© pixabay.com © StartupStockPhotos

Das braucht man in München wirklich zur Start-up-Gründung

Wer mit seinem eigenen Gewerbe in der Landeshauptstadt bestehen will, braucht mehr als nur einen guten Businessplan.

Es gibt zahllose Ratgeber im Netz, die für sich in Anspruch nehmen, Gründern in spe wirklich alles zu vermitteln, auf das es wirklich ankommt. Und ja, diese Artikel sind meistens auch sehr umfangreich und decken auch zunächst unwichtig erscheinende Details ab. Allerdings: In München können die Uhren ein bisschen anders ticken. Deshalb zeigt der folgende Artikel, auf was es hier zusätzlich ankommt – neben den ganz normalen Dingen, die fürs Gründen einfach dazugehören.

 

1. Der richtige Space

Ohne übermäßig den lokalpatriotischen Hebel zu betätigen, muss man eines ganz wertneutral feststellen: Es gibt eine ganze Menge schlechtere und nur wenig bessere Städte für Start-ups. Das hat viele Gründe, aber bei uns ist vor allem der ausschlaggebende Punkt, dass sich hier vieles von dem befindet, was zum Mark des Gründer-Daseins gehört, die Möglichkeit, sich auf „neutralem Boden“ mit anderen auszutauschen, zu arbeiten, zu erschaffen.

Coworking Spaces werden aus verschiedenen Gründen als eine der wichtigsten Arbeitsmodelle für die Zukunft angesehen. Für den Münchner Gründer zählt aber vor allem erst einmal eines: Sie sind da und vor allem in Masse vorhanden. Bei mittlerweile 30 Stück steht der Zähler, darunter tummelt sich sogar Möbelgigant Ikea mit seiner „Kitchen“ in der Hansastraße. Und selbst wenn der eigene Businessplan so gar keinen Anteil dieser „jung-wild-ungebunden“-Kultur beinhaltet, die in den Coworking Spaces zelebriert wird, wird man dennoch schnell dankbar für sie sein. Denn man wird rasch feststellen, etwas damit Verbundenes zu benötigen:

 

2. Nerven bei der Immobiliensuche

© So groß München auch ist, es finden sich nur noch „Restbestände“ an unvermieteten Gewerbeimmobilien.  pixabay.com © Heinz_Hofmann_Photography

 

Wer sich selbst einen Schock versetzen will, googelt einfach mal „Büroräume München“. Suchergebnisse wird er zwar zuhauf bekommen, aber bei den Preisen wird es dann blutdrucktreibend. Fakt ist nämlich, dass bei uns gerade mal drei bis vier Prozent der gesamten gewerblichen Immobilienfläche leer stehen. Und das sind nicht die kleinen günstigen Büroräume in Randlage, nach denen man als Gründer sucht, sondern meistens die superteuren Lagen, die man sich nur leisten kann, wenn man wirklich dicke im Geschäft ist. Und es geht noch weiter, denn man braucht genau deshalb:

 

3. Eine Software für alles

München hat bekanntermaßen die je nach Auswertung höchsten Lebenshaltungskosten aller Großstädte der Republik. Doch weil bei uns eben die Wirtschaft so gut ist, sorgt das auch für etwas anderes: Wer eine gute Ausbildung vorweisen kann, kann sich aussuchen, zu wem er geht. Und das ist eben nach wie vor meist dasjenige Unternehmen am meisten zahlen kann – also schon mal recht selten ein Start-up.

Das führt dazu, dass man nicht nur Startup-typisch sowieso bei der Auswahl der Mitarbeiter jeden Cent zweimal umdrehen muss, sondern auch, dass man tendenziell aus einem recht kleinen Bewerberkreis aussuchen kann – selbst die Münchner Studenten ziehen es oft vor, bei BMW und Co. ihre Semmeln nebenbei zu verdienen. Für Gründer bedeutet das, dass sie sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, wirklich alles selbst zu machen.

