Falsche Info zu Foto an Kirchenmauer – Sie urinieren nicht, sondern beten

Ein Foto zeigt angeblich Ausländer oder Asylbewerber, die in München an eine Kirche pinkeln, so die Vorverurteilung und Hetze im Netz. Die betroffene Kirchengemeinde stellt dazu klar: Die Männer beten in Wirklichkeit nur an der Kirchenmauer.

 

Wieder einmal ist ein Foto aus München im Netz aufgetaucht, das für Stimmung gegen Ausländer und Asylsuchende sorgt, obwohl das Gezeigte eigentlich in keiner Weise verwerflich ist. Laut diverser Seiten auf Facebook würden auf dem Foto Asylbewerber gegen eine Kirchenwand urinieren. Die Reaktionen überschlagen sich, die Hetz- und Hasskommentare nehmen wie so oft ihren Lauf. Ein Facebook-User wendet sich mit dem Bild an unseren Sender und schreibt uns via Facebook:

 

 

„Liebes TV München Team,

wie wäre es, wenn Ihr mal so etwas postet? Oder seid Ihr wie alle anderen Medien auch nur am Verschleiern und News fälschen?

Ich wende mich an Euch, weil dieses Bild gestern in München live aufgenommen wurde! Anzeige gegen Unbekannt wird heute auch noch erstattet. Wenn Ihr es nicht veröffentlichen wollt, werden sich sicher andere Seiten finden, die das wollen.“

 

 

Nein, hier wird nichts verschleiert, totgeschwiegen oder vertuscht, sondern es wird erstmal überprüft, was überhaupt Sache ist und was auf dem Foto wirklich gezeigt wird, denn mittlerweile hat sich auch die betroffene Kirchengemeinde St. Gertrud mit folgendem Statement dazu geäußert:

 

 

„Seit einigen Jahren wird einer der Räume unserer Kirche von der eritreisch-orthodoxen Gemeinde benutzt. Jeden Sonntag wird eine Eucharistie gefeiert. Junge Eritreer treffen sich oft auch nach der Messe am Wochenende in diesem Raum. So hat sich eine gute ökumenische Beziehung zwischen der eritreischen Gemeinde und unserer katholischen Pfarrei St. Gertrud entwickelt. Ab und zu feiern wir gemeinsam ökumenische Gottesdienste.

Nach der Tradition der orthodoxen Christen in Eritrea und Äthiopien gehen die Gläubigen oft nicht in die Kirche hinein, sondern beten draußen vor der Kirche. Sie lehnen sich an die Wand des Gotteshauses und beten. Die Männer auf diesem Bild beten gerade. Es ist nicht das, was so mancher „besorgte Bürger“ hier vermutet! „

 

Ganz offensichtlich hat der Macher des Fotos und des dazugehörigen Facebook-Posts die Situation also vollkommen falsch interpretiert und Stimmung gemacht.

 

Passend zum Thema:

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum – doch gerade in der aktuellen Flüchtlingsdebatte ist vielen das scheinbar nicht bewusst. Übelste Beleidigungen, Rassismus und Volksverhetzung sind mittlerweile fast auf allen Internetseiten zu sehen, die sich mit der Flüchtlingsproblematik beschäftigen. Polizeipräsident Hubertus Andrä klärt über die Folgen von Hetze im Internet auf. (Einen Artikel dazu lesen Sie auch hier.)

 

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„Abgefucktes Dreckspack“ – Gericht verurteilt 34-Jährigen für Hetz-Posts

 

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pm