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Fit für den Sommer, fit fürs Leben: Wie gesund ist Bayern wirklich?

Im Sommer mag niemand so recht an Krankheiten denken und die Sonne tut ihr Übriges, um die Grippezeit schnell vergessen zu machen. Aber in Sachen Gesundheit ist nicht alles eitel Sonnenschein, nur weil draußen das Wetter wieder besser wird. Deshalb sollten angenehme Außentemperaturen und viele Sonnenstunden nicht zum Anlass genommen werden, die individuellen gesundheitlichen Bedürfnisse zu vernachlässigen. Entspannen im (Bier-)Garten oder auf dem Balkon mag zwar das Gebot der Stunde sein, langfristig gesehen ist aber Bewegung angesagt.

 

 

Hausgemachte Probleme

 

Ohne Frage gibt es eine Menge äußerer Faktoren, die unsere Gesundheit in negativer Weise beeinflussen. Das kann und darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in vielen Bereichen in der persönlichen Verantwortung jedes Einzelnen liegt, seinen körperlichen Zustand im Auge zu behalten – und zu verbessern, wo es nötig ist. Für falsche Ernährung – allein in München werden jährlich knapp 14.000 Tonnen Schokolade konsumiert – oder Bewegungsmangel gibt es keine Ausreden mehr.

 

Nicht allein, weil es in Bayern eine Unzahl attraktiver Möglichkeiten gibt, sich gerade im Sommer körperlich im Freien zu betätigen. Sondern weil es eine ebenfalls große Zahl an Projekten, Programmen und Initiativen gibt, die den schwerwiegendsten Ursachen für gesundheitliche Probleme entgegenwirken.

 

Im hier thematisierten Rahmen geht es daher nicht um Erkältungen oder Halsschmerzen, die zwar recht häufig ein Ärgernis für das Wohlbefinden sind, aber eben auch ganz typisch-saisonale Erscheinungen. Natürlich hilft in diesen Fällen Bewegung an der frischen Luft ebenfalls bei der Vorbeugung, denn so wird das Immunsystem für die üblichen Erkältungsmonate gestärkt. Es soll auch nicht um psychische Krankheitsbilder gehen, die besonders im beruflichen Alltag eine große Rolle spielen und noch dazu physische Auswirkungen haben.

 

Vielmehr geht es um jene Ursachen, die zwar bis zu einem gewissen Grad äußeren Umständen geschuldet sind, aber zu einem weit größeren Grad sozusagen „hausgemacht“ sind:

 

  • Hierzu gehört vielfach ein ganz eklatanter Mangel an Bewegung. Im Job ist die oft nicht mehr notwendig, die Arbeit wird – höchstens unterbrochen von der Mittags- und gelegentlichen Kaffeepausen – vornehmlich sitzend an ein und demselben Platz erledigt.
    Die Folge: Fehlhaltungen, Verspannungen, Beeinträchtigungen von Skelett- und Muskelapparat. Der DAK-Gesundheitsreport 2018 registrierte außerdem einen eklatant hohen Anteil von Patienten mit Rückenproblemen unter den bayerischen Beschäftigten – rund 75 Prozent der Erwerbstätigen in Bayern sind betroffen.

 

© Viel Sitzen, wenig Bewegung: Büroarbeit wird gerade durch den Mangel an körperlicher Aktivität zu einer gesundheitlichen Belastung. fotolia.com © sebra

 

  • Begleitet wird dies allzu häufig von einer falschen Ernährungsweise. In der Hektik des Alltags ist es manchmal einfacher, zu Fertigprodukten an Stelle von frischen zu greifen. Die Freizeit ist kostbar, die Leistungsanforderungen im Job hoch – Kochen verkommt da schnell zu einer Nebensächlichkeit, die nur aufhält.
    Eine unausgewogene Ernährung führt dann mittel- bis langfristig zu Gewichtsproblemen, eventuell sogar Diabetes oder ernsthaften Herz-Kreislaufproblemen. Von einer Wechselwirkung mit Erkrankungen psychischer Art ganz zu schweigen, denn auch in dieser Richtung bestehen Ursache-Wirkung-Beziehungen.

 

Dabei sind viele dieser Leiden mit vergleichsweise einfachen Mitteln zu lindern oder gar zu vermeiden. Notwendig hierfür ist vor allem das Bewusstsein für Ursachen und Folgen – und der Wille, den einmal betretenen Teufelskreis auch wieder zu verlassen.

