Produktionsstraße mit Robotern, ©                                                                                                                    fotolia.com ©  Nataliya Hora

Böse Technik? Von wegen!

Eine gewisse Technikfeindlichkeit steckt in jedem – sei es das Kopfschütteln über Smartphone-dauerbenutzende „Smombies“ oder die schlichte Angst vor Jobverlust durch Automatisierung. Aber Technik ist auch ein großer Helfer, rettet Leben oder macht die Welt Stück für Stück einfacher.

 

Eigentlich kann man dem Münchner ja nicht vorwerfen, etwas gegen Technik zu haben. Schon ob der Tatsache, dass in und um die Stadt herum einige der größten technologischen Vorreiter des Landes residieren, von BMW über Linde bis hin zu MTU und Osram. Doch Hand aufs Herz: Beschleicht uns nicht manchmal die Furcht, dass die Digitalisierung uns in einigen Jahren über die soziale Klippe schubsen könnte? Stellen wir uns nicht beim Sci-Fi-Filmgucken mit wohligem Schauer vor, wie es wäre, wenn Roboter die Weltherrschaft an sich reißen würden? Natürlich tun wir das – und bekommen somit eine leicht verzerrte Techniksicht. Denn eigentlich ist die, auch wenn es so manches Negativbeispiel gibt, zuvorderst ein Segen, denn sie verlängert Leben oder macht es nur einfacher. Der folgende Artikel beweist es mit einer ganzen Reihe von Dingen aus unserem Alltag.


 1. Warum Technik nicht inhärent schlecht ist

 

Doch bevor es mit Technik losgeht, die unsere Welt verbessert, erst einmal Argumente, warum Technologie nicht per se böse ist.

 

Woher kommt das Klischee?

 

Danke, Hollywood

 

Bedanken kann man sich sicherlich bei der Filmindustrie. Schon in den frühesten Tagen nutzten Filmemacher das Medium, um uns schaurige Zukunftsvisionen zu präsentieren. Was Fritz Lang 1927 mit Metropolis begann, sorgte ein Jahrzehnt später mit einer Hörspielaufführung von Krieg der Welten für eine Massenpanik in den USA. Und von dort zieht sich die Geschichte nahtlos über unzählige Werke ins Jahr 1984, als sich Kinozuschauer vor einer bildgewaltigen Endzeitschlacht Mensch gegen Roboter fürchteten – James Camerons Terminator verdichtete diese Technikfeindlichkeit und führte einer eigentlich sehr technikaffinen Generation schonungslos vor, worin die damals zum Breitenthema gewordene künstliche Intelligenz führen könnte.

 

Grafik die wichtigsten Filme. Mensch gegen Maschine

 

a. Angst vor Seelenlosigkeit?

 

Und ganz gleich, wie viele Terminator-Nachfolger und ähnlich gelagerte Filme noch kommen, sie alle sind Ausdruck einer menschlichen Urangst. Selbst den grausamsten humanen Gegner kann man noch begreifen, weil man weiß, dass auch er nach irgendwie gearteten menschlichen Mustern agiert.

Technik hingegen hat keine Seele (auch wenn Hollywood auch hier etwa mit I Robot dagegen argumentiert). Seelenlosigkeit verursacht den meisten Unbehagen – Maschinen, die nur nach Programmierung und nackter Logik agieren, ohne jede Gefühlsregung. Das ist dem Homo Sapiens als einer sehr gefühlsbezogenen Spezies schon immer suspekt.

 

Hilfe, mein Arbeitsplatz

Doch fernab von solch philosophischen Ängsten wird Technikfeindlichkeit auch durch banale Angst um seine finanzielle Existenz geleitet. Die Digitalisierung ist hier ein durchaus ernstzunehmender Gegner, denn wie Forscher herausfanden, wird mittelfristig eine ganze Reihe von Berufen durch digitale Applikationen ersetzt werden, etwa:

  • (Finanz-) Analysten
  • Lageristen
  • Einkäufer
  • Bank-Sachbearbeiter

Nur wenige Berufe haben überhaupt kein Risiko, vom Computer ersetzt zu werden. Die Angst ist also breitgesellschaftlich – doch nicht erst seit der Digitalisierung vorhanden, wie das folgende Kapitel zeigt

