ersten Ausbildungsjahr beträgt die Ausbildungsvergütung (netto) im Durchschnitt 571 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr 622 Euro und im dritten 647 Euro. Zwischen den Berufen schwankt die Ausbildungsvergütung sehr stark.

 

Zahntechniker erhalten 332 Euro, Fotografen 355 Euro und Friseure 403 Euro. Bei Fertigungsmechanikern beträgt die Ausbildungsvergütung 772 Euro, bei Bankkaufleuten 757 Euro und bei Industriekaufleuten 736 Euro. Weibliche Auszubildende erhalten eine monatliche Ausbildungsvergütung (netto) von durchschnittlich 588 Euro, männliche von 623 Euro. Deutsche Auszubildende ohne Migrationshintergrund verdienen durchschnittlich 616 Euro, deutsche mit Migrationshintergrund 596 Euro, ausländische 580 Euro.

 

 

Weitere Finanzierungsquellen: Einer Nebenbeschäftigung gehen 23 Prozent der Befragten nach. Sie verdienen dabei monatlich im Durchschnitt 218 Euro netto. 12,7 Prozent der Befragten üben ihre Nebenbeschäftigung gelegentlich und 10,3 Prozent regelmäßig aus. Am häufigsten gehen Jugendliche, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen, eine Nebenbeschäftigung nach (31,1 Prozent zu 20,1 Prozent). 37,4 Prozent der Befragten werden von ihren Eltern, 12,8 Prozent von Verwandten und 4,1 Prozent von ihrem Partner oder ihrer Partnerin finanziell unterstützt.

 

3,5 Prozent erhalten Berufsausbildungsbeihilfe (BAB), 0,8 Prozent Arbeitslosengeld 2, 2,6 Prozent beziehen Waisengeld oder Waisenrente und 8,2 Prozent erhalten Geld aus sonstigen Finanzierungsquellen. Über alle Finanzierungsarten hinweg steht den Auszubildenden im Durchschnitt monatlich ein Betrag von 784 Euro zur Verfügung, davon stammen 77 Prozent aus der Ausbildungsvergütung und 23 Prozent aus weiteren Finanzierungsquellen.

 

 

 Video: ‚münchen.tv‘-Chefredakteur im Gespräch mit Beatrix Zurek (Vorstand im Mieterverein München e.V.) , SPD, und dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der GBW-GmbH, zum Thema ‚Mieten in München‘.

 

 

Geschlecht: Das Geschlechterverhältnis an Münchens Berufsschulen ist unausgewogen: 45,4 Prozent der Befragten sind weiblich und 54,6 Prozent männlich. Dies ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass sich viele junge Frauen für eine Ausbildung an einer Berufsfachschule entscheiden, an denen insgesamt der Frauenanteil sehr hoch ist, wie an den Berufsfachschulen der Gesundheitsberufe oder für Kinderpflege.

 

In der Folge sind sie in der dualen Berufsausbildung etwas unterrepräsentiert. Der Frauenanteil streut zwischen den Ausbildungsberufen sehr stark. So sind bei den Medizinischen Fachangestellten 98 Prozent weiblich, bei den Rechtsanwaltsfachangestellten und bei den Zahnmedizinischen Fachangestellten beträgt der Frauenanteil jeweils 94 Prozent. In einigen handwerklichen Berufen hingegen liegt der Frauenanteil bei unter zehn Prozent.

 

 

Migrationshintergrund: 67,2 Prozent der Befragten sind Deutsche ohne Migrationshintergrund, 18,8 Prozent Deutsche mit Migrationshintergrund und 14 Prozent Ausländerinnen und Ausländer. Bei den Ausbildungsberufen streut der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund sehr stark.

 

Bei den Zahnmedizinischen Fachangestellten ist er mit 77 Prozent am höchsten, gefolgt von den Medizinischen Fachangestellten (75 Prozent), den Verkäufern (67 Prozent) und Kaufleuten im Einzelhandel (53 Prozent).Berufe mit geringen Anteilen an Auszubildenden mit Migrationshintergrund sind zum Beispiel Technischer Produktdesigner (5 Prozent) oder Sozialversicherungsfachangesteller (9 Prozent).

 

 

 

Schulabschluss: Mit 53 Prozent dominiert an den Berufsschulen die Mittlere Reife. 8,6 Prozent der Berufsschülerinnen und -schüler haben den Mittelschulabschluss, 18,7 Prozent den Qualifizierenden Mittelschulabschluss, 8 Prozent Fachabitur und 11 Prozent das Abitur. 0,7 Prozent verfügen über keinen Schulabschluss. Zeit zwischen Schulabschluss und Beginn der Berufsausbildung 59,7 Prozent der Befragten haben die Berufsausbildung unmittelbar nach der Schule angetreten.

 

16,1 Prozent haben zwischen Schule und Berufsausbildung gejobbt. 5,6 Prozent haben bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen. Deutschen ohne Migrationshintergrund gelingt es häufiger, unmittelbar nach der Schule eine Berufsausbildung anzutreten (64,4 Prozent) als Deutschen mit Migrationshintergrund (52,1 Prozent) oder ausländischen Jugendlichen (48,3 Prozent).

 

 

Pläne für die Zeit nach der Berufsausbildung: Nach Ende ihrer Berufsausbildung möchten 62,6 Prozent der Befragten in direktem Anschluss weiter in ihrem erlernten Beruf arbeiten – 48,3 Prozent im Ausbildungsbetrieb und 14,3 Prozent in einem anderen Betrieb. 8,1 Prozent möchten eine Berufsoberschule besuchen. Die Gründe der Jugendlichen, nach der Ausbildung ihren Beruf in einem anderen Betrieb ausüben zu wollen, sind vielseitig.

 

Häufig verweisen die Jugendlichen darauf, dass sie Erfahrungen in anderen Betrieben, Sparten oder Ländern sammeln möchten. Einige erhoffen sich durch einen Wechsel des Arbeitgebers bessere Karriere- oder Verdienstmöglichkeiten. Andere suchen nach einem Arbeitsplatz, der näher an ihrem Wohnort liegt oder wechseln in den elterlichen Betrieb. Schließlich verweisen Befragte auch darauf, dass sie wechseln müssen, weil sie von ihrem Betrieb nicht übernommen werden.

 

 

Körperliche Beschwerden: 22,4 Prozent der Befragten geben an, körperliche oder andere Beschwerden zu haben, die sie auf die Arbeit im Betrieb zurückführen. In etwa der Hälfte dieser Fälle handelt es sich um Rückenbeschwerden. Am häufigsten geben angehende Konditoren (58 Prozent), Friseure sowie Zahnmedizinische Fachangestellte (jeweils 48 Prozent) an, körperliche Beschwerden in Zusammenhang mit ihrer Ausbildungstätigkeit zu haben.

 

 

Quelle: Rathausumschau