Ein Elektroauto von BMW wird auf einer Ausstellung aufgeladen., © Bildquelle: servickuz – 216798667 / Shutterstock.com

Elektrozeitalter zwingt BMW zu deutlichen Vorleistungen

Der Automobil- und Motorradhersteller BMW geht für die Forschung und Entwicklung im Elektromobilsektor kräftig in finanzielle Vorleistung.

 

Um dem Wandel von Verbrennungsmotoren hin zu elektrisch betriebenen Fahrzeugen gerecht zu werden, geht der Automobil- und Motorradhersteller BMW kräftig in finanzielle Vorleistung. Der neue Finanzvorstand Nicolas Peter kündigte hohe Investitionen im Sektor der Forschung und Entwicklung an. Die Abgasvorgaben der EU seien jedoch ganz ohne Dieselfahrzeuge nicht zu erreichen. Neben dem Elektrozeitalter und der zukünftigen Elektro-Flotte steht die Förderung des autonomen Fahrens auf der Agenda für die nächsten Jahre ganz oben.

 

Ein Elektroauto von BMW wird auf einer Ausstellung aufgeladen., © Bildquelle: servickuz – 216798667 / Shutterstock.com

 

Zwingende Vorleistungen für BMW

 

Der weltbekannte Münchner Autokonzern BMW hat die Zeichen der Zeit erkannt und investiert kräftig in den Sektor Forschung und Entwicklung. Besonders der Wandel hin zum Elektrozeitalter hat maßgeblich Einfluss auf die finanziellen Vorleistungen. Das machte der neue Finanzvorstand Nicolas Peter in seinem ersten Interview deutlich.

 

„Die CO2-Reduzierung, die Elektrifizierung der Antriebe und das autonome Fahren sind die zentralen Herausforderungen unserer Industrie für die nächsten Jahre“, erklärte Peter. „Die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen werden bereits in diesem Jahr auf rund sechs Prozent des Umsatzes ausgeweitet.“ Der Finanzvorstand gab ebenfalls zum nächsten Jahr bereits eine Prognose bekannt: „Auch im kommenden Jahr dürften wir eine höhere Relation verzeichnen.“

 

Die von BMW ursprünglich selbst gesetzte Zielbandbreite von fünf bis maximal 5,5 Prozent wird somit überschritten. Bereits im vergangenen Berichtsturnus stieß der Automobilkonzern an die gesetzten Vorgaben, indem die Marke von 5,5 Prozent des Umsatzes für Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen erreicht wurde.

 

Infografik zu den Fakten und Zahlen der BMW Group, © Fakten und Zahlen der BMW Group. Bildquelle: eigene Darstellung

 

In Zahlen entsprach dies finanziellen Aufwendungen von ca. 5,2 Milliarden Euro. Glaubt man den Marktprognosen der Analysten, wird der diesjährige Gesamtumsatz des Konzerns auf rund 97 Milliarden Euro ansteigen. Ausgehend von diesen Zahlen hieße das, dass die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen um eine Milliarde Euro auf 6,2 Milliarden Euro aufgestockt würden.

 

Video: BMW Group Werk Dingolfing – Zukunft der Elektromobilität

 

Finanzierung aus eigenen Mitteln

 

Die zusätzlichen Kosten aus dem Sektor Forschung und Entwicklung sollen aber keinesfalls aus Kapitalaufnahmen finanziert werden. „Wir finanzieren das wie gehabt aus eigenen Mitteln“, versprach Nicolas Peter. Die finanzielle Absicherung des unumgänglichen Wandels hin zum Elektrozeitalter soll durch klassisch erwirtschafteten Cash Flow, also durch Überschusseinnahmen gewährleistet werden.

 

Hierfür setzt BMW zu großen Teilen auf den Verkauf von dieselbetriebenen Luxus-Geländewagen. Ein Widerspruch? Nicht laut den Worten von Nicolas Peter. Dieser betonte nachdrücklich, dass ohne Dieselfahrzeuge die strengen EU-Vorgaben zum Kohlendioxidausstoß nicht erreicht werden könnten.

 

„Wir werden das EU-Ziel, bis 2021 den Kohlendioxidausstoß auf 95 g pro Kilometer im Flottendurchschnitt zu reduzieren, erreichen. Das setzt einen gewissen Dieselanteil bei jedem Hersteller voraus, ohne den es nicht funktioniert.“ Das liege vor allen Dingen an dem rund 15 Prozent niedrigeren CO2-Ausstoß von Dieselfahrzeugen im Vergleich zu Autos mit Benzinmotoren.

