Kind am Laptop, © fotolia.de © Rawpixel.com (#237102363)

Das Fernsehen – Was es heute ist, wie es dazu kam und wo es hingeht

Wer heute vor dem „Fernseher“ sitzt – und diesen vielleicht schon eher Smart-TV oder einfach nur TV nennt – schaut häufig kein „klassisches“ Fernsehprogramm mehr. Stattdessen wird einer der zahlreichen Streamingdienste genutzt oder es wird auf eine Mediathek zugegriffen, wo sich ebenfalls Filme, Dokumentationen und Serien finden, die irgendwann einmal im herkömmlichen Programm liefen. Weiterhin steht Gaming hoch im Kurs und über die Plattform Twitch kann anderen Gamern beim Spielen zugeschaut werden. Kurzum, das klassische Fernsehen hat starke Konkurrenz bekommen und scheint kaum noch Relevanz zu haben. Den Fragen, ob das wirklich so ist, wie sich die Fernsehkultur seit Anbeginn ihrer Existenz entwickelt hat und wo sie hingehen wird, geht dieser Beitrag nach.

 

Tablet, Mann, © Das "Fernsehen" der Zukunft – so kann es aussehen: Streaming auf mobilen Endgeräten, je nach Lust und Laune, wann und was geschaut wird. Ist das klassische Fernsehen tot? fotolia.de © Kaspars Grinvalds (#210134411)

 

Eine kurze Geschichte des Fernsehens in 10 Punkten

 

  1. 1880: Der Franzose Constantin Senlecq formuliert – vor dem Hintergrund anderer neuer elektronischer Technologien, wie Telefon und Telegrafie – die Idee der seriellen Bildübertragung. Drei Jahre später entwickelt der deutsche Erfinder Paul Nipkow ein „elektrisches Teleskop“, welches aus einer rotierenden Scheibe mit spiralförmig angeordneten Löchern besteht und somit Bilder in hell-dunkel-Signale zerlegen und wieder zusammensetzen kann.
  2. 1930: Manfred von Ardennen gelingt es, vollelektronisches, von Radiowellen übertragenes Fernsehen zu zeigen. Möglich war dies mit der 1897 von Ferdinand Braun entwickelten Braunschen Röhre, mit der sich aufeinanderfolgende Bildpunkte auf eine Glasscheibe projizieren lassen, die mit Leuchtstoff beschichtet ist. Hinsichtlich der Verwendung entscheidet man sich für einen Programminhalt und nicht für audiovisuelle Kommunikation – das Radio wird zum Bild.
  3. 1935: Das erste öffentliche und regelmäßige Fernsehprogramm der Welt startet in Berlin. Es konnte allerdings zunächst nur an 15 von der Reichspost eingerichteten „öffentlichen Fernsehstellen“ gesehen werden, welche Platz für 70 Personen boten.
  4. 1939: Mit Beginn des zweiten Weltkriegs wird die bis dahin schon rasch entwickelte Fernsehindustrie vorerst wieder stillgelegt.
  5. 1953: Die Krönung der englischen Königin Elisabeth II. wird elf Stunden lang übertragen. Ein Jahr später wird die Weltmeisterschaft live im Fernsehen übertragen. Diese beiden Großereignisse wecken den Traum vieler Menschen, selbst ein eigenes Fernsehgerät im Haushalt zu besitzen. In der Zeit des Wirtschaftswunders verwirklichen sich dies immer mehr Menschen.
  6. 1967: Das Fernsehen wird bunt. Farbfernseher sind anfangs aber noch deutlich teurer, als herkömmliche Schwarz-Weiß-Geräte.
  7. 1975: Anstelle der Kanaltreue tritt mit der Einführung der serienmäßig angebotenen Fernbedienung und der neuen Programmvielfalt das Zapping und sprunghafte Wechseln der Kanäle.
  8. 1984: Mit Beginn des Privatfernsehens beginnen sich die Fernsehlandschaft und das Fernsehverhalten deutlich zu verändern. (Mehr dazu im nächsten Abschnitt.)
  9. 1987: Das europäische Direktempfangsfernsehens feiert mit dem Satelliten „Astra 1A“ den Beginn seiner Erfolgsgeschichte.
  10. 2012: Jene Erfolgsgeschichte endet im Jahr 2012, wo die analoge Satellitenübertragung der deutschsprachigen Fernsehprogramme abgeschaltet wird. Fernsehen wird ab jetzt vor allem digital ausgestrahlt.

