© Ankunft der Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof

„Danke“ an die ehrenamtlichen Helfer bei der Flüchtlingsaufnahme

Sie haben nicht lange gezögert. Unzählige Ehrenamtliche haben beim Empfang der vielen Flüchtlinge in München mitgeholfen – eine Arbeit zwischen Freude und Rührung. Manchmal fließen auch Tränen.

 

 

München – Beim Empfang der Tausenden von Flüchtlingen am Wochenende in München wurden die Behörden tatkräftig von ungezählten ehrenamtlichen Helfern unterstützt. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) würdigte ihren Einsatz als unverzichtbare Säule bei der Flüchtlingsaufnahme. „Hier gilt es, danke zu sagen.“ Sechs der freiwilligen Helfer werden nachfolgend vorgestellt.

 

 

Mohammad Hasani, 23, ist Auszubildender zum Versicherungskaufmann, aber am Samstag sofort zum Münchner Hauptbahnhof gekommen. Er selbst kam vor fünf Jahren als Flüchtling aus Afghanistan. Sechs lange Monate habe seine Flucht vom Iran aus über die Türkei, Griechenland, Italien und Österreich gedauert, bis er endlich in Deutschland angekommen sei, erzählt er. Deswegen kennt er die Situation der Flüchtlinge und ihre Schwierigkeiten – und aus genau diesem Grund war für ihn klar, dass er helfen muss. Er hat hier schon Persisch und Afghanisch gedolmetscht, hilfsbereite Menschen auf die Helfer-Liste gesetzt und Sachspenden angenommen. „Ein herzliches Dankeschön, an alle, die etwas vorbeigebracht haben“, sagt er. Der schönste Moment für ihn war, als angekommene Flüchtlinge fragten, ob sie wirklich in Deutschland angekommen seien und wie sehr sie sich nach einem „Ja“ als Antwort darüber gefreut hätten. Schwer mit anzusehen seien traumatisierte Menschen, die mit dem Zug hier ankämen.

 

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Tatjana Kuss, 51, eigentlich Sekretärin, hat am Sonntag in der Akutbetreuungsstelle am Münchner Luisengymnasium mitgearbeitet, in dem die drei Turnhallen als Notquartier genutzt werden. Kuss ist schon seit 33 Jahren bei den Maltesern aktiv. „Ich bin jemand, der lieber vor Ort mitanpackt, als einfach nur Geld zu spenden oder irgendwas in dieser Richtung. Deswegen mache ich das auch schon so lange“, sagte sie. „Bei diesem Einsatz waren für mich die großen Augen am schönsten, wenn wir mit ein bisschen Freundlichkeit auf die Menschen zugegangen sind. Man sah daran, dass sie das leider nicht mehr als selbstverständlich ansahen. Und ihnen dann das Gefühl zu geben, sie sind willkommen und angenommen, das ist einfach schön.“ Außerdem habe eine Kollegin ihr erzählt, wie sehr sich die Flüchtlingskinder am Hauptbahnhof gefreut hätten, als die Passanten ihnen zur Begrüßung Süßigkeiten schenkten. „Das finde ich auch eine schöne Geschichte.“

 

 

André ist 40 Jahre alt, seinen Nachnamen will er nicht nennen. Er arbeitet in der Pflege und hilft gern am Münchner Hauptbahnhof mit. «Wir brauchen eine richtig gute Willkommenskultur in Deutschland! Deswegen mache ich auch mit.» Auch schon vor dem Wochenende waren in München immer wieder Flüchtlinge eingetroffen, und so ist der 40-Jährige seit Tagen jeweils zehn bis zwölf Stunden im Einsatz. Aber diese Arbeit nehme einen mit, sagt er. Am Samstag seien auch ihm selbst mal die Tränen gekommen, als er die vielen glücklichen und weinenden Menschen gesehen habe. Sehr gerührt hätten ihn zwei Flüchtlinge, von denen einer den anderen auf den Schultern hatte und der dann vor lauter Freude «Germany» skandiert habe.

 

 

Auch Julia Bartl, 25, hilft am Hauptbahnhof mit. „Ich bin eigentlich BWL-Studentin und habe Zeit“, sagt sie. „Meine Schwester hat das hier zuerst gemacht. Erst hat sie nur Sachen vorbeigebracht, aber dann hat sie das alles nicht mehr losgelassen und sie hat am Dienstag angefangen, direkt am Bahnhof mitzuhelfen.“ Seit vergangenem Donnerstag sei sie selbst nun auch dabei und habe jeden Tag über zwölf Stunden gearbeitet. Besonders mitnehmen würden sie immer die Schicksale von Familien, die sich auf ihrer Flucht oder in Budapest verloren hätten. Aber es gebe auch schöne Momente: „Ich habe auch einen Bus zur Messe begleitet. Erst waren alle etwas skeptisch, aber dann gab es schnell Vertrauen. Am Ende haben die Flüchtlinge mir ihre Lieblingslieder vorgesungen und die Stimmung im Bus war sehr gut.“

 

Masud Badr, 40, stammt selber ursprünglich aus Syrien und ist einfach zum Hauptbahnhof gekommen, um mit anzupacken. Eigentlich arbeitet er in der Autoindustrie im Bereich Ersatzteile. Im Jahr 2000 kam er zum Studieren nach Deutschland und lebt mittlerweile fest hier. Er hilft am Wochenende bei vielen organisatorischen Aufgaben und springt auch mal als Dolmetscher ein, wenn er gebraucht wird. „Eine Frau mit Mann und Kindern kam hier am Bahnhof an. Sie wollten ihre Mutter anrufen und sagen, dass sie auch gut in Deutschland angekommen sind, weil die Mutter auch schon hier ist. Also habe ich ihnen mein Handy gegeben, darüber haben sie sich sehr gefreut“, sagt er. Schlimm mitanzusehen findet er, wenn Babys und Kleinkinder bei den niedrigen Temperaturen in Sommerklamotten in München ankommen und zum Teil nicht einmal Strümpfe oder Schuhe an den Füßen haben.

 

 

Barbara Schleindlsperger, 31, eigentlich Sekretärin, packt im Münchner Luisengymnasium mit an. „Wenn ich mir vorstelle, dass ich selber in so einer Situation wäre wie die Flüchtlinge, würde ich auch wollen, dass mir geholfen wird. Deswegen helfe ich mit.“ Sie rechnet am Sonntag damit, dass ihr Einsatz wohl zwölf Stunden dauert. Zuerst hat sie vor allem die überwältigende Menge an Kleiderspenden sortiert. Wenn die angekündigten Busse ankommen, ist sie für die Betreuung der Kinder zuständig.

 

Von Laura Balthasar, dpa

 

(dpa/lby)