 

b. Historische Angstmacher

 

Atom und Atomkraft

Ob KKW Isar oder das Atom-Ei von Garching – München hat eine lange Beziehung zur Spaltung des Atoms. Und gleichsam eine wechselvolle Liebe. Denn als in Garching der Reaktor erstmals kritisch wurde, waren die Abwürfe von Hiroshima und Nagasaki gerade einmal 12 Jahre her und Urgestein Franz-Josef Strauss wollte die Bundeswehr atomar bewaffnen. All das führte zu einer ziemlichen Ambivalenz gegenüber dem Nuklearen. Und spätestens ab den späten 70ern, nach dem Three-Mile-Island Unfall, kippte die Stimmung nicht nur der meisten Münchner.

Atomkraft ist alleine schon deshalb ein gutes historisches Beispiel, weil hier Wohl und Wehe dicht beieinander liegen – eine CO2-freie Stromversorgung auf der einen Seite, die extremen radioaktiven Gefahren auf der anderen.

 

Stürmt die Maschinen!

 

Doch lange bevor der Durchschnitts-Münchner überhaupt wusste, was es mit Kernspaltung auf sich hat, empörten sich schon Menschen gegen Technik. Während der Industrialisierung wurden ebenfalls viele Arbeitsplätze überflüssig – von England aus formte sich die Bewegung der Ludditen, hierzulande als Maschinenstürmer bekannt. Und sie kämpften mit nackter Gewalt gegen dampfbetriebene Webstühle und ähnliche Geräte.

 

Das Netz, das keiner versteht

 

Und heute, wo wie erwähnt erneut Jobs durch Technik bedroht werden, formiert sich verständlicherweise neuer Widerstand – die Maschinenstürmer des 21. Jahrhunderts arbeiten allerdings weniger gewalttätig, sondern mit der Technik gegen sie.

Doch man muss kein entrüsteter Technikgegner sein, um der Digitalisierung kritisch gegenüberzustehen. Denn obgleich viele wissen, wie das Web funktioniert, verstehen es nur die wenigsten – und was der Mensch nicht versteht, das ist ihm inhärent suspekt.

 

c. Zwischenfazit

 

Technikfeindlichkeit ist keine moderne Erscheinung, sondern ist fast so alt wie die Menschheit. Und der Grund dahinter ist praktisch immer die Furcht vor Neuem gepaart mit Unverständnis ebendieses Neuen.

 

 2. Lebensrettende Technik

Doch, um zum Artikelkern vorzustoßen, Technik ist zwar ein Jobgefährder – doch ohne sie würden heute viele Menschen vorzeitig sterben. Das zeigen diese ausgewählten Anwendungen

a. Der Auto-Defibrillator

Was ist das?

Wenn das menschliche Herz durch besondere Umstände in eine Phase des Kammerflimmerns eintritt, besteht höchste Lebensgefahr, weil der Pump-Rhythmus flach und unregelmäßig ist. Die einzige Hilfe ist ein sofortiger Stromstoß via Defibrillator; praktisch ein „Werks-Reset“ für das Herz.

 

Puppe mit Auto-Defibrillator, © Auto-Defibrillatoren merken nicht nur selbstständig, ob die Elektroden an der richtigen Stelle sitzen, sondern geben dem Bediener auch alle Kommandos. fotolia.com ©  Microgen

 

Warum ist es lebensrettend?

Defibrillatoren benötigen geschultes Bedienpersonal. Der Auto-Defibrillator funktioniert anders. Er kann von jedem Laien angelegt werden, misst nicht nur die Stärke des Kammerflimmerns, sondern stellt auch automatisch alle Parameter ein. So können auch Menschen gerettet werden, wenn Rettungsdienste meilenweit entfernt sind.

 

b. Der Hausnotruf

 

Was ist das?

