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Es muss nicht immer E-Gitarre sein: Alte Instrumente neu entdeckt

Musizieren ist ein wunderschönes Hobby. Allerdings heute leider etwas einseitig, weil sich viele Einsteiger nur auf einige wenige Instrumente fokussieren. Doch warum nicht mal anders?

 

Wie viele Bands und Solomusiker es in München gibt, das lässt sich nur schätzen. Es dürften mit Sicherheit allein vierstellige Zahlen derer sein, die echte Ambitionen haben, also gebucht werden können, regelmäßige Auftritte hinlegen usw. Hinzu kommen natürlich auch diejenigen, die an den Hochschulen Musik studieren und somit ebenfalls dazugezählt werden müssen. Die LMU hat ebenso ein eigenes Institut für Musikwissenschaft, wie die Hochschule für Musik und Theater sich komplett diesem Themengebiet widmet. Diejenigen Musiker, die das Ganze nur aus Spaß an der Freud betreiben, dürften ohne Übertreibung in die Zehntausende gehen. Summa summarum vorsichtig geschätzt mindestens 50.000 Münchner, die ein Instrument spielen oder es vorhaben. Dagegen jedoch eine ziemlich kleine Auswahl an Instrumenten. Die allermeisten fokussieren sich auf das, was eine Band ausmacht: Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard. Mit diesem Quartett kann man einen Großteil der populären Musikrichtungen abdecken. Zum Leidwesen unzähliger anderer Instrumente, die dadurch regelrecht aussterben. Der folgende Artikel will deshalb dazu anregen, die Normalo-Instrumente in seinen Plänen beiseite zu schieben und sich auf andere, nicht minder facettenreiche Geräte zu fokussieren. Nicht nur, um deren Überleben zu sichern, sondern auch Münchens musikalische Vielfalt.

 

 

Die Zither

Gleich mit dem ersten Instrument wollen wir ein Statement für bayerische Musikkultur setzen, mit der Zither. Zwar gibt es bei diesem Saiteninstrument viele Varianten, hier ist allerdings die „Alpenländische Zither“ gemeint. Auf den ersten Blick erscheint sie Laien schnell wie eine „kaputte Gitarre“. Zwar gibt es einen Resonanzkörper mit Loch, wie man ihn eben auch vom bekanntesten Saiteninstrument kennt. Aber der Hals samt der Mechanik sitzt nebendran, statt in einer Linie.

 

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Fängt man dann noch an, die Saiten zu zählen und kommt auf Werte über 30, winken viele Anfänger ab. Dabei ist die Zither kein enorm komplexes Instrument, wie es die hohe Saitenzahl vermuten lässt. Wie bei der Gitarre hat man einige Griffbrettsaiten, die man mit der Linken greift und der Rechten anschlägt. Die anderen, sogenannten Freisaiten, werden nur mit der Rechten gezupft. Gerade als totaler Instrumenten-Neuling hat man es dabei einfacher, als würde man von einem anderen Saiteninstrument umsteigen, dann muss man sich keine Eigenheiten abtrainieren. Übrigens hat niemand behauptet, dass man auf einer Zither nur alpenländische Musik spielen könnte:

 

 

 

Die Trompete

Zugegeben: Als Münchner Innenstadt-Mieter benötigt man, um Trompete spielen zu können, fast zwingend einen abgeschiedenen Proberaum, wenn man es sich nicht mit den Nachbarn verscherzen will. Aber einmal ganz abgesehen davon ist die Trompete heute ein vielfach missverstandenes Instrument. Zum einen deshalb, weil die meisten Laien dabei nur die typische dreiventilige Trompete vor dem Auge haben. Zum anderen, weil viele dabei nur an „Humpta-“ oder Bigband-Musik denken.

Beides ist falsch. Denn zunächst mal gilt, dass es viele verschiedene Bauarten dieses Instruments gibt, von denen die Ventiltrompete nur eine ist und die sogar bis zur (fast) taschentauglichen Taschentrompete reichen. Gemein ist ihnen allen nur, dass sie Blechbläser sind und der Ton durch unterschiedliche Lippenspannungen erzeugt wird. Obendrein ist die Trompete integraler Bestandteil vieler Musikrichtungen, die richtig „fetzen“. Ein brühheißer Jazz wäre schlicht nicht denkbar ohne Trompeter. Gleiches gilt für Ska, Dancehall und daran angeschlossen so manche Rap-Beats. Das sehr bekannte „Cliser“ von Lemaitre käme auch gar nicht ohne aus.

 

 

 

Das Theremin

Dem Theremin gebührt nicht nur die Ehre, das erste elektrische Instrument gewesen zu sein, als es 1920 erfunden wurde. Es ist gleichsam auch eines, dessen Klänge so buchstäblich „abgespaced“ sind, dass kein anderes Instrument auch nur in die Nähe kommt. Klingt spannend? Dann dürfte die Tatsache, dass es vollkommen berührungslos gespielt wird, noch mehr Leser befeuern, nebst allen, die an Elektrik interessiert sind.

