Christopher Street Day 2016 in München (CSD) Bilder, Videos, Nachbericht

Christopher Street Day: 125.000 feiern CSD-Parade – Bilder & Video

Weit mehr als 100 000 Menschen feiern in München bei der Politparade zum Christopher Street Day und treten lautstark für die Rechte von Homosexuellen ein. Zum ersten Mal beteiligt sich auch eine Gruppe der CSU am CSD. Am Abend leuchtet sogar die Fußball-Arena in Regenbogenfarben.

 

 

München – Selbst „Sexy Horst“ ist dabei – allerdings nur als Aufkleber. Mit einem Augenzwinkern verteilen Mitglieder des Lesbisch-Schwulen Netzwerkes in der CSU am Samstag in der Münchner Innenstadt den Aufkleber. Erstmals war eine CSU-Gruppierung damit bei der Parade zum Christopher Street Day (CSD) in München vertreten – ganz nach dem Motto der diesjährigen Parade „Vielfalt verdient Respekt. Grenzenlos!“.

 

 

86 Gruppen zogen laut Polizei am Samstag durch die Innenstadt – das ist Rekord. 115 000 Zuschauer verfolgten bei sommerlichen Temperaturen die schrille Parade von 10 000 Teilnehmern. Und am Abend leuchtete sogar die Fußball-Arena in Regenbogenfarben.

 

Zum CSD leuchtete die Münchner Allianz Arena in Regenbogenfarben , © FoTo: Allianz Arena/B. Ducke

 

Seit 1980 zeigen auch in München Menschen beim CSD Flagge für die Gleichberechtigung. Der überschaubare Demonstrationszug der Anfangsjahre hat sich mit der Zeit zu einer Großveranstaltung entwickelt.

 

Gedenken an Opfer des Orlando-Attentats

 

Hinter der ausgelassenen Feier steht die politische Forderung für die Gleichberechtigung von Schwulen, Lesben und Transsexuellen. Zur Auftaktkundgebung am Marienplatz stellte Veranstalter Thomas Niederbühl von der Rosa Liste klar. Der CSD sei „dieses Jahr den Opfern von Orlando gewidmet und allen Opfern von homophober Gewalt weltweit“. Die Redner von Bündnis 90/Grüne, SPD, CSU, Die Linke und FDP betonten allesamt, dass gegen die zunehmende Intoleranz weltweit, in Europa und auch in Deutschland Zeichen gesetzt werden müssten.

 

Etwa 40 Menschen setzten ihrerseits ein deutliches Signal – für die CSU. Zwar ist das Lesbisch-Schwule Netzwerk in der Partei nicht anerkannt, mit der Aktion hofft Initiator Patrick Slapal, seine Parteikollegen zum Umdenken in Sachen Gleichstellung zu bringen: „Die Partei muss sich bewegen, es ist an der Zeit.“ Gerade die Forderung „Ehe für alle“ sei eine zutiefst konservative Haltung, sagt Slapal. «In Zeiten steigender Scheidungsraten ist es doch gut, wenn Menschen in der Ehe noch einen Wert erkennen.»

 

 

Die Parteispitze war nur auf besagtem Sticker zugegen, aber einige namhafte CSU-Politiker, darunter die Bundestagsabgeordneten Bernd Fabritius und Julia Obermeier sowie Gudrun Zollner aus dem Parteivorstand feierten zur Partymusik auf der Fahrzeug-Ladefläche. „Die Stimmung ist toll, so hatte ich mir das erhofft. Mich freut, dass uns so gut begegnet wird von den Menschen auf der Straße“, resümiert Slapal seinen ersten CSD mit der CSU.

 

 

Bei der Forderung nach der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare sind sich viele Besucher des CSD einig. Antonio Oroz steht in eine Regenbogenflagge gehüllt am Straßenrand. In den vergangenen Jahrzehnten sei viel Gutes in Sachen Gleichberechtigung geschehen, „aber es ist nach wie vor nötig, die Vielfalt zu unterstützen. Wir haben noch viel zu kämpfen.“

 

Lederhosen und Trachtenhüte neben Latex und nackter Haut

 

Der CSD zelebriert bei ausgelassener Stimmung Vielfalt. Die Ziele der Demonstranten sind ebenso unterschiedlich. Sie tanzen durch die Innenstadt, schwenken Fahnen und zeigen Plakate, auf denen etwa steht: „Liebe kennt keine Grenzen. Lieb doch, wen du willst“. Mit dem Spruch „Mein Papa gefällt am besten in Highheels“ macht eine Gruppe auf die Situation homosexueller Eltern aufmerksam.

 

Über all diese Eindrücke legt sich das Gefühl, dass das Attentat von Orlando mit Toten hinterlassen hat. Der bunte, lebensfrohe Zug schließt mit einem Trauermarsch. Die Frage „Heute Orlando, morgen München?“ ist der Fahne vorangestellt, die den Opfern gedenkt. „Einschüchtern lassen wollen wir uns nicht. Die Situation für Homosexuelle hat sich stabilisiert und wir sind hier, damit es so bleibt.“ Es spricht Trotz aus Petra Staudinger, die mit ihrer Partnerin am Rande der Parade steht.