 

Deutschland überaltert. Und mit der steigenden Zahl an Senioren klettern automatisch die Zahlen von Pflegebedürftigen – knapp 2,5 Millionen gibt es derzeit. Eigentlich bedarf jeder Grad von Pflegebedürftigkeit einer Überwachung, doch die ist, vor allem bei leichteren Fällen, schlicht personell nicht realisierbar. Hier greift der Hausnotruf ein. Ein kleines Gerät, das Pflegebedürftige um Hals oder Handgelenk tragen und das auf Knopfdruck in jeder Situation Hilfe holen kann.

Warum ist es lebensrettend?

Wenn man alleine ist, ist es als Pflegebedürftiger nicht schwer, in Situationen zu gelangen, aus der man sich alleine nicht befreien kann. Ein unglücklicher Sturz reicht schon. Und wenn man dann nicht gerade ein Handy bei sich trägt, droht ein qualvoller Tod. Der Hausnotruf ermöglicht es hingegen durch seine Einfachheit (Knopfdruck genügt), auch unter Schmerzen noch Hilfe zu holen. Vor zwei Jahren wurde so beispielsweise eine Münchner Rentnerin vor dem Feuertod bewahrt.

 

c. Die Herz-Lungen-Maschine

 

Was ist das?

Wie operiert man einen Menschen am Herz, wenn dessen Dauerbewegung absolut unabdingbar für die Sauerstoffversorgung des Organismus ist? Das ermöglicht nur die Herz-Lungen-Maschine. Sie erlaubt es, den Kreislauf komplett stillzulegen, ohne dass der Körper Schaden nimmt, denn sie übernimmt:

  • Umpumpen des Blutes
  • Atmen der Lunge
  • Funktion der Nieren

 

Warum ist es lebensrettend?

Und weil diese lebensnotwendigen Funktionen durch die Maschine übernommen werden, können die Chirurgen an den eigentlich dafür vorgesehenen Organen notwendige Operationen vornehmen. Etwa Bypässe setzen oder Herzklappen austauschen und somit das Leben des Patienten verlängern.

 

d. Röntgen, CT und Co.

 

Was ist das?

Es gibt Verletzungen und Krankheitsbilder, die lassen sich nur feststellen und beheben, wenn Ärzte sie sehen können. Allerdings ist das Öffnen des Körpers selbst schon ein beträchtliches Risiko. Hier kommen Röntgenstrahlen sowie Ultraschall, Kernspintomographen und ihre verwandten Techniken zum Einsatz.

 

Mann beim Betrachten eines Scans des Gehirns, © Heutige bildgebende Verfahren sind so genau, dass man selbst durch Sezieren des Organs keine besseren Bilder bekäme.fotolia.com ©  Milles Studio

 

Zwar funktionieren sie unterschiedlich, der gemeinsame Nenner ist jedoch, dass das menschliche Gewebe durchdrungen wird und ohne OP das Innere sichtbar wird – ob das nun ein Knochenbruch oder ein Fötus ist.

Warum ist es lebensrettend?

Die Methoden ermöglichen es, auf nichtinvasive Weise den Menschen von innen zu betrachten. Das ist nicht nur wesentlich weniger belastend, sondern ermöglicht auch ein viel genaueres Abbilden der Lage – ein Blutgerinnsel im Gehirn ließe sich beispielsweise gar nicht anders sichtbar machen, ohne das Hirn zu beschädigen. Zudem ermöglichen die Techniken allein schon durch ihre Geschwindigkeit sehr viel schneller, lebensbedrohliche Zustände zu erkennen

 

e. Die automatische Vitaldatenüberwachung

 

Was ist das?

 

Der bereits genannte Hausnotruf ist für Pflegebedürftige nur eine Art letzte Rettung, wenn ein Unglück schon eingetreten ist. Die Vitaldatenüberwachung hingegen ist ein Kind der Digitalisierung. Durch Sensoren, etwa am Handgelenk oder in der Kleidung der Person, werden andauernd die wichtigsten Parameter überwacht, beispielsweise:

  • Puls
  • Blutdruck
  • Atemfrequenz
  • Körperbewegungen

 

Werden die (einstellbaren) Schwellwerte überschritten, schlägt das System automatisch an höherer Stelle Alarm.

