© Der Bayrische Landtag aus einer anderen Perspektive   - Foto:  Dirk Schiff/Portraitiert.de

Enquete-Kommission: Busse, Internet und Geld braucht das Land

Weil die beruflichen Perspektiven auf dem Land nicht rosig sind, versuchen viele Menschen in Ballungsräumen ihr Glück. Die Folge: Dörfer sterben aus, Städte boomen. Das muss besser werden, sagt die Enquete-Kommission des Landtags. Und zeigt, wie das gehen könnte.

 

Bayerns Großstädte platzen aus allen Nähten – und auf dem Land stehen Häuser und Geschäfte leer. Um die Landflucht stoppen und gleichzeitig die Ballungsräume entlasten zu können, sind vor allem Busse, Internet, Ärzte, Schulen und kulturelle Angebote in den strukturschwächeren Regionen nötig. Das geht aus dem am Dienstag vorgestellten Bericht «Gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Bayern» der Enquete-Kommission des Landtags hervor.

 

Seit 2014 haben Politiker aller Fraktionen und Wissenschaftler einen Leitfaden für die bayerische Entwicklung in den kommenden 30 Jahren erarbeitet. Sie haben sich dafür mit den Themenbereichen Geld für Kommunen, Arbeit, Bildung, Gesundheit und Pflege, Wohnen, Mobilität, Breitbandversorgung sowie Freizeit und Kultur auseinandergesetzt.

 

Die Kernbotschaft des 155-seitigen Berichtes ist: Ländliche Regionen müssen gestärkt werden. «Damit werden automatisch auch die Boom-Regionen entlastet», sagte der stellvertretende Kommissionsvorsitzende Christoph Rabenstein (SPD) am Dienstag laut Mitteilung. Es gehe darum, dass jeder in jeder Region die gleichen Startchancen und Entwicklungsmöglichkeiten habe, erklärt Rabenstein das Ziel des Berichts. Das sei «ein Rezept gegen Abwanderung».

 

Deshalb empfiehlt die Kommission vor allem mehr Geld für Gemeinden und kleinere Städte. Nur so seien diese in der Lage, ihren Bürgern etwas zu bieten. Zum kommunalen Angebot sollten der Kommission zufolge nicht nur Theater, Museen, Turnhallen und Büchereien gehören. Vor allem ein gut funktionierender öffentlicher Nahverkehr sei wichtig. «Ein dichtes ÖPNV-Angebot ist die Grundvoraussetzung zur Teilhabe und sozialen Inklusion», heißt es dazu im Bericht. Gleiches gelte für die Anbindung an schnelles Internet. «Wir brauchen Glasfaserkabel bis in jedes Haus, bis in jeden Weiler. Das darf man nicht rein finanziell betrachten», sagte Rabenstein dazu. Schnelles Internet sei wichtig sowohl für die Betriebe als auch die Bürger.

 

Zudem sollten Schulen weniger häufig zusammengelegt und geschlossen werden und das Ganztagsangebot sowie die Ferienbetreuung ausgebaut werden. Die Kommission empfiehlt außerdem einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler.

 

Um gerade älteren Menschen künftig das Leben jenseits der Großstädte zu erleichtern, seien außerdem mehr bezahlbare, kleinere, barrierefreie Wohnungen und Mehrgenerationen-Wohnprojekte in den Ortskernen der Städte und Dörfer nötig. Das sollte laut Kommission gefördert, der kommunale und genossenschaftliche Wohnungsbau wiederbelebt werden.

 

«Wir müssen Bayern ins Gleichgewicht bringen», sagte Rabenstein weiter. «Wer weiterhin in seiner Heimat leben will, muss dies auch können», sagte der SPD-Politiker. Der Bericht soll dabei den Akteuren und Entscheidern vor Ort eine Art «Werkzeugkasten» sein, aus dem sie die für sie passenden Instrumente nehmen und anwenden könnten.

 

Einige Empfehlungen der Enquete-Kommission werden bereits umgesetzt. «Wir fangen nicht bei Null an. Es wurde auch schon was gemacht. Aber es ist noch viel zu tun. Wir müssen die positiven Ansätze verstärken. Dazu ist auch dieser Bericht gut», so Rabenstein. Er geht davon aus, dass der Bericht zudem «eine gute Blaupause für andere Bundesländer» mit diesem Problem sein kann.

dpa