 

Die Einführung und Entwicklung des Privatfernsehens

 

Neue Formate

 

„Meine sehr verehrten Damen und Herren, in diesem Augenblick sind Sie Zeugen des Starts des ersten privaten Fernsehveranstalters in der Bundesrepublik Deutschland.“ Mit diesem historischen Satz läuteten Jürgen Doetz und Irene Joest am 1. Januar 1984 mit der „Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk“, kurz PKS, den Beginn des Privatfernsehens ein. Einen Tag später folgte RTLplus und das deutsche Fernsehen und die Formate, die bis dahin angeboten wurden und zu sehen gewesen waren, sollten nie wieder die gleichen sein wie zuvor.

 

Familie beim Fußballschauen am Fernseher, © Die Sportberichterstattung stellt sicherlich den Bereich des Programms dar, der sich mit Aufkommen des Privatfernsehens am deutlichsten verändert hat. fotolia.de © Syda Productions (#191058717)

 

An erster Stelle stand die Unterhaltung als Merkmal des neuen Privatfernsehens. Und damit konnte den Öffentlich-Rechtlichen durchaus Konkurrenz gemacht werden. Vor allem, weil RTLplus von Anfang an verstand, zu provozieren und Fernsehtabus zu brechen sowie sich einfacher Verkaufsrezepte à la „Sex sells“ zu bedienen.

Die Masche kulminierte in der bis heute an Berlusconis sinnfreies Fernsehen erinnernden Show „Tutti Frutti“ – der ersten „erotischen“ TV-Show im deutschen Fernsehen –, in welcher es vor allem nackte Haut zu sehen gab. Zwei Kandidaten beiderlei Geschlechts konnten durch recht simple Glücks- und Ratespielrunden Punkte erzielen, die in abzulegende Kleidungsstücke der Stripperinnen investiert wurden. Außerdem erzielten die Kandidaten selbst durch eigene Striptease-Einlagen Punkte, wobei bestimmten Kleidungsstücken ein fester Punktwert zugeordnet war.

Weitere Formate etablierten sich: Das Genre der Comedy, das sich heute auf fast allen Kanälen findet, konnte nur durch das Privatfernsehen entstehen; die Sportberichterstattung veränderte sich ebenfalls drastisch; politische Debattensendungen (z.B. „Talk im Turm), die ARD und ZDF bislang nicht im Programm hatten, entstanden.

Später folgten Zuschauerrekorde beim „Dschungelcamp“ auf RTL und mit Boulevardmagazinen wie „Explosiv“ bekamen klassische Nachrichtensendungen echte und erschreckende Konkurrenz durch Klatsch- und Tratschgeschichten. Auch Daily Soaps, Telenovelas und Castingshows sind den Privaten zuzuschreiben, darüber hinaus Harald Schmidts legendäre Late Night sowie Jauchs „Wer wird Millionär?“.

 

Geld statt Qualität

 

Nach einigen Jahren entwickelte sich die Unternehmensgeschichte von Sat.1 zum regelrechten Wirtschaftskrimi: Leo Kirchs „Kirch-Gruppe“, einer der größten deutschen Medienkonzerne, der Kirch seit 1955 aufgebaut hatte, ging 2002 in die Brüche. Seit Anmeldung der Insolvenz ging Kirch bis zu seinem Tod im Jahr 2011 juristisch gegen die Deutsche Bank vor, deren Vorstandsvorsitzender Rolf-E. Breuer die Insolvenz durch eine Interview-Äußerung zur mangelnden Kreditwürdigkeit des Unternehmens Anfang 2002 mit ausgelöst hatte.

Dass die Kirchgruppe aber jahrelang Gewinne erwirtschaftete, von denen keiner sich hätte träumen lassen, steht außer Frage. Insgesamt war und ist das Privatfernsehen eine echte Goldgrube: Es werden Milliarden umgesetzt und Gewinne im dreistelligen Millionenbereich erwirtschaftet.

Mit diesem Geld werden Zweitsender und Drittsender gegründet und es wird ins Abofernsehen, in Video on Demand, Streaming und ins Internet investiert. Das Problem dabei: Die Zuschauer spielen eine eher untergeordnete Rolle. Das führt dazu, dass das Programm der Privaten immer mehr verkümmert, damit aber weiterhin Geld verdient wird. Der Deutsche Fernsehpreis spricht Bände: Die Privaten gehen leer aus, die Öffentlich-Rechtlichen sahnen ab. Aber liegt das wirklich am „besseren“ und anderen Programm?