 

  • Gesunde Ernährung und ihre positiven Auswirkungen auf das Wohlbefinden sind eigentlich ein so alter Hut, dass sie keiner Erwähnung mehr bedürfen sollten. Trotzdem zeigt allein das Beispiel Schokoladen-Konsum, wie viel Bedarf noch immer hinsichtlich der Zusammenhänge zwischen ausgewogener Ernährung und der Prävention von Krankheiten geht.
    Zwar ist Ernährungsstudien eine gewisse Vorsicht entgegenzubringen, noch dazu, weil die Ernährungswissenschaften in schöner Regelmäßigkeit widersprüchliche Ergebnisse zu ein und demselben Sachverhalt liefern. Grundsätzlich ändert das aber nichts an der Bedeutung von gesundem Essen, da es über die tägliche Versorgung mit dem lebensnotwendigen so viel mehr leisten kann.

 

  • Sport ist ja bekanntlich nicht jedermanns Sache, obwohl die Fitnessbranche bundesweit boomt wie nie zuvor. Dabei ist körperliche Aktivität besonders für Berufstätige ein wichtiges „Gegengewicht“ zum oft bewegungsarmen Alltag im Job. Prinzipiell profitiert aber jeder Mensch davon, sich regelmäßig zu bewegen. Es muss schließlich nicht zwingend das Fitnessstudio und schon gar kein Hochleistungssport sein. Wichtig ist in erster Linie, überhaupt die Hemmschwelle zu überwinden und aktiv zu werden.

 

© Es ist das Zusammenspiel von Bewegung und ausgewogener Ernährung, das langfristig für eine gute Gesundheit sorgt. fotolia.com © Svetlana

 

Übrigens ist es ein ebenso alter Hut, dass die körperliche wie geistige Gesundheit am besten durch das Zusammenspiel von Ernährung und Sport gefördert wird. Gleichzeitig gilt es zu bedenken, dass durch regelmäßige sportliche Aktivität vollkommen andere Bedürfnisse hinsichtlich der Nährstoffzufuhr und Flüssigkeitsversorgung ergeben. Gerade in den warmen Sommermonaten müssen diese Faktoren umso mehr beachtet werden, da sie ansonsten zu einer zusätzlichen Belastung werden können. Dabei spielt es auch nur bedingt eine Rolle, ob in der Freizeit einer Ausdauer- oder einer Kraftsportart nachgegangen wird.

 

Das heißt gleichwohl nicht, dass hohe Temperaturen immer als Ausrede für den Verzicht auf Sport herhalten können – das Sportprogramm muss lediglich hinsichtlich seiner Intensität und seiner Terminierung an die äußeren Gegebenheiten angepasst werden. So gelingt es mit ein wenig organisatorischem Geschick, auch im Sommer beim Thema Fitness und Gesundheit dranzubleiben.

 

Ein Plan für mehr Gesundheit

 

Unterstützung bei Unterfangen dieser Art – also dem Bemühen um Gesundheit und Prävention von Krankheiten – bietet übrigens der Freistaat selbst und zwar für jeden Lebensabschnitt: Der Bayerische Präventionsplan setzt schon bei den Kindern an und wirkt sozusagen begleitend bis ins hohe Alter hinein. Entsprechend umfassend sind die Handlungsfelder für die bayerische Gesundheitsförderung:

 

  • Gesundes Aufwachsen in der Familie, in Kindertageseinrichtungen, in sonstigen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und in der Schule

 

Ziele: Innerhalb dieses Bereichs geht es vor allem darum, allen Kindern die bestmöglichen Startchancen ins Leben zu garantieren, ihnen ein gesundes Selbstbewusstsein zu vermitteln und in puncto Gesundheit einen förderlichen Lebensstil anzubieten. Hierzu gehört auch der Schutz vor eventuellen Suchterkrankungen sowie die Früherkennung von Gesundheitsrisiken.

 

  • Gesundheitskompetenz in der Arbeitswelt und betriebliche Präventionskultur

Ziele: Die Problematik von Arbeitsalltag und Gesundheitsförderung wurde schon angesprochen, deswegen ist es nur folgerichtig, dass der Präventionsplan dieser einen eigenen Schwerpunkt widmet. So geht es hierbei unter anderem um den Erhalt der körperlichen und geistigen Gesundheit von Erwerbstätigen sowie um betriebliche Gesundheitsvorsorge.

Weitergehende Ziele sind außerdem, die Risiken für häufige Zivilisationskrankheiten (siehe oben) zu verringern und insgesamt für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sorgen.

 

© So lange wie möglich, so aktiv und selbstbestimmt wie möglich leben zu können – auch das ist selbstverständlich eine Zielsetzung des Bayerischen Präventionsplans. fotolia.com © Halfpoint

 

  • Gesundes Altern im selbstbestimmten Lebensumfeld

Ziele: Das Thema selbstbestimmtes Leben im Alter wird im Zuge des demographischen Wