Altes Rathaus am Münchner Marienplatz, © Altes Rathaus am Marienplatz

Das Alte Rathaus – eine architektonische Meisterleistung der Münchner Gotik

Das Alte Rathaus von München steht schon seit über 600 Jahren am Marienplatz. Die kleinen Details machen das Gebäude zu einer architektonischen Meisterleistung der Münchner Gotik. Aber nicht nur die stilvollen Fassaden sondern auch die besonderen Geschichten, die hinter dem Rathaus und seinen versteckten Feinheiten stehen, tragen zu der einzigartigen Charakternote von München bei.

 

 

Seine Geschichte

 

Das alte Rathaus entwickelte sich als Nachfolgebau aus der alten leonischen Stadtbefestigung heraus. Der Vorbau entstand 1310 und stand wesentlich weiter westlich, da die damalige Stadtbefestigung bereits am Marienplatz endete. Das Talburgtor, oder wie es ursprünglich hieß „Unteres Tor“, gehörte zur ersten Stadtmauer in München und wurde als Rathausturm umfunktioniert als der nachfolgende Bau entstand. 1392 bis 1394 wurde das alte „neue“ Rathaus durch einen großen Saal vervollständigt, der dem Gebäude bis heute seinen Charme verleiht.

 

Wie auch der „Alte Peter“, ist das Rathaus 1460 Opfer eines Gewitters geworden, bei dem der Gebäudekomplex, durch einen Blitzeinschlag abbrannte. Zehn Jahre später wurde das zerstörte Rathaus im spätgotischen Stil durch den Baumeister Jörg von Halspach, auch Ganghofer genannt, wieder aufgebaut. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde der Baustil immer wieder der zeitgenössischen Epoche angepasst. Während des 17. Jahrhunderts wurde die Außenfassade dem Stil des Barocks angeglichen. So erhielt der Rathausturm seine Zwiebelkuppel. Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Westfassade nach den Charakteren der Spätrenaissance von Augustin Demmel umgestaltet. Im 19. Jahrhundert wurde das Alte Rathaus regotisiert im Stil des Historismus. Besonders ist, dass der große Saal von all den Anpassungen, immer unbetroffen blieb.

 

1874 zog die Stadtverwaltung von München dann in das jetzige, „Neue Rathaus“, um. Dabei wurde das Erdgeschoss des alten Komplexes durch eine Durchfahrt vom Marienplatz zum Tal ersetzt, die Elemente der Gotik zeigt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Alte Rathaus besonders in Mitleidenschaft gezogen. Bei einem Bombenangriff im April 1944 wurde der Rathausturm gesprengt, woraufhin starke Einsturzgefahr bestand. Auch das restliche Gebäude wurde dabei beschädigt. Einige Jahre später begann der Wiederaufbau, wobei die Rekonstruktion des großen Saales, auch Tanzsaal genannt, das Kernstück der Wiederherstellung darstellte. Die Fassadengestaltung orientierte sich wieder an Elementen der Gotik. Hohe Fenster wurden eingesetzt und neugotische Giebelelemente  wurden verwendet.

 

altes rathaus von vorne mit hohen fenstern im gotischen stil, © Hohe Fenster des Rathauses im gotischen Stil

 

Trotz der umfangreichen Zerstörung durch den Bombenangriff, blieben die Statuen von Ludwig von Bayern an der Westfassade und die des Heinrichs des Löwen an der Ostfassade unversehrt. Ende des 20. Jahrhunderts wurde dann auch der Talburgturm, also der Rathausturm, nach langen Diskussionen in der Öffentlichkeit, von Erwin Schleich rekonstruiert – ebenfalls am gotischen Original von 1493 angelehnt.

 

statue heinrich der Löwe von unten am alten rathaus, © Statue Heinrich der Löw-Altes Rathaus

 

Seine Funktion heute

 

Das Alte Rathaus wird heute nur noch zur Repräsentation des Stadtrates oder des Oberbürgermeisters genutzt. Festakte, Gedenkfeiern oder Preisverleihungen finden dort auch statt. Für private Angelegenheiten kann der Saal ebenfalls angemietet werden.

Auch spielerisch hat das alte Gebäude was zu bieten. Seit 1983 ist hier der Sitz des Spielzeugmuseums. Alte Modelleisenbahnen, Kuscheltiere, Puppenstuben, Blechspielzeug und was sonst noch jedes Kinderherz begehrt ist hier ausgestellt. Nicht nur die Kinder bestaunen die Sammlung von Ivan Steiger, sondern auch Erwachsene können da schon Mal wehmütig werden.

 

Der Tanzsaal

 

Der Tanzsaal, 1392 bis 1394 erbaut, gab und gibt dem historischen Gebäude seinen Charme. Er diente als zentraler Raum für Feste oder Tanzveranstaltungen. Der im spätgotischen Stil errichtete Saal, mit einem Tonnengewölbe vom Tischlermeister Hans Wengler, wird zu den architektonischen Meisterleistungen der Gotik gezählt. Der Festsaal ist mit vielen kleinen Details verschönert. Zum einen bildet ein doppelköpfiger Reichsadler das Zentrum des Raumes, der mit einem Strahlenkranz umgeben ist, der den kosmischen Bezug zu Sonne und Mond darstellen soll. Mehrere Wappen, die an die Wand gemalt worden sind, demonstrieren, die derzeitigen Ordnungs- und Herrschaftsmächte der Welt. Desweitern fällt allein die meisterhaft verzierte Holzdecke auf, mit zahlreichen gotischen Stilkomponenten. Detailgetreue Holzschnitzereien und Wappen bayerischer Adelsfamilien, wie beispielsweise das Haus Wittelsbach, sind in der Decke verewigt.

 

Vergoldete Eingangstür zum Tanzsaal im alten Rathaus, © Vergoldete Eingagstür zum Tanzsaal

 

Moriskentänzer

 

Bildhauer Erasmus Grasser schnitze die kostbaren „Moriskentänzer“, die ebenfalls im großen Festsaal zu finden sind. Der Name leitet sich aus dem „Moriskentanz“ ab, ein weitverbreiteter gallertartiger Springtanz, dessen Ursprünge in Afrika liegen. 10 der 16 Figuren, sind als Kopien im Tanzsaal zu bestaunen – die Originale befinden sich im Münchner Stadtmuseum. Glücklicherweise wurden die Tanzskulpturen noch vor der Zerstörung 1931 durch den Zweiten Weltkrieg, im Stadtmuseum in Sicherheit gebracht. Rätselhaft ist jedoch, das Verschwinden der restlichen sechs Figuren und ist bislang noch unaufgeklärt.

 

Historische Ereignisse

 

Das alte Rathaus wurde 1677 als Tagungsort des bayerischen Landtags genutzt.

Darüber hinaus fand 1848 die Wahl der Münchner Abgeordneten für die Frankfurter Nationalversammlung in den Räumen statt.

Doch das einflussreichste Ereignis, ist die Rede von Joseph Goebbels, vom 9. November 1938, die die Reichsprogromnacht induzierte.

 

Gedenktafel am EIngang zum Tanzsaal in Erinnerung an die Reichsprogromnacht am 9. November 1938, © Gedenktafel am Eingang des Tanzsaals in Erinnerung an die Reichsprogromnacht am 9. November 1938

 

 

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