WIESN Streife Bundespolizei, © Foto: Bundespolizei

Bundespolizei zieht positive Oktoberfest-Bilanz

Weniger Straftaten und deutlicher weniger Gewalt. Die Bundespolizei zieht ein positives Wiesnfazit. An Spitzentagen reisten über 500 000 Menschen über den Münchner Hauptbahnhof an.

 

Nach 16 Tagen und Nächten im Wiesnwahnsinn, in denen sich München im absoluten Ausnahmezustand befindet, zieht die Bundespolizei eine positive Bilanz ihres Einsatzes. „Es waren streckenweise extreme Herausforderungen, denen sich die rund 400 Beamtinnen und Beamten in den zurückliegenden 16 Tagen, vor allem aber Nächten ausgesetzt sahen“, bilanziert Polizeidirektor Jürgen Vanselow den 181. Oktoberfesteinsatz für die Münchner Bundespolizei.
Der Dienststellenleiter vermeldet für die Wiesn 2014 einen Rückgang der Strafanzeigen insgesamt, „einen deutlichen im Bereich der Gewaltstraftaten“ an Haupt- und Ostbahnhof sowie in den S-Bahnen und am Wiesn-Haltepunkt Hackerbrücke“.

 

 

Videoüberwachung war hilfreich

Ein Großteil der auswertigen Festbesucher reiste über den Münchner Hauptbahnhof an und ab; an Spitzentagen wiederum bis zu 500.000 Reisende. Rund 2,5 Mill. Wiesngäste zählte die DB AG allein an der Hackerbrücke. „Der reibungslose Zu- und Abfluss der Festbesucher ist für alle Einsatzkräfte ein zentraler Schwerpunkt“, so der Chef der Münchner Bundespolizei zur Aufgabenstellung. „Weniger Störungen im S-Bahn- und Zugverkehr sowie ein Rückgang von Alkoholisierten in den Gleisbereichen bewahrten uns vor größeren Behinderungen oder Störungen“. Nur einmal, am 29. September, mussten Gleise und Teilbereiche des Hauptbahnhofes am Nachmittag wegen eines gedankenlos liegengelassenen Gegenstandes gesperrt werden.

 

„Als hilfreich in den Ermittlungen sowie bei der Aufklärung von Straftaten, hat sich einmal mehr, die in München gut ausgebaute Videoüberwachung an Bahnhöfen, Haltepunkten und S-Bahnen gezeigt“, so Vanselow. „Dass unsere Einsatzleitungen sich an nahezu allen Brennpunkten des Hauptbahnhofes, der Hackerbrücke sowie den Tunnelbahnhöfen zudem einen schnellen Überblick über die Lage verschaffen kann“, wertet er als eines der Erfolgsrezepte des am späten Abend zu Ende gehenden Einsatzes.
Bedeuten doch die mehr als 6 Mill. Oktoberfestbesucher den personenmäßig größten Einsatz, den die Bundespolizei in den zwei Wochen bundesweit zu bewältigen hat. Anziehungspunkt vieler über die Hackerbrücke anreisender Wiesngäste war auch 2014 wieder einmal der Lautsprecherkraftwagen der Bundespolizei.

 

 

Partymusik half wieder gegen Aggressionen

 

 

„Auch wenn manche meinen, das Abspielen von Partymusik wäre dem Polizeieinsatz nicht angemessen. Die Erfahrungen zeigten erneut, wer singt und tanzt, kann Wartezeiten besser ertragen, wird weniger aggressiv und befolgt auch notwendige Lenkungsmaßnahmen“, so der Inspektionsleiter. Wenn die beiden Treppenauf- und -abgänge den Besuchermassen kaum Herr werden, verkürzen die DJ’s der Bundespolizei mit Musik aus ihrem „blau-weißem Partybus“, wie das rund 200.000 € teure Sonderfahrzeug im Volksmund genannt wird, das Warten, bis man zu seiner S-Bahn auf den Bahnsteig kann.

 

 

Das man sich auch mal einen Hit wünschen, und die Begleitung auf der Hackerbrücke zum Tanz einladen kann, lässt für den ein oder anderen die Bundespolizei auch mal in einem ganz besonderen Glanz erscheinen. „Die Sympathiebekundungen vor Ort zeigten, dass unser Einsatzziel erreicht wurde“, so Vanselow abschließend zum „LauKw“. Bei den großen Menschenmassen und der Vielzahl von, zum Teil stark Alkoholisierten, die zudem sehr unterschiedlich auf das süffige Wiesnbier reagieren, kann es trotz vielfältigem Bemühen um Deeskalation nicht ausbleiben, dass es auch zu Straftaten kommt. „Allerdings“, so Vanselow „ist der Rückgang von Straftaten, insbesondere der deutliche bei Gewalttaten ein sehr positives Signal“.

 

Vanselow lobt „Fingerspitzengefühl“ der Beamten

 

 

Bei den Körperverletzungen betrug der Rückgang 31% auf insgesamt 43 Taten. Bei den Gefährlichen Körperverletzungen wurden 2014 16 Straftaten erfasst (- 27%). „Auch wenn Straftaten und Verletzungsintensität nur selten vergleichbar sind“, so der Polizeidirektor, „sollte man nicht unerwähnt lassen, dass die betroffenen Opfer glücklicherweise fast ausnahmslos leichtere Belessuren davongetragen haben“. Auch im Diebstahlsbereich gab es bei 86 getätigten Anzeigen einen erfreulichen Abwärtstrend (- 10%). Eine unerfreuliche Zunahme gab es im Bereich der Beleidigungen von 46 im letzten Jahr auf heuer 54. „Unsere Erfahrung, dass Angriffshandlungen gegenüber Bundespolizisten allgemein ansteigen“, so Vanselow, „belegen leider auch die zurückliegenden 16 Oktoberfesttage. Von zehn auf 15 stiegen die Widerstände gegen Bundespolizeibeamte im Vergleich der letzten beiden Jahre. Auch die Schutzgewahrsamnahmen, überwiegend stark alkoholisierter Personen, gingen nach oben.

 

 

War diese präventive Maßnahme im letzten Jahr noch in 15 Fällen erforderlich, erhöhte sich dies heuer auf 22. Vanselow vergaß bei seinem Rückblick auch die personelle Unterstützung nicht, die seine Inspektion fast aus dem gesamten Bundesgebiet erfuhr: „Ich habe allen Anlass, mich bei allen Beamtinnen und Beamten ganz herzlich zu bedanken, die engagiert und motiviert, mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl zu einem gelungenen Wiesneinsatz der Münchner Bundespolizei beigetragen haben“.

 

 

make/pol