Historische Tram, © Foto: Bildarchiv der Freunde des Münchner Trambahnmuseums e.V.

Eine Stadt vor unserer Zeit: Das historische München

München ist eine herrliche Stadt mit einer prächtigen Zukunft. Doch auch eine spannende und wechselhafte Geschichte gehört zu unserer Heimat. Dieser Artikel möchte einen Einblick geben in das Leben einer längst vergangenen Zeit.

 

Läuft man die Straßen des modernen Münchens entlang, kann man auch heute noch geschichtsträchtige Bauten bestaunen. Darum hat unsere Stadt so einen unverkennbaren Charme. Wir nehmen euch mit auf eine kleine Reise in eine Stadt vor unserer Zeit. Die historischen Aufnahmen sind zwischen 1898 und 1967 entstanden und zeigen Straßenzüge und Gebäude, die heute noch so oder so ähnlich bestehen. Die gezeigten Orte haben sich zwar oft stark verändert, doch kleine Details trotzen dem Zahn der Zeit.

 

Das Gärtnerplatztheater

 

Das Staatstheater am Gärtnerplatz wurde schon 1865 eröffnet und gerade erst renoviert. Es erstrahlt in herrlich weißer Farbe. Das war nicht immer so. Die historische Aufnahme stammt aus einer Zeit, in der Hitler und seine Partei schon Deutschland regierten. Doch der verheerende Weltkrieg hatte noch nicht begonnen.

 

 

 

Ludwigstraße

 

Als München sich 20 Jahre nach dem Krieg endlich durchringen konnte, eine Untergrundbahn zu bauen, musste Einiges in Gang gesetzt werden. Besonders als man sich für Olympia bewarb, sollte es plötzlich schnell gehen. Ganze Straßenzüge waren ewig nicht befahrbar. Auch die Ludwigstraße musste für den Tunnelbau gesperrt werden. Darum baute man kurzerhand eine Brücke für die quer verlaufende Straße, die heute Von-der-Tann-Straße bzw. Oskar-von-Miller-Ring heißt.

 

 

 

Alter Peter

 

Die Pfarrkirche Sankt Peter wurde schon vor hundert Jahren liebevoll „Alter Peter“ genannt. Das liegt daran, dass das Gotteshaus bereits im frühen 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde. Nach unzähligen Um- und Ausbaumaßnahmen im Laufe der Zeit wurde sie im zweiten Weltkrieg komplett zerstört. Die ausnahmslose Spendenbereitschaft der Münchner machte jedoch den vollständigen Wiederaufbau möglich. Deshalb können wir auch heute noch diese wunderbare Kirche betrachten – wie einst im Jahre 1910.

 

 

 

Kalkofeninsel: Muffatwerk und Volksbad

 

Schaut man von der Steinsdorfstraße über die Isar in Richtung Muffatwerk, geht der Blick unweigerlich über die Kalkofeninsel. Die ist eigentlich nur eine Halbinsel und fällt heute kaum mehr auf, da sie nicht mehr so stark bebaut ist wie auf dieser historischen Fotografie von 1905. Das erweiterte Muffatwerk und das Müller’sche Volksbad waren zu dieser Zeit noch ziemlich neu.

 

 

 

 Burgstraße, Café Perzel

 

Der Blick in die Burgstraße, die direkt vom Marienplatz abgeht, ist bis heute ziemlich unverändert: Die leicht gekrümmte Straße bietet den Anblick von unterschiedlich hohen Häuserfassaden. Doch heute steht an der Straßenecke ein riesiges Kaufhaus der mittlerweile börsennotierten Firma Ludwig Beck. Auf dem Foto aus dem Jahre 1910 sind an dieser Stelle zwei Gaststätten zu sehen, die damals sehr beliebt waren.

 

 

 

Grünwalder Straße, Tegernseer Ladstraße

 

Die heutige Grünwalder Straße sieht ganz anders aus als auf diesem Foto von 1943. Sie ist enorm verbreitert worden und von der alten Bausubstanz ist auch nichts mehr zu sehen. Doch zwei Dinge sind noch immer gleich an der Ecke zur Tegernseer Landstraße: Die Tram samt Oberleitungen und die Silhouette der prächtigen Heilig-Kreuz-Kirche am Ende der Straßenschlucht. Ganz in der Nähe übrigens schon damals: Das Grünwalder Stadion.

 

 

 

Schrannenhalle

 

Die sogannte Schrannenhalle kennen Neu-Münchner heute nur noch als das Gebäude der italienischen Feinkostkette Eataly. Diese Aufnahme von 1898 zeigt die Halle, als hier noch hauptsächlich Getreide gehandelt wurde. Große Teile des 20. Jahrunderts war die Halle übrigens gar nicht mehr am Platz. Weil der Handel in die Großmarkthalle verlegt wurde, benutzten die Stadtwerke das Baumaterial für ein Lagerhaus in Moosach. Erst in den 1980er Jahren wurde die Schrannenhalle wiederaufgebaut.

 

 

 

Frauenstraße

 

Mit direktem Blick auf den weltberühmten Viktualienmarkt steht an der Frauenstraße Nummer 10-12 ein Wohnhaus. Es ist heute eines der Baudenkmäler der Altstadt. Wie fast alle Häuser an der Frauenstraße halten es die Denkmalschützer der Stadt für besonders schützenswert. Charakteristisch für den Wohnblock sind die vier Erker und die aufwändig gestalteten Ansichten von München entlang der Fassade. Letztere waren auf der Aufnahme von 1910 gerade ein Jahr alt.

 

 

 

Münchner Freiheit

 

Der bekannte Platz in Schwabing hieß nicht immer Münchner Freiheit. Erst nannte er sich Feilitzschplatz, bis er 1933 in Danziger Freiheit umgetauft wurde. Um ihren vermeintlichen Ansprüchen an die Freie Stadt Danzig Ausdruck zu verleihen, trugen nämlich die Nazis den Städten und Gemeinden im Reich auf, verkehrsreiche Plätze mit dem Namen „Danziger Freiheit“ zu versehen. Der heutige Name „Münchner Freiheit“ ist also eine Anspielung an die Befreiung Münchens zum Ende des zweiten Weltkrieges.

 

 

 

Löwenbräukeller

 

Im Jahre 1883 wurde der Löwenbräukeller feierlich eröffnet. Die Brauerei wollte einen eigenen Biergarten direkt am Werksgelände und bekam das eigensinnige Gebäude am Stiglmaierplatz. Der Löwenbräukeller wurde zum Publikumsmagneten: Am Anfang des 20. Jahrhunderts traten hier viele bedeutende Künstler auf. Aus dieser glorreichen Zeit stammt auch die Aufnahme. Große Teile wurden im Krieg zerstört. Heute erstrahlt das Brauhaus in anderen Farben und unter der gastronomischen Leitung der Schottenhamels.

 

 

 

Rotkreuzplatz

 

Der Rotkreuzplatz wurde im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs nahezu komplett zerstört. Das Foto von 1935 zeigt den Platz in seinem ursprünglichen Zustand. Das hier abgebildete Wohnhaus mit dem runden Turm wurde 1945 zerbombt. Doch heute wie damals befindet sich an derselben Stelle die Winthir-Apotheke.

 

 

 

Und als besonderes Schmankerl gibt es hier noch einen kurzen Film über den Münchner Stadtverkehr der 1920er- und 1930er-Jahre. Ganz so viel hat sich doch gar nicht verändert, oder?