Bieber verschwunden nach Rodung der Museumsinsel, © Bild: Bund Naturschutz

BUND Naturschutz kritisiert: Münchens berühmtester Biber möglicherweise getötet?

Ausgerechnet eines der Aushängeschilder Münchens ist laut dem Bund Naturschutz in den vergangenen Tagen zerstört worden. Ohne Not wurde die weit über München hinaus bekannte Museumsinsel an der „Kleinen Isar“ innerhalb weniger Tage nahezu komplett gerodet, heißt es in einer Pressemittleilung, die sie hier nachlesen können.

 

 

Noch spricht das Wasserwirtschaftsamt auf seiner Homepage vom „Naturjuwel Kleine Isar“, die ein „urban bedeutsamer Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten“ sei. Die Behörde muss ihre Internetpräsenz korrigieren, das Naturjuwel Kleine Isar existiert so nicht mehr. Wo bis vor kurzem die grüne Museumsinsel und das Deutsche Museum für die gelungene Symbiose von Natur und Technik standen, ist nichts mehr, wie es war.

 

„Die nahezu vollständige Zerstörung des Lebensraumes an der „Kleinen Isar“ ist durch nichts zu rechtfertigen. Sämtliche beteiligten und verantwortlichen Behörden haben hier kollektiv versagt“ urteilt Christian Hierneis, Vorsitzender des BUND Naturschutz in München (BN).

 

Bieber verschwunden nach Rodung der Museumsinsel, © Bild: Bund Naturschutz

 

Im Zuge der Rodungen wurde insbesondere der Lebensraum des streng geschützten Bibers fast vollständig zerstört. Lediglich ein kümmerlicher Rest der Weidengebüsche im nördlichen Teil der Museumsinsel blieb stehen. Als Nahrungsgrundlage für eine Biberfamilie ist dies jedoch in keiner Weise ausreichend. Aus Sicht des BN hätte allein zum Schutz des Bibers dieser Eingriff so nie durchgeführt werden dürfen. Durch das flächige Befahren der Kiesinsel mit Kettenbaggern und Muldenkippern wurden zudem sämtliche vom Biber dort angelegten Strukturen wie Ausweichburgen und unterirdische Gänge zerstört. Der BN prüft daher im Augenblick noch, ggf. weitere rechtliche Schritte einzuleiten.

 

Ebenfalls nahezu komplett beseitigt wurden letzte Reste der seltenen Mandel- und Lavendelweidengebüsche. Diese sind im nahegelegenen FFH-Gebiet „Oberes Isartal“ als geschützter Lebensraumtyp ausgewiesen und besonders erhaltenswürdig.

 

Bieber verschwunden nach Rodung der Museumsinsel, © Bild: Bund Naturschutz

 

„Münchens berühmtester Biber ist seit dieser Woche heimatlos, das Gesicht der  Museumsinsel entstellt. Die möglicherweise als „Pflege“ gedachten Arbeiten sind völlig außer Kontrolle geraten. Es ist nicht einmal ausgeschlossen, dass im Zuge der Bauarbeiten Biber getötet wurden. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Unsere Fotos zeigen klar und deutlich, dass die Museumsinsel aktuell vom Biber besiedelt ist.

 

Vielleicht muss es aber heißen – besiedelt war“ ergänzt Martin Hänsel, stellvertretender Geschäftsführer des BN.

 

Angesichts der Dimension der Zerstörung wirken die Erklärungsversuche des Baureferates der Stadt München aufgesetzt und an den Haaren herbeigezogen. Auf Nachfrage des BN rechtfertigte die Behörde sich damit, dass die Maßnahme Kleinstlebewesen in der Isar fördern würde, das sog. Makrozoobentos, und dass sie aus Gründen des Hochwasserschutzes „alternativlos“ gewesen sei. Dies ist aus Sicht des BN nicht nachvollziehbar. „Das Wohl der Flusskrebschen und Köcherfliegenlarven in der Isar hängt nicht ausgerechnet an diesem so sensiblen Isarabschnitt.

 

Bieber verschwunden nach Rodung der Museumsinsel, © Bild: Bund Naturschutz

 

Wir sitzen seit Jahren mit der Stadt zusammen und begleiten die Renaturierung der Isar. Dabei war es immer Konsens, dass die Kleine Isar als Biotop und Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen vom Menschen in Ruhe gelassen werden soll. Es war nie die Rede davon, dass der Hochwasserquerschnitt in der Kleinen Isar angeblich nicht ausreichend sei. Mit der Aktion der letzten Tage hat die Stadt das Engagement der Umweltverbände für eine naturnahe Isar konterkariert“ ergänzt Hänsel.

 

 

Aufgebrachte Anwohner und Erholungssuchende hatten sich beim BUND Natur-schutz gemeldet und auf den Naturfrevel hingewiesen. Bei einem Ortstermin wurden die Befürchtungen der Umweltschützer dann sogar noch übertroffen. Eine Passantin äußerte Unverständnis über das Vorgehen der Stadt, vorbeikommende Kinder brachten es auf den Punkt: „Das ist Naturzerstörung!“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

 

(Pressemeldung des Bund Naturschutz)