S-Bahn, die in Bahnhof einfährt., © Symbolfoto

DB zahlt doppelt hohe Strafen für S-Bahn-Verspätungen

München – Die Deutsche Bahn musste im vergangenen Jahr wegen Verspätungen oder anderer Mängel bei der Münchner S-Bahn doppelt so hohe Strafzahlungen an den Freistaat Bayern leisten wie im Jahr 2014.

 

Die Summe habe sich von rund 200 000 Euro auf 400 000 erhöht, sagte ein Sprecher der Bayerischen Eisenbahngesellschaft in München und bestätigte damit einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung„. Mit 840 000 Fahrgästen täglich und 20 Millionen gefahrenen Kilometern pro Jahr ist die Münchner S-Bahn eines größten Nahverkehrssysteme im Land. Bis zum Jahr 2019 bleibt der Betrieb in der Hand der Deutschen Bahn. Danach soll es mehr Wettbewerb auf der Strecke geben.

 

Jedes Jahr fallen Zahlungen von der Deutschen Bahn an den Freistaat an, wenn Züge zu spät oder verdreckt sind. Auch wenn sie mit weniger Wagons als geplant fahren, muss die Deutsche Bahn sogenannte Pönalen zahlen. Für die Verspätungen auf allen bayerischen Schienen muss die Bahn über 13 Millionen für 2015 Euro an Strafzahlungen leisten. Für die Statistik gilt jeder Zug als pünktlich, der nicht mehr als fünf Minuten zu spät ankommt, eine durchaus großzügige Auslegung von Pünktlichkeit.

 

Video: Die Münchner S-Bahn aus der Luft:

 

Zugausfälle gelangen nicht in die Statistik

 

Hinzu kommt, dass Züge, die ausfallen oder frühzeitig wenden, nicht in die Statistik eingehen. Oftmals ist das in Pasing, am Haupt- oder Ostbahnhof der Fall. Nachdem diese Züge nicht die Stammstrecke passieren und daher auch nicht die zwei Pünktlichkeitsmesspunkte durchqueren, fallen diese S-Bahnen aus der Strafzahlungs-Berechnungsgrundlage.

 

Ein Zug, der nicht fährt, ist sozusagen auch nicht unpünktlich – eine interessante Auslegung der Verantwortlichen. Gerade das Ausfallen der Taktverstärker im Berufsverkehr trifft die Fahrgäste oft hart. Das Herausnehmen der Züge soll aber den Regelbetrieb früher wiederherstellen, so die Begründung er Bahn.

Doch auch ihr Ausfall zählt natürlich nicht für die Statistik. Zur Entschuldigung der Deutschen Bahn muss man erwähnen, dass sie für einen ausgefallenen Zug auch kein Geld vom Freistaat bekommt. Ein Hauptgrund, weshalb diese Bahnen aus der Statistik genommen werden.

 

Beschönigte Zahlen?

 

Dennoch fallen die Zahlen natürlich ohne diese Züge besser aus. Daher müssen sich die Verantwortlichen auch mit dem Vorwurf der Beschönigung der Statistik auseinandersetzen. Auch die Messung an lediglich zwei Messpunkten und die Dauer von sechs Minuten oder mehr, ab der ein Zug als verspätet gilt, lassen Kritiker nicht verstummen.

 

(dpa/lby)