 

Alte Frau nach Sturz bewußtlos auf dem Boden, © Infarkte können so plötzlich kommen, dass keine Zeit mehr bleibt, um Hilfe zu rufen - dann alarmiert die Vitaldatenüberwachung autonom.fotolia.com ©  Picture-Factory

 

Warum ist es lebensrettend?

Manchmal reicht die Zeit einfach nicht, um selbst mit einfachsten Mitteln Hilfe zu holen – etwa bei einem Kreislaufkollaps, einem Herzinfarkt oder auch einem schweren Sturz mit anschließender Bewusstlosigkeit. Die automatische Vitaldatenüberwachung entkoppelt den Menschen aus dieser Meldekette, indem sie nur auf die Ist-Werte reagiert, statt auf das Handeln des Betroffenen. Noch sind diese Systeme selten, in wenigen Jahren könnten sie aber für Pflegebedürftige und auch gesunde Senioren Standard sein.

 

f. Der Pflegeroboter

 

Was ist das?

Es wurde bereits angesprochen, dass wir überaltern. Und diese Massen an Pflegebedürftigen sprengen eben auch die Kapazitäten der Pflegeindustrie – schon heute suchen von Krankenhäusern bis Altenheimen alle Stellen händeringend nach Personal. Der Pflegeroboter könnte dereinst die schlimmsten Lücken schließen, indem er einfache bis mittelschwere Aufgaben selbst übernimmt:

 

  • Verabreichung von Medikamenten
  • Anreichen von Gegenständen
  • Hochheben und Tragen von Personen (etwa damit menschliche Pfleger das Bett machen können)
  • Waschen von Patienten

 

Also all das, was in der täglichen Pflege viel Zeit beansprucht und vor allem auch die Pflegekräfte verschleißt.

Warum ist es lebensrettend?

Direkt lebensrettend ist der Pflegeroboter nicht – er kann nicht ohne menschliche Hilfe Spritzen verabreichen oder einen Defibrillator bedienen. Aber er ist durchaus indirekt lebensrettend. Denn in Zeiten, in denen auf immer weniger Pflegepersonal immer mehr Pflegebedürftige kommen, macht er durch die Übernahme von Routinearbeiten die Fachkräfte für die wichtigeren Fälle frei – und das wiederum kann durch zielgerichtetere Pflege von Problemfällen durchaus lebensrettend sein.

 

3. Lebensverbessernde Technik

Damit ist der Beweis erbracht, dass Roboter uns nicht nur nach dem Leben trachten, sondern die Technik viele Menschen erst alt werden lässt. Doch weg von diesen Extremen gibt es noch eine ganze Menge an technischen Dingen, die unser Leben schlichtweg einfacher, komfortabler – kurz: besser machen. Diesen widmet sich das dritte Kapitel.

a. Skype

Was ist das?

Transatlantische Kommunikation, eigentlich längst ein alter Hut, denn das erste Kabel wurde bereits 1858 durch den Atlantik verlegt – nachdem München wieder Pionier war, denn bereits 1811 wurde in der Isar das erste Unterwasserkabel erfolgreich getestet. Doch ob nun per Telegramm oder später Telefon, die Sache hatte und hat einen Haken, sie kostet Unsummen. Heute gibt es dafür Skype. Das Programm, das im Besitz von Microsoft ist, ermöglicht es mit jedem Gerät, von überall, wo man Internetverbindung hat, mit jedem Kontakt aufzunehmen – per Ton, Video oder bloßem Textchat und kostenlos.

 

Mann beim Skypen mit seiner Freundin, © Für Fernbeziehungen ist Skype ein echter Segen, denn Bild UND Ton machen die Trennung wesentlich leichter als bloße Telefongespräche.fotolia.com ©  rocketclips

 

Warum ist es lebensverbessernd?