 

Elektroautos sind die Zukunft

 

Beim Thema Dieselfahrzeuge kommt unweigerlich der Dieselskandal und die Volkswagen-Manipulationsaffäre zur Sprache, die aktuell immer weitere Kreise zieht. Als eine Folge aus der Diesel-Affäre ist die Diskussion über Verbannungszonen für Dieselfahrzeuge aus deutschen Innenstädten aufgeflammt. Finanzvorstand Nicolas Peter hat auch zu diesem Thema eine klare Haltung und appelliert alle Beteiligten, den Sachverhalt nicht zu emotional zu bewerten.

 

„Klar ist doch: Wir benötigen Planungssicherheit und plädieren für eine sachliche Diskussion ohne gezielte Skandalisierung.“ Betrachte man die Fakten, zeige sich, dass die Dieselfahrzeuge weniger als 15 Prozent zu den Feinstaubemissionen beitragen, verdeutlichte Peter. „Der wesentliche Anteil stammt von der Landwirtschaft, von Feueranlagen und von der Industrie.“

 

Zudem machte der Finanzvorstand Werbung in eigener Sache und gab bezüglich möglicher Restwertrisiken bei Elektroautos Entwarnung: „Derzeit beobachten wir, dass sich die Restwerte unserer i3-Fahrzeuge sehr stabil entwickeln und wir der restwertstabilste Anbieter von E-Fahrzeugen sind.“

 

Dass ein elementarer Wandel in der Automobilindustrie bevorsteht und das Elektrozeitalter bereits anklopft, scheint allerdings auch dem Münchner Autokonzern bewusst zu sein. Neben den stetig steigenden Vorleistungen und finanziellen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung im Bereich der elektrisch betriebenen Fahrzeuge ist die Zukunftsvision von autonom fahrenden Autos eines der Hauptinvestitionsfelder.

 

Video: Elektromobilität läutet starke Marktveränderungen ein

 

Auf dem Weg zum autonomen Fahren

 

Doch autonomes Fahren ist längst keine reine Zukunftsvision mehr, was Testfahrten von autonom fahrenden Autos von BMW im Münchener Vorort Garching zeigen. Zudem sind schon die aktuellen Modelle mit diversen intelligenten Fahrassistenzsystemen und digitalen Neuheiten ausgestattet. Zu sehen ist das beispielsweise bei der neuen Generation des 5er BMW.

 

Das Modell trumpft schon in der Cockpitbedienung groß auf. Das deutlich vergrößerte Head-up-Display kann über drei Varianten bedient werden:

  • per Touchscreen
  • per Sprach- und Gestensteuerung
  • per iDrive-Controller

 

Zusätzlich kann der dauerhafte Lebensbegleiter, das Smartphone, kabellos mit dem Bordcomputer verbunden und induktiv geladen werden.

 

Hinzu kommen Fahrassistenzsysteme, die schon jetzt ein teilweises autonomes Fahren auf öffentlichen Straßen ermöglichen. Systeme wie

 

  • ein Lenk­ und Spurführungsassistent,
  • ein Ausweichassistent,
  • ein Kollisionswarnsystem für Querverkehr und
  • ein aktiver Tempomat, der eigenständig bremst,

 

ermöglichen dem Fahrer teilweise, das Fahrzeug auf beispielsweise Autobahnen vollständig autonom fahren zu lassen. Jedoch sind die Techniken noch längst nicht ausgefeilt, so dass sie 100 prozentige Sicherheiten garantieren könnten. Der Fahrer muss auch während des autonomen Fahrens die gesamte Zeit seine Hände am Steuer haben, um im Notfall eingreifen zu können.

 

Dennoch geben die eindrucksvollen Innovationen einen positiv gestimmten Ausblick auf die Zukunft der Automobilbranche. Elektrisch betriebene Fahrzeuge mit einem geringen CO2-Ausstoß durchkreuzen deutsche Straßen völlig autonom. Für diese Zukunftsvision sind allerdings noch diverse Investitionen in Forschung und Entwicklung vonnöten, wie sie der Münchner Autokonzern BMW unlängst beschlossen hat.

 

Bildquelle: servickuz – 216798667 / Shutterstock.com