 

Veränderung des Programms und ganzer Lebensbereiche

 

Die Antwortet lautet: Jein. Zwar mögen die Öffentlich-Rechtlichen ein wenig seriöser wirken und eventuell auch sein, sie werben dennoch von den Privaten ab, kaufen Rechte und kopieren Ideen und Programminhalte. Damit verändert sich natürlich ganz allgemein das Fernsehprogramm.

Prominente Persönlichkeiten wie Kai Pflaume oder Günther Jauch verkörpern diese Entwicklung als Moderatoren. Pflaume moderierte einstmalig „Nur die Liebe zählt“ auf Sat.1, später bei der ARD die Wiederaufnahme von „Dalli Dalli“. Jauch, der früher nur auf RTL zu sehen war, wurde zum Vorzeigemoderator politischer Talkshows im Ersten. Die Liste lässt sich mit Jörg Pilawa, Reinhold Beckmann, Johannes B. Kerner und anderen Moderatoren und Moderatorinnen beliebig fortsetzen.

Als eindrücklichstes Beispiel dafür, wie stark der Einfluss der Privaten auf das Fernsehen, aber auch auf ganze Lebensbereiche ist, können der Sport und die Sportwelt dienen. Mit dem Erwerb der Bundesligarechte durch RTLplus im Jahr 1988 kam die Sportberichterstattung auch erstmals bei den privaten Sendern an. Ab da war nichts mehr, wie zuvor: Sport wurde von körperlicher Betätigung und der Berichterstattung darüber zu einer teuren Ware.

 

Kamera, © Einige Fußballvereine haben heute ihre eigene mediale Berichterstattung – eine bedenkliche Entwicklung. fotolia.de © Алексей Шутов (#192577723)

 

Von nun an ging es vor allem darum, auf werbewirksame Weise ein so großes Publikum wie möglich anzuziehen. Diese Metamorphose wiederum veränderte zunächst die Berichterstattung und später den Sport selbst. Letzterer litt und leidet vor allem deshalb, weil die privaten Medien sich in ihrer Berichterstattung nur auf sehr wenige massentaugliche Sportarten beschränken – vor allem jene, deren sportlicher Wettkämpfe zur Kommerzialisierung taugen.

Der Pluralismus der im Programm gezeigten Sportarten bleibt dadurch nach und nach auf der Strecke. Das ZDF zahlte ab 2012 mit fünfzig Millionen Euro pro Jahr aus Gebührengeldern einen hohen Preis für die Champions League – der große Erfolg allerdings sprach für die Aktion. Seit dem Sommer 2018 ist die Champions League nun aber nur auf Sky und der Streamingplattform DAZN zu sehen.

Dass manche Fußballclubs, wie etwa auch der FC Bayern München inzwischen eigene, private TV-Sender im Netz betreiben, die sie sich mit ihren Rekordumsätzen locker finanzieren können, mag zunächst positiv klingen. Schließlich ist die Berichterstattung dann nicht mehr abhängig von jeglichen privaten Dritten und deren Interessen.

Allerdings ist sie dann eben abhängig von den Interessen des Vereins. Berichtet der FC Bayern über den FC Bayern ist das mitunter nichts anderes als Werbung. Schließlich will sich kein Verein selbst in schlechtem Licht darstellen. Medienexperte Mathias Degen sieht in der Tendenz, dass immer mehr Vereine die Berichterstattung selbst übernehmen, eine Gefahr für die Zukunft des Sportjournalismus:

 

Sehr spannend wird sein, in wie weit tatsächlich Journalisten noch selbst Fragen stellen dürfen, in wie weit sie mit eigenen Kamerateams für eigene Perspektiven noch drehen dürfen, oder in wie weit ihnen etwas fertig zur Verfügung gestellt wird. Das wird eine entscheidende Frage sein: sind Journalisten am Ende nur diejenigen, die Informationen, die vorgegeben sind, sortieren oder dürfen sie noch selber an die Quelle heran?“

 

Lebt das „klassische Fernsehen“ überhaupt noch?