Skype ist nicht nur deshalb so vorteilhaft, weil es die Kommunikation von Gerät und Zeit abkoppelt, sondern vor allem, weil es kostenlos ist. Ob nun Urlaubsgruß oder Ferndiagnose, all das ist durch die Videotelefonie in Echtzeit möglich. Und dadurch werden auch andere Vorteile geschaffen, die viele nicht im Blick haben, etwa das Arbeiten vom Home Office für einen weit entfernt sitzenden Arbeitgeber – per Dauerkontakt zur Basis ist das selbst kleinen Unternehmen möglich, wo teure Videokonferenzen noch vor wenigen Jahren nur etwas für die ganz Großen waren. Und um diese Technik auch in Schwellenländern mit langsamer Konnektivität nutzbar zu machen, veröffentliche Skype erst jüngst eine Light-Version des Programms

 

b. Die OrCam-Brille

 

Was ist das?

Trotz Hund, trotz Brailleschrift, trotz Tonsignalen an Fußgängerampeln: Sehbehinderte haben nach wie vor eine Menge Probleme, die ihnen den Alltag erschweren. Das fängt beim bloßen Lesen von Türschildern an und endet bei den Inhaltsstoffen von Lebensmitteln im Supermarkt. All das kann die OrCam-Brille möglich machen. Denn das Gerät besteht aus einer Brille mit Kamera und einem „Knopf im Ohr“. Damit wird dem Träger alles vorgelesen, worauf er tippt (für stark Sehbehinderte) oder was sich im Blickfeld der Kamera befindet (für vollständig Erblindete).

 

Mann mit Blinden-Armbinde mit Smart-Phone in der Hand, © Bislang waren Smart-Geräte für Blinde wegen der mangelnden Haptik kaum bedienbar - auch das könnte die OrCam-Brille ändern. fotolia.com ©  Peterchen

 

Warum ist es lebensverbessernd?

Die Vorteile liegen auf der Hand, sehbehinderte Menschen können durch die OrCam ein selbstbestimmtes, inkludiertes Leben führen, ohne auf andere angewiesen zu sein. Dadurch, dass die OrCam einem alles vorliest, muss man auf keinerlei geschriebene Informationen mehr verzichten.

 

c. Die Mikrowelle

 

Was ist das?

Die Spaghetti von vorgestern, ein kurz vor dem Kochen noch hartgefrorenes Pfund Hackfleisch oder bloß ein Dinkelkissen, um dem schmerzenden Rücken Linderung zu verschaffen. All das wäre heute ein Problem, gäbe es nicht die wohl zufälligste Erfindung dieses gesamten Artikels.

Denn die Idee, die Wassermoleküle, die sich in praktisch allem zu befinden, durch Strahlen (eben jene Mikrowellen) in Vibration zu versetzten und sie somit zu erhitzen, kam keinem findigen Tüftler, sondern einem Radaringenieur. Percy Spencer arbeitete nämlich im Zweiten Weltkrieg an der Entwicklung immer leistungsfähigerer Radargeräte. Zu seinen Aufgaben gehörte die Arbeit an Magnetronen. Eines Tages bemerkte er, dass nach der Arbeit ein Schokoriegel in seiner Tasche buchstäblich zu Suppe zerschmolzen war. Er erforschte das Phänomen und fand heraus, dass die Magnetrone nicht nur beim Auffinden gegnerischer Flugzeuge halfen, sondern eben auch Speisen erwärmen. Ab 1947 produzierte er die ersten Mikrowellenherde in Serie – damals noch knapp zwei Meter hoch und 350 Kilo schwer.

 

Warum ist es lebensverbessernd?

Der Mikrowellenherd ist alleine schon deshalb eine solche Erleichterung, weil er vergleichsweise rasant arbeitet. Daneben schont er aber auch die Umwelt, weil die Energiemenge im Vergleich zur generierten Wärme wesentlich geringer ist, als bei einem herkömmlichen Herd. Aber man muss eben auch gewisse Mikrowellen-Kochtricks beachten – sonst schmecken die Mahlzeiten nicht.

 

Grafik zur Erklärung, wie ein Mikrowellenherd funktioniert., © fotolia.com ©  i-picture

 

d. Die Quarzuhr

 

Was ist das?

