Im Untersuchungsausschuss zu den Hintergründen der Haderthauer-Affäre wird der Dreifachmörder Roland S. befragt., © Im Untersuchungsausschuss zu den Hintergründen der Haderthauer-Affäre wird der Dreifachmörder Roland S. befragt.

Dreifachmörder bekräftigt Vorwürfe gegen Haderthauer

Höhepunkt im Untersuchungsausschuss zur Causa Haderthauer: Mit dem Dreifachmörder Roland S. wird einer der Schlüsselzeugen vernommen. Er liefert dabei am Freitag viele bereits bekannte, aber dennoch brisante Aussagen.

 

München – Im Untersuchungsausschuss zu den Hintergründen der Haderthauer-Affäre hat ein Schlüsselzeuge die Vorwürfe vor allem gegen den Mann der CSU-Politikerin bekräftigt. Zugleich offenbarte die Aussage des Dreifachmörders Roland S. am Freitag im Landtag fragwürdige Zustände im Bezirkskrankenhaus Ansbach über Jahre hinweg.

 

Roland S. ist seit vielen Jahren in den Bezirkskrankenhäusern Ansbach und Straubing untergebracht. Er war der Hauptkonstrukteur der teuren Luxus-Modellautos, die das Unternehmen „Sapor Modelltechnik“ in Ansbach und Straubing fertigen ließ und in alle Welt verkaufte. Mitgesellschafter dort waren nacheinander die spätere Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) und ihr Mann, damals Stationsarzt in Ansbach und heute Landgerichtsarzt in Ingolstadt.

 

Seit vergangenem Jahr ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen das Ehepaar Haderthauer, unter anderem wegen Betrugsverdachts. Hintergrund ist eine Anzeige ihres früheren Geschäftspartners Roger Ponton. Der französische Geschäftsmann wirft den Eheleuten vor, ihn um mehrere 10 000 Euro geprellt zu haben. Die CSU-Politikerin musste im Herbst 2014 von ihrem Posten in der Staatskanzlei zurücktreten.

 

 

S. berichtete, Hubert Haderthauer habe auf die Modellbauer im Maßregelvollzug in Ansbach immer wieder Druck ausgeübt, schneller zu arbeiten. Er stützte damit seit langem im Raum stehende Vorwürfe, dass es dem Ehepaar in erster Linie um Profit gegangen sei. Christine Haderthauer hatte dagegen im Sommer 2014 gesagt, die Firma sei ein „von Idealismus getragenes Engagement finanzieller Art“ gewesen.

 

Zudem sagte S., dass er das Bezirkskrankenhaus regelmäßig habe verlassen dürfen, beispielsweise zu diversen Modellbau-Messen, aber auch zu einer Besprechung in Sachen „Sapor“ im Elsass. Und: S. berichtete von einem gemeinsamen Abendessen, bei dem auch Christine Haderthauer dabei gewesen sei – und ihm das Du angeboten habe. Die CSU-Politikerin hatte dagegen Anfang August 2014 auf Facebook geschrieben, sie sei „niemals mit Herrn R. S. essen gewesen“.

 

Zudem sagte der Dreifachmörder auf Nachfrage, ob er quasi Leiter der Modellauto-Produktion in Ansbach gewesen sei: „Ja, vom Anfang bis zum Schluss. Vom ersten Bleistiftstrich bis zum Werkstattkehren war ich überall involviert.“ Einen Therapieplan habe er dagegen trotz wiederholter Nachfragen nie bekommen – erst im vergangenen Jahr.

 

Der heute 76-jährige Dreifachmörder war 1988 zu lebenslanger Haft und Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus verurteilt worden. Er hatte 1982 einen 17-jährigen Lehrling und am Jahreswechsel 1985/1986 einen 28-jährigen Arbeiter – beides seine homosexuellen Partner – umgebracht und verstümmelt. Bereits 1972 war er wegen eines solchen Mordes zu einer 14-jährigen Haftstrafe verurteilt worden.

 

(dpa/lby)