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Die Luft in München ist besser als gedacht

In den letzten Monaten wurde viel über Grenzwerte diskutiert. Im Gesetz sind ebensolche für verschiedene Luftschadstoffe festgeschrieben, um die Bevölkerung vor Schädigungen zu bewahren. In den Medien geht es allen voran um Feinstaub und Stickstoffdioxid. Die Überschreitung der Grenzwerte zieht Luftreinhaltemaßnahmen nach sich. Akut davon betroffen oder bedroht sind Dieselfahrer. In mehreren deutschen Städten ist es bereits zu Fahrverboten gekommen und auch München war bedroht. Doch die Luft in München ist besser als gedacht. Das belegen neue Messwerte der Landeshauptstadt.

 

Die Fahrer von Dieselautos hatten es in den letzten Monaten nicht leicht. Neben der Affäre um die verbotenen Abschaltvorrichtungen gibt es in mehreren deutschen Städten zusätzlich Fahrverbote für einen Großteil der Dieselfahrzeuge. Für viele Autofahrer besteht somit nicht nur das Problem, dass der Diesel an Wert verliert, sondern auch seinen Zweck nicht (gänzlich) erfüllen kann. Aufgrund der gesunkenen Preise erweist sich ein Verkauf und ein Umstieg auf ein „sauberes“ Auto schwer. Das Auto stehen lassen, ist ebenfalls selten eine willkommene Alternative.

Ohnehin maßregeln wir uns in der heutigen Gesellschaft kaum, wenn es um Komfort contra Umwelt geht. Auch der Stromverbrauch in Deutschland ist sehr hoch. Da ein Großteil der Energie noch aus Kohle- und Atomkraft gewonnen wird, ist dies auch alles andere als nachhaltig. Zudem sorgen auch Kohlekraftwerke – wenn auch nicht in unmittelbarer Nähe zu München – für eine dreckigere Luft. Als Teil der Gesellschaft kann man hier auch selbst etwas tun. Beim kostenlosen Stromvergleich im Internet können auch Filter für die Angebote gesetzt werden, die Strom rein aus erneuerbaren Energien bereitstellen.

Das hilft natürlich den Autofahrern wenig, aber das Ziel muss eine gesündere Umwelt sein. In München sieht es derweil so aus, dass die Angst vor Fahrverboten verflogen ist. Die Luftmessungen für das Jahr 2018 von der Landeshauptstadt München sind dafür verantwortlich. Die Stadt hat letztes Jahr 20 neue Stickstoffdioxid-Messstellen installiert, die die bisherigen fünf Stationen des Bayerischen Landesamts für Umwelt ergänzen sollten.

Hier zeigt sich nun, dass der durchschnittlich erlaubte Grenzwert für Stickstoffdioxid von 40 µg/m3 eingehalten wird. In den Wohngebieten liegen die Werte sogar nur bei rund 20 µg/m3. Die am stärksten belasteten Bereiche sind logischerweise solche mit starkem Verkehrsaufkommen:

  • Landshuter Allee, Jahresmittelwert 2018 für Stickstoffdioxid: 66 µg/m3
  • Chiemgaustraße, 58 µg/m3
  • Tegemseer Landstraße, 57 µg/m3
  • Frauenstraße, 49 µg/m3
  • Stachus, 48 µg/m3
  • Steinsdorfstraße, 44 µg/m3

Die Messstellen an der Landshuter Allee und am Stachus gehören zum Lufthygienischen Landesüberwachungssystem Bayern (LÜB) des Bayerischen Landesamts. An den weiteren 16 Messstationen der Stadt München wurden die Grenzwerte im Jahresmittel nicht überschritten. Je nach Standort liegen die eingehaltenen Messwerte im Bereich von 19 bis 39 µg/m3. Daher hält auch Oberbürgermeister Dieter Reiter flächendeckende Fahrverbote in München weder für verhältnismäßig noch notwendig. „Die jetzt vorliegenden Messwerte zeigen deutlich, dass die Berechnungen des Freistaats offensichtlich unzutreffend waren“, sagte Reiter weiterhin.

 

Die Gründe für die bessere Luft

2017 lagen Luftbelastungswerte vor, die deutlich schlimmer aussahen. An fast allen Messstationen wurden die Grenzwerte überschritten – zum Teil deutlich um mehr als 20 oder 30 Prozent. Dass die Werte aus dem Jahr 2017 deutlich höher ausfielen, liegt an den Messmethoden. Das Bayerische Landesamt für Umwelt betreibt in München nur fünf Stationen, an denen die Stickstoffdioxide gemessen werden. Für den Rest der Stadt wurden auf Basis dieser Messungen Hochrechnungen durchgeführt.

Hierbei muss man zahlreiche Faktoren bedenken. Dazu gehören beispielsweise die Bebauung am Straßenrand oder die Anzahl und Art der Fahrzeuge, die auf den Straßen zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterwegs sind. Ebenso ist der Anteil der Dieselfahrzeuge zu berücksichtigen. All dies führt dazu, dass die Hochrechnungen fehleranfällig sind. Darüber hinaus wurden als Grundlage für die Berechnungen Messdaten von 2015 verwendet, weshalb die Berechnungen auch für dieses Jahr gelten müssten und nicht für 2017.

Innerhalb dieser zwei bzw. drei Jahre hat sich zudem auch der Fuhrpark modernisiert. Immer mehr Motoren mit effektiveren Abgasreinigungssystemen sind im Einsatz und auch der Anteil der Elektromobilität steigt. Ein stärkeres Aufkommen von Elektroautos könnte ohnehin für saubere Städte sorgen. Wie eingangs erwähnt, kommt es aber auch darauf an, wie der Strom für den Betrieb gewonnen wird. Stammt die Energie aus einem Kohlekraftwerk, wird die Luft in München zwar besser, aber an anderer Stelle entsteht eine höhere Belastung. So müssen auch weitere Maßnahmen gefunden werden, um die Luft in den Städten sauberer zu halten. Die Grünen fordern möglichst schnell eine autofreie Innenstadt.