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Coin-Master-Entwickler müssen sich Verfahren stellen

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien steht derzeit vor einer riesigen Herausforderung, denn wie Jan Böhmermann in der Sendung Neo-Magazin Royale erklärte, ist die heißgeliebte Coin-Master-App eine massive Gefahr für Kinder und Jugendliche. Die werden nämlich ganz gezielt zum Glücksspiel verleitet, ohne es überhaupt zu merken. Auch vielen Eltern scheint gar nicht bewusst zu sein, wie risikoreich Apps dieser Art tatsächlich sind – sehen sie auf den ersten Blick doch so unterhaltsam und niedlich aus. Genau dieses Design machen sich die Entwickler zunutze und haben damit schon so manche Familien um viel Geld gebracht. Besagte Prüfstelle strebt nun ein Gerichtsverfahren gegen die Betreiber der Coin-Master-App an. Die Bereitstellung muss unterbunden werden, um den Jugendschutz zu gewährleisten. Keine einfache Situation, denn seit einigen Monaten scheint der Coin Master Boom in Europa ausgebrochen zu sein. Nicht zuletzt die Tatsache, dass die App von Promis wie Dieter Bohlen & Co. beworben wird, sorgt für einen wahren Hype.

 

Verstecktes Glücksspiel – die Gefahren für Kinder

Schaut man sich Online-Casinos im Vergleich an, so werden die Gemeinsamkeiten mit der Coin-Master-App durchaus deutlich. Die App ist zwar kein Casinospiel im klassischen Sinne, verleitet Nutzer jedoch immer wieder zum Geld ausgeben. Hier zeigt sich auch schon der große Unterschied zum traditionellen Glücksspiel, denn bei letzterem besteht zumindest die Möglichkeit, etwas zu gewinnen. Bei Coin Master ist das dagegen nicht der Fall. Die Ausgaben dienen dazu, neue Skills, Münzen und dergleichen zu erwerben. Teilweise gehen die Kosten in die Hunderte – Summen, die ein Kind gar nicht einschätzen kann. Aus genau diesem Grund will Böhmermann dem nun ein Ende setzen und die Verantwortlichen vor Gericht bringen. Lootboxen stellen eine unfassbare Gefahr für Kinder und Jugendliche dar, werden aber nach wie vor verharmlost. Kontrolliert wird das Alter der Anwender nämlich nach wie vor nicht.

 

Alles andere als ein Kinderspiel

So niedlich die App wirken mag, so wenig eignet sie sich für Kinder und Jugendliche, denn die bei Coin Master verwendete Lootbox ist für Spieler unter 18 Jahren kaum in ihrer ganzen Tragweite einzuschätzen. Aus gegebenem Anlass hat die Prüfstelle nun Klage erhoben. Das Verfahren dauert sicher noch eine Weile, wird jedoch im besten Fall zugunsten derer ausgehen, die teilweise hunderte Euro ins Spiel investieren.

Bei der Coin-Master-App dreht sich alles ums Aufbauen des eigenen Dorfes. Parallel dazu können umliegende Dörfer angegriffen und geplündert werden. Die App selbst gibt es bereits seit einigen Jahren, doch erst durch die Werbung mit Stars wie Bohlen und weiteren Prominenten hat sie an Bekanntheit gewonnen. Der integrierte Spielautomat, mit dessen Hilfe sich Münzen gewinnen lassen, ist nur ein Kritikpunkt. Viel schlimmer sind die In-Game-Käufe, die teilweise horrende Dimensionen annehmen.

 

Jan Böhmermann fordert Zuschauer auf, zu reagieren

Eigentlich ist Jan Böhmermann für Satire bekannt. Mit Coin Master trifft er jedoch diesmal ein ernstzunehmendes Thema auf den Punkt. In seiner Sendung sagte er unter anderem: „Wenn Sie bei der Polizeibehörde arbeiten oder beim Zoll, beim Finanzamt oder sogar Ordnungsamt, wenn Sie als Lehrer an der Schule oder in einer anderen staatlichen Bildungs- oder Jugendeinrichtung arbeiten:  Sie können bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien einen Antrag auf Indizierung von simulierten Glücksspiel-Apps stellen.“

Tatsächlich löste Böhmermann damit eine Welle der Anzeigen auf. Jede Menge Zuschauer haben sich im Nachgang an die Sendung mit der Prüfstelle in Verbindung gesetzt. Nun muss sich diese zeitnah darum kümmern, dass endlich Schluss ist mit verstecktem Glücksspiel für Kinder. Coin Master ist sicher nicht die einzige App dieser Art, und am Thema Lootboxen sind die Gesetzgeber inzwischen dran. Doch gerade sie genießt derzeit die Aufmerksamkeit von Millionen Nutzern, die letztlich vor den mitunter hohen Kosten geschützt werden müssen.