Beate Zschäpe steht im Verhandlungssaal des NSU-Prozesses, © Beate Zschäpe im Oberlandesgericht

Bundesanwaltschaft setzt Plädoyer im NSU-Prozess fort

Beim Schlussvortrag der NSU-Verhandlung wird die Anklage die komplette Beweisaufnahme der vergangenen vier Jahre noch einmal durchgehen. Die Angehörigen jedoch sind froh, wenn der Prozess zu einem Ende kommt.

 

Die Bundesanwaltschaft will am Mittwoch ihr Plädoyer im Münchner NSU-Prozess fortsetzen. Anwälte von NSU-Opfern und Hinterbliebenen bewerteten den ersten Tag des Schlussvortrags der Anklage unterschiedlich.

 

„Ein guter Tag für die Opfer nach vier Jahren Wartezeit“, sagte Rechtsanwalt Bernd Behnke. Sein Kollege Sebastian Scharmer kritisierte dagegen die Darstellung des NSU als isoliertes Trio. Auch Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler bezweifelte, dass die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ tatsächlich – wie von der Bundesanwaltschaft dargestellt – nur aus drei Mitgliedern bestand: „Wir wissen nicht, wie groß der NSU ist, wir wissen nicht, welche Rolle V-Leute spielten.“

 

Nach mehr als vier Jahren Prozess gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte hatte am Dienstag das Plädoyer der Anklage begonnen. Bundesanwalt Herbert Diemer machte gleich zum Auftakt klar, dass er Zschäpe als „Mittäterin“ an den zehn Morden des NSU sieht.

 

„Ich bin froh, dass es jetzt losgeht“ – mit diesen Worten kommentierte Yvonne Boulgarides den Beginn der Plädoyers. Ihr Mann Theodoros Boulgarides war 2005 in seinem Münchner Laden ermordet worden, wo er einen Schlüsseldienst betrieb. Seine Witwe verfolgte mit ihren Töchtern den Vortrag der Anklagebehörde. Es sei gut, «dass die Dinge kurz gefasst beim Namen genannt werden», sagte sie.

 

Diemer machte Zschäpe für den Mord an Boulgarides und den anderen Opfern des NSU verantwortlich: acht Kleinunternehmern türkischer Herkunft und der Polizistin Michèle Kiesewetter. Oberstaatsanwältin Anette Greger sagte, Zschäpe habe schon vor ihrem Abtauchen in den Untergrund zusammen mit ihren Freunden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt eine Führungsrolle in der rechtsextremen Szene Jenas gespielt.

 

Ein weiterer „ehemaliger Intimfreund“ Zschäpes habe die drei dabei unterstützt, Zuflucht zunächst in Chemnitz zu finden. Dort habe das Trio beschlossen, langfristig im Untergrund zu bleiben. Ein Überfall auf einen Chemnitzer Supermarkt sei die erste Straftat der Gruppe gewesen und habe sie aus finanziellen Engpässen befreit.

 

Warum das Trio im Jahr 2007 seine Mordserie beendete, habe die Beweisaufnahme nicht beantworten können, sagte Greger. Den Selbstmord von Mundlos und Böhnhardt im November 2011 nannte die Anklägerin eine geplante „Exit-Strategie“, ebenso wie Zschäpes Versuch, die Fluchtwohnung zu zerstören und Beweise zu vernichten.

 

Mit einem Urteil des Oberlandesgerichts wird erst in einigen Monaten gerechnet.

 

dpa