Ein guter Rat, wenn das Unternehmen erst einmal größer ist und immer mehr Aufträge abwickeln muss: Dafür gibt es All-in-One-Software die von Buchhaltung bis Verkauf alles beherrscht. Definitiv günstiger und einfacher zu bekommen als ein Mitarbeiter, der einem das erledigt.

 

4. Die Uni

Muss man studiert haben, um erfolgreich ein Business zu gründen? Sicherlich nicht, das geht sogar ohne Abi. Allerdings sollte man sich als Münchner Gründer dennoch nicht allzu weit von den hiesigen Hochschulen entfernt halten, ganz speziell der LMU. Denn die betreibt ihr eigenes Entrepreneurship-Center, das berät, schult, zusammenbringt und vermittelt.

Und das mit durchaus vorzeigbaren Erfolgen: unter anderem eines der wohl am höchsten aufgestrebten Start-ups der jüngsten Zeit, Flixbus. Das sind die, die jetzt sogar nach Russland expandieren wollen. Und wo solche Erfolge produziert werden, sollte man regelmäßig vorbeischauen. Man muss nicht studieren, aber man sollte durchaus dieses Wissen abschöpfen.

 

5. Den richtigen Draht zur Stadtverwaltung

Wer sich selbstständig machen will, hat meist schon per se ein gänzlich anderes Verhältnis zu persönlicher Freiheit. Damit einher geht oft eine gewisse Abneigung gegen „die da oben“, die Steuern verlangen, einem Vorschriften machen und zudem oftmals einen ziemlichen Wust an Papierkrieg auferlegen.

Doch so verständlich es ist, nicht gerade ein Freund offizieller Stellen zu sein, ohne sie geht es in Deutschland eben nicht. Und im Gegenteil: Als Steuerzahler und jemand, der künftig dazu beitragen wird, dass Münchens Wirtschaft noch ein bisschen größer wird, kann man auch durchaus Hilfe erwarten und verlangen. Die dafür zuständigen Ansprechpartner hat die Stadtverwaltung in einem eigenen Flyer aufgelistet. Den sollte man sich vielleicht als Lesezeichen speichern oder gleich ausdrucken und an die Pinnwand hängen.

 

6. Einen Drahtesel

© So sehr Bayern auch eines der wichtigsten Zentren der Automobilindustrie ist, so sehr fährt man in der Landeshauptstadt doch besser Radl.  pixabay.com © Free-Photos

 

Wer in München aufgewachsen ist, kennt das Problem. Wer aber von außerhalb für sein Start-up hierherkommt, wird davon meistens ziemlich kalt erwischt: Der Verkehr ist verdammt dicht. Und selbst der öffentliche Personennahverkehr könnte besser sein. Aber was München wirklich gut kann und dafür selbst nach den recht strengen Maßstäben von Greenpeace gelobt wird, ist, fahrradfreundlich zu sein. Besser kann es nur Freiburg und die sind ein guuutes Stück kleiner als wir.

Tatsache ist, ein Fahrrad ist bei uns, vor allem in der Rushhour (die laut bösen Zungen von sieben Uhr morgens bis 6:59 Uhr dauert), das mit Abstand schnellste und nervenschonendste Verkehrsmittel. Kein Wunder, München selbst hat sich das hohe Ziel gesteckt, zur „Radlhauptstadt“ werden zu wollen. Bundesbeste, sozusagen. Und dafür sind wir auf einem wirklich guten Weg.

 

7. Einen großen Terminplaner

Dass man sich nicht scheuen sollte, die vielfach vorhandenen Lehrangebote für Gründer zu nutzen, haben wir bereits erwähnt. Allerdings sollte man nicht seine ganze Zeit damit vollpacken. Denn München hat auch noch an anderer Stelle etwas zu bieten, bei den ganzen Workshops, Messen und Treffen, die nur von Gründern für Gründer abgehalten werden. Simpel ausgedrückt: Jede Woche gibt es gleich mehrere Termine, die einem dabei helfen, sein Unternehmen besser zu machen.