Rolex, Breitling, Sinn, Glashütte – all diese Uhrmarken haben gemeinsam, dass sie sehr aufwändige und deshalb teure Uhren produzieren. Aufwändig deshalb, weil all diese Zeitanzeiger mechanisch über ein fein abgestimmtes Prinzip aus Federn und winzigen Zahnrädern funktionieren. Doch so genau die Uhrmacher auch arbeiten, durch Unterschiede in der Federspannung und Reibungswiderstände waren und sind mechanische Uhren immer etwas ungenau.

 

Uhrwerk mit Pinzette in der Bearbeitung., © Seit den 1980ern kommen Quarzuhren auf mehrjährige Laufzeiten mit nur einer Batteriefüllung - und bleiben während der ganzen Zeit gleich genau. fotolia.com ©  woe

 

Bis in die 50er waren diese sogenannten Gangabweichungen von vielleicht 15 Sekunden pro Tag nicht schwerwiegend. Dann jedoch begann die Erforschung des Weltraums und mit ihr die Notwendigkeit, kleine, leichte Zeitgeber zu haben, die sehr viel präziser waren und vor allem auch ungeachtet von Beschleunigungen und Temperaturunterschieden ganggenau blieben. Das war der Auftritt der Quarzuhr. Sie verzichtet auf jegliche Mechanik, sondern funktioniert durch den piezoelektrischen Effekt, mit dem ein Quarzkristall vibriert, der mit einer Spannung beaufschlagt wird. Auf dem Mond hatten die Astronauten zwar immer noch mechanische Uhren am Handgelenk, aber schon Mitte der 1970er waren die Preise für Quarzwerke so gefallen, dass sie für jeden erschwinglich wurden – die Zeit wurde für alle noch präziser.

Warum ist es lebensverbessernd?

An dieser Stelle mögen Technikkritiker zurecht einwerfen, was daran lebensverbessernd sein soll, wenn unsere tägliche „Schlagzahl“ noch präziser getaktet ist. Nun, das ist in der Tat nicht wirklich positiv, doch es ist etwas anderes. Denn die Quarzuhr ermöglicht es durch ihren niedrigen Preis wirklich jedem, sich einen Zeitmesser ans Handgelenk oder die Wand zu hängen. Erst diese Technik machte Uhren vom Luxusprodukt zur Ware für jedermann.

 

e. Satelliten

 

Was ist das?

Als der erste Satellit 1957 die Erde umkreiste, löste er in der westlichen Welt erst einmal nackte Panik aus. Denn Sputnik war von der Sowjetunion hochgeschossen worden und auch wenn er nur ein Funksignal abstrahlte, das man unter anderem in der Münchner Volkssternwarte empfing, führte er den Bewohnern des Westens vor Augen, dass die Sowjetunion theoretisch statt eines Satelliten auch Atombomben an jeden Punkt der Erde befördern könnte.

Heute sind Satelliten meist friedlicherer Natur und ihre Anwendungsbereiche sind so mannigfaltig dass sie auf ganz unterschiedliche Arten lebensverbessernd sind.

 

Stilisierter Satellit und ebenso stilisierter Weltraumschrott neben der Erde in der Umlaufbahn, © Die vielen Satelliten haben auch Nachteile. Bei jedem Start bleibt Weltraumschrott in der Umlaufbahn - und gefährdet dort andere Satelliten.fotolia.com ©  i-picture

 

Warum ist es lebensverbessernd?

Es beginnt schon damit, dass wir dank Satelliten uns nicht mehr mit dicken Straßenatlanten herumplagen müssen – Navis beziehen ihre Signale nämlich direkt von den Satelliten des Global Positioning Systems. Und auch wer diesen Artikel im nichteuropäischen Ausland liest, kommt in den Genuss von Satellitentechnik, denn weite Teile des Internet-Datenverkehrs werden ebenfalls über die kosmischen Relais übermittelt. Neben diesen offensichtlichen Anwendungen gibt es auch noch einen ganze Reihe an weiteren lebensverbessernden Hilfen:

 

  • Präzise Überwachung des Wetters
  • Übertragung von Fernsehprogrammen
  • Vermessung der Erde
  • Fotografieren (etwa für Google Earth)
  • Exploration von Erdöl-Lagerstätten
  • Überwachung der Meere zum Schutz vor Schmuggel und Terror

 

Praktisch täglich profitieren wir so von Satelliten – oft, ohne es zu bemerken oder auch nur im Hinterkopf zu haben.