 

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Denn die Funktionsweise dieses faszinierenden Instruments basiert nur auf Oszillatoren, Kondensatoren und Induktionsspulen sowie der elektrischen Leitfähigkeit des Spielerkörpers selbst. Je nachdem, auf welcher Position zur „Antenne“ man seine rechte Hand hält, spielt das Theremin hohe oder tiefe Töne, die linke Hand steuert zusätzlich die Lautstärke, sodass sich enorm coole Effekte erzielen lassen. Das ist mit ein Grund dafür, dass Theremin-Klänge auch häufig in Science-Fiction-Filmen und -Serien verwendet wurden.

Beim „Orkestra Obsolete“ des britischen BBC kommt das Theremin sogar zu Ehren, um einen Klassiker der elektronischen Musik zu spielen. Blue Monday:

 

 

 

Die Schalmei

Mit dem großen Erfolg von Serien wie „Game of Thrones“ oder „Vikings“ stieg auf Google die Anzahl von Fragen nach den dort gehörten Instrumenten sprunghaft an. Kein Wunder, gingen doch die Produzenten oft weite Wege, um einen realistischen Sound dieser mittelalterlich (anmutenden) Serien zu gewährleisten. Im Mittelpunkt immer wieder ein Instrument, dass heute nur deshalb kaum noch gespielt wird, weil die Oboe es verdrängt hat, die Schalmei.

Was den Aufbau der Schalmei anbelangt, haben wir es mit einem klassischen Holzblasinstrument zu tun. Die Tonlage wird ähnlich wie bei einer Flöte über Luftöffnungen gesteuert, welche man mit den Fingern verschließt und öffnet. Erzeugt wird der Ton über ein sogenanntes Doppelrohrblatt, welches durch Anblasen in Schwingungen versetzt wird. Bei der Schalmei gilt: Falls gewünscht in brachialer Lautstärke. So laut wie die Schalmei ist fast kein anderes Holzblasinstrument. Doch das ist nicht das Hauptargument dafür. Das liegt im einzigartigen „Mittelalter-Sound“, der sich praktisch nicht reproduzieren lässt:

 

 

Der Dudelsack

Auch für den Dudelsack gilt das gleiche wie bei der Trompete, leise kann man ihn fast unmöglich spielen. Dafür aber gibt es kein anderes Instrument, welches so sehr in der Lage ist, Gänsehaut zu erzeugen, zumindest bei dem überwiegenden Teil der Musikliebhaber, die sich zu den Dudelsackfans zählen.

Grundsätzlich ist der heutige Dudelsack, den wir mit typisch schottisch/irischer Musik verbinden, ein echtes Welt-Instrument. Egal welche alte Kultur man sich anschaut, in den allermeisten davon nutzte man die Kombination aus Luftspeicher und einer oder gar mehrerer Pfeifen, um damit Musik zu machen. Ja, auch in Bayern hat die „Sackpfeife“ eine sehr lange Tradition. Doch wie funktioniert der dudelnde Sack? Eigentlich ganz einfach: Der Spieler bläst zunächst den Sack auf und sorgt auch während des ganzen Spiels dafür, dass das Luftreservoir gefüllt bleibt. In der einfachsten Sackpfeifen-Variante ist daran eine Pfeife angeschlossen, deren Tonlage man über Luftlöcher steuert, während man durch Druck des Ellbogens dafür sorgt, dass die Luft für eine ausreichende Lautstärke durchfließt.

 

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Beim typischen Schotten-Dudelsack kommen jedoch noch zusätzliche Pfeifen zum Einsatz, die sogenannten Bordunen. Sie sind auf eine Grundtonart gestimmt, sodass nur ein Dudelsackspieler danach klingt, als spielte ein ganzer Trupp. Und: Die Sackpfeife ist nicht schwieriger zu erlernen als andere Holzbläser. Zudem gibt es in Form des „Practice Chanter“ eine spezielle flötenartige Pfeife, die man ähnlich spielt, bloß ohne den teuren Sack selbst.

 

 

Fazit: Musikalisches „Altland“ neu entdecken

Klar machen E-Gitarre und Co. mächtig Spaß. Aber wenn man sich schon auf die Fahne geschrieben hat, ein Instrument zu lernen, warum will man dann unbedingt immer nur den „Golf“ unter den Instrumenten fahren? Gerade die Klassiker sind es, die für einen echten Coolness-Faktor sorgen. Denn „Ich spiele Schalmei“ sorgt nun mal automatisch für mehr interessierte Nachfragen als „ich spiele E-Gitarre“.