Ex-Wiesnchefin Gabriele Weishäupl: Wirte sollen Terrorschutz zahlen

Mehr als 25 Jahre lang hat Gabriele Weishäupl die Wiesn geleitet – und dabei einige Revolutionen angeleiert. Jetzt fordert sie: Nicht die Gäste, sondern Wirte sollen für höhere Sicherheitsmaßnahmen zahlen.

 

Sie soll maßgeblich an der Renaissance der Tracht beteiligt gewesen sein: Ex-Wiesnchefin Gabriele Weishäupl. In den 1980er-Jahren, als die Tracht noch eher als verpönt galt, kam sie konsequent im Dirndl zu Auftritten in aller Welt. Und setzte damit irgendwann einen Trend. Brauchtum und Tradition sind für Weishäupl auch heute noch das Rezept für eine erfolgreiche Zukunft des größten Volksfestes der Welt.

 

Aber die Salonfähigkeit der Bayerischen Tracht ist nicht die einzige Veränderung auf der Wiesn, für die sich Weishäupl eingesetzt hat. Während ihrer Zeit als Leiterin des Oktoberfests waren ihr immer Familienfreundlichkeit und Ökologie ein Anliegen. Etwa wird Spülwasser in Zelten heute teils für die Klospülung «zweitverwertet». Für die Festzelte verlangte sie niedrigere Dezibel-Werte und traditionellere Musik. Die Wirte muckten auf – und fügten sich schließlich.

 

Auch aktuell wird wieder über Änderungen auf dem Oktoberfest gesprochen. Erst am Dienstag forderte Wiesnchef Josef Schmid, die Wiesnwirte sollten für die erhöhten Kosten für die Sicherheit auf dem Oktoberfest aufkommen. Um zu verhindern, dass diese die Ausgaben auf die Gäste umlegten, will er zeitgleich eine „Bierpreisbremse“ einführen. Anton Roiderer, Sprecher der Wiesnwirte, sieht diesen Vorschlag kritisch. Bier sei nun mal die Haupteinnahmequelle für die Wirte, und damit der wichtigste Faktor, um alle Kosten tragen zu können.

 

 

Für Gabriele Weishäupl ist klar: Diese Mehrkosten, die vor allem durch zusätzliches Sicherheitspersonal entstanden und sich im mittleren einstelligen Millionenbereich bewegen, dürfen nicht auf die Besucher umgelegt werden. „Es ist teuer genug, wenn eine Familie aufs Oktoberfest geht.“ Es müssten also die Hauptprofiteure zahlen.

 

Weishäupl schlägt dafür eine Umsatzpacht für die großen Wiesn-Zelte von zwei bis zehn Prozent vor. Damit würden die Schausteller entlastet, die ohnehin teils am Existenzminimum seien. Denn weil die Gäste so hohe Preise für die Reservierung zahlen müssten, blieben sie auf dem im teuer erkauften Bierzeltplatz sitzen. Als zweite Einnahmequelle schlägt Weishäupl eine Abgabe für Bierzelte oder Brauereien vor, wenn sie in TV-Beiträgen gezeigt werden. Das sei schließlich vergleichbar mit Bandenwerbung bei einem Fußballspiel.

 

Ob eine Umsatzpacht und eine Bierpreisbremse auf dem Oktoberfest umgesetzt werden, darüber entscheidet demnächst der Stadtrat. Gabriele Weishäupl wird die Entscheidung sicher mit Spannung erwarten. Ihren 70. Geburtstag am kommenden Faschingsdienstag feiert die ehemalige Wiesn-Chefin übrigens – wie könnte es anders sein – im Oktoberfestmuseum in München.

 

Weitere Informationen rund um das Oktoberfest finden Sie auf unserer Wiesn-Seite.

 

dpa/rb