 

 

Grafik zu Stau im Weltraum. Satelliten in Zahlen

 

f. Teflon

 

Was ist das?

Polytetrafluorethylen, besser bekannt als Teflon, gehört ebenfalls ins Reich der Zufallsfunde, denn seine Entdeckung geschah auf der Suche nach Kühlschrank-Kältemitteln. Umso verwunderlicher, dass man erst einmal keine passende Anwendung dafür hatte. Erst der französische Chemiker Marc Grégoire befand, dass das glatte Material dazu geeignet sei, seine Angelschnur besser gleiten zu lassen. Doch ohne Colette, seine Frau, würden wir Teflon wohl nicht mit seiner heutigen Verwendung verbinden – als Anti-Haft-Beschichtung in der Küche.

 

Warum ist es lebensverbessernd?

 

Die bekannteste lebensverbessernde Anwendung von Teflon ist nach wie vor die Beschichtung von Pfannen, damit sich dort nichts einbrennt und haften bleibt. Doch hat Teflon auch noch weitere Aufgaben, die weniger bekannt und dennoch nicht minder wichtig sind:

 

  • Baumaterial für Gefäßprothesen
  • Chirurgisch unbedenkliches Piercing-Material
  • Beschichtung von Instrumenten-Saiten
  • Herstellung von High-Tech-Membranen in Textilien
  • Dichtung von Rohrverbindungen im Sanitärbereich

 

Dabei kommt dem Teflon zupass, dass es eben nicht nur glatt ist, sondern vor allem extrem korrosionsbeständig – oder, wie sein Entdecker Roy Plunkett einst sagte „Es reagierte mit nichts, rein gar nichts“.

g. Apps

 

Was ist das?

 

Unsere Homepage hat eine App – wie praktisch jedes Nachrichtenportal. Mit Apps messen wir unsere tägliche Schrittzahl, spielen virtuell Schlagzeug oder lesen Kochrezepte. Apps sind prinzipiell nichts weiteres als kleine Programme – und untrennbar mit dem Siegeszug des Smartphones verbunden.

 

Mann bei der Bedienung einer Haussteuerungs-App auf seinem ipad, © Eine Haussteuerungs-App? Das ist heutzutage ebenso normal wie Spiele, Kochen und alles andere, wofür es Apps gibt.fotolia.com ©  Stanisic Vladimir

 

Warum ist es lebensverbessernd?

Es gibt praktisch keine Lebenslage, für die es keine App gibt – ob nun als Diäthelfer, Routenfinder oder bloße Möglichkeit, auf dem Tablet alte Gameboy-Spiele zu daddeln. Apps machen das Leben in praktisch jeder Lage leichter, denn sie liefern schnelle und meist kostenlose Lösungen für kleine, aber durchaus nervige Probleme des Alltags.

 

4.  Zusammenfassung & Fazit

Technik hat immer Sonnen- und Schattenseiten.

Und wer seinen Job durch die Digitalisierung bedroht sieht oder auch nur gerade einen Sci-Fi-Schauerroman liest, der sieht verständlicherweise nur die negativen Aspekte der Technik.

Dabei sollte aber immer eines im Hinterkopf bleiben, nämlich dass Technik in aller Regel, zumindest im Grundgedanken, immer entwickelt wird, um Probleme zu beseitigen. Anders ausgedrückt, es gibt praktisch keine Technik, die tatsächlich nur entwickelt wurde, um zu schaden. Was der Mensch allerdings daraus macht, ist eine andere Frage.

Wenn aber Auto-Defibrillatoren Leben retten oder einen die kleine Navi-App davor bewahrt, irgendwo in Südfrankreich die Orientierung zu verlieren, wird einem meist wieder gewahr, dass die meisten technischen Anwendungen in der Tat positive Realität sind – wohingegen Terminator und Co. (noch) Zukunftsmusik sind.

 

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