 

Wieviel und was geschaut wird

 

Laut Angaben der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung schauten die Deutschen im Jahr 2017 jeden Tag durchschnittlich 221 Minuten fern. Zehn Jahre zuvor waren es nur 208 Minuten. Das Fernsehprogramm des Bayerischen Rundfunks (BR) kann sich in Anbetracht eines hohen Marktanteils ebenfalls nicht beschweren. Die Zuschauer schätzen die regionale Ausrichtung der gesendeten Inhalte.

Das Fernsehen scheint also alles andere als tot zu sein. Auch die Erlöse aus der Fernsehwerbung steigen. Wo also ist der Haken und warum hört man immer wieder, das Fernsehen als Leitmedium sei längst vom Internet abgelöst worden?

Der Blick auf die Zukunft verrät mehr: Das lineare Fernsehen mit festgelegten Zeit- und Programmplänen wird vor allem noch von den Älteren genutzt. Die 14-29-Jährigen stehen mit durchschnittlich 105 Minuten Fernsehen pro Tag deutlich unter den Erwachsenen ab 50, bei denen es 316 Minuten sind.

Die nachkommenden Generationen werden schließlich noch weniger fernsehen und sich noch mehr auf das Internet fokussieren, auf Streamingdienste und Mediatheken, wo sich selbstbestimmter schauen lässt, wann und was man möchte.

Im Trend liegen vor allem Serien. Und genau diesen Trend haben Fernsehsender lange Zeit verschlafen. Nachträglich wird jetzt versucht, wieder mehr junge Zuschauer zu gewinnen, indem manchmal mehrere Folgen am Stück gezeigt werden. Außerdem müssen Mediatheken und TV-Ausstrahlungen nicht immer in Konkurrenz miteinander stehen. Wer über die Mediathek eine Sendung entdeckt, schaltet diese das nächste Mal eventuell auch im regulären TV-Programm ein. Tot ist das Fernsehen also nicht und es wird auch erst einmal nicht aussterben. Weiter verändern wird es sich aber auf jeden Fall.

 

Kind am Laptop, © Schon die Kleinsten streamen heute lieber, als dass sie vor dem linearen Fernsehprogramm sitzen. Diese Tendenz wird sich in Zukunft weiter fortsetzen und extremer werden. fotolia.de © Rawpixel.com (#237102363)

 

Journalismus, Werbung und Allround-Angestellte

 

Auch für Journalisten, die Werbung und Angestellte in der Branche hat sich schon einiges verändert. Journalisten sind heute keine reinen „Fernsehjournalisten“ mehr, sondern „Bewegtbildjournalisten“ – das Berufsbild ist derzeit stark im Wandel. Sie müssen auch für die Online-Arbeit ausgebildet sein, Videos fürs Netz erstellen können, bei Drehs neben klassischer Kameraarbeit auch noch ein paar Aufnahmen mit dem Handy etwa für soziale Kanäle machen, die sofort online gehen können.

Werbeagenturen wiederum müssen in der Lage sein, Fernsehspots zu entwickeln, die genauso gut auch im Internet funktionieren. Ansonsten bekommen sie von jungen und kreativen Werbenden, die sich rein auf das Netz spezialisiert haben, den Rang abgelaufen. Werber haben durch das Netz neue Möglichkeiten, müssen sie ihre Clips doch beispielsweise nicht mehr auf wenige teure Sekunden beschränken.

Allerdings ist es für das Internet noch wichtiger, dass Spots eine gewisse Haltung vermitteln, etwas, das sich von den Usern in sozialen Medien kommentieren, weitergeben, weiterspinnen, kritisieren und verbreiten lässt. Und ohne guten Hashtag geht heute auch nichts mehr. All das will gelernt sein.

Deshalb sind viele Angestellte beim Fernsehen heute auch oft Allrounder. Mehrere Aufgaben in Abteilungen werden vereint: Der Bereich Programmdesign und Multimedia legt heute beispielsweise nicht mehr nur das Programm für einen Sender fest, die Angestellten sind hier auch für die Mediatheken zuständig und für die Gestaltung des Programmdesigns. Das heißt, es werden auch Trailer und Einspieler produziert. Logischerweise muss dafür von Mitarbeitern wird entsprechend Vielseitigkeit verlangt werden. Erfahrungen in digitalen Medien und gleichzeitig popkulturelles Interesse sind Grundvoraussetzungen.

 

Das Fernsehen der Zukunft

 

Neue Plattformen entwickeln sich weiter

 

Dass Streaming und Mediatheken inzwischen schon auf jedem x-beliebigen Endgerät jederzeit unterwegs verfügbar sind, ist Alltag geworden und für die wenigsten noch etwas Ungewöhnliches oder Spannendes. Dennoch werden sich wohl auch diese Plattformen weiterentwickeln und weitere Veränderungen mit sich bringen.

Die permanente Verfügbarkeit non-linearer Fernsehinhalte wird das lineare Fernsehen irgendwann wohl vollständig ablösen. Auf diversen mobilen Endgeräten wird live gestreamt werden können, im Wohnzimmer an den Wänden (mittels Hologrammen) 3D-Hausplanung erfolgen, der Urlaub gebucht oder einfach nur ein Gamingstream genossen werden. Der Fokus im Programm vieler kleiner privater Sender wird wohl auf individuellen Sparten und Bereichen liegen, die jetzt noch kaum vertreten sind. Außerdem werden Videoplattformen, wie YouTube, Vimeo & Co. vermutlich mit eigenen TV-Kanälen mitmischen.

 

Streaming

 

Immer mehr Streamingdienste wie Netflix beginnen schon jetzt, eigene Serien und Filme zu produzieren, um ihr Angebot nach und nach völlig auf diese umzustellen und nicht mehr für teures Geld Ausstrahlungsrechte erwerben zu müssen.

Der Nachteil: Einige derjenigen, die die Bequemlichkeit der Streamingdienste in Anspruch nehmen und sich ihr Programm vermeintlich selbst zusammenstellen und genau das schauen, was sie möchten, werden dies in Zukunft nicht mehr tun, bzw. sie werden fälschlicherweise im Glauben bleiben, frei zu wählen. Denn Netflix & Co. können Inhalte mit ihrer eigenen Produktionsstrategie diktieren.

Wer Mitglied ist und sonst keine Filme und Serien kauft, sondern nur über eine einzige Plattform streamt, bekommt somit eventuell nur Einheitliches zu sehen, was aus ideologiekritischer Sicht (welche Ideologie auch immer hinter welchen Inhalten stecken mag) extrem bedenklich sein kann.

Außerdem können die Streamingdienste in diesem Fall Künstlern, Filmemachern, Regisseuren und Schauspielern mit einer eventuellen Monopolstellung die Arbeit nach Belieben vorgeben, vergüten und Kreativität auf eine Norm zurechtstutzen. Wichtig wird also sein, das non-lineare Fernsehen auch tatsächlich individuell und vielfältig zu gestalten. Die Wahl des Mediums seitens der Zuschauer wird ihren Teil zur Entwicklung bei der Diversität in der Zukunft beitragen.

 

Mediatheken

 

Webchannels in Form thematisch gebündelter Mediatheken für verschiedene Zielgruppen und Interessengebiete werden in Zukunft mitunter anstelle jeglicher Digitalkanäle treten. Apps könnten auf Zweitscreens wie als Fernbedienung intelligente Suchfunktionen anbieten und ermöglichen, dass persönliche Empfehlungen direkt aus der App aufgerufen werden.

Hierüber können Zuschauer bei Liveübertragungen dann vielleicht auch mit und parallel zu den Inhalten stärker interaktiv in das Geschehen eingebunden werden. Der Mitmachfaktor mittels Votings, Bewertungen, Kommentaren usw. wird neue Zielgruppen anziehen und den Zuschauer stärker als Teil des Programms verstehen.

Die Gamingplattform Twitch, bei der Zuschauer ihren „Stars“ nicht nur Kommentare zukommen lassen, sondern auch direkt Geld spenden können und von diesen mitunter sofort persönliches Feedback dafür erhalten, macht es vor: Allein im dritten Quartal 2018 verbrachten die Zuschauer 2,5 Milliarden Stunden auf Twitch. Somit stellt die Plattform etwa YouTube mit deutlichem Abstand in den Schatten und wird bald schon als frühes Beispiel für die Zukunft des Fernsehens gedient haben.

 

Gaming , © Gamern beim Spielen zuschauen und dabei interaktiv am Geschehen teilhaben – für viele junge Leute spannender, als vor dem TV zu sitzen und irgendeine Sendung zu schauen, die vielleicht gar nicht ihrer Zielgruppe entspricht. fotolia.de © Drobot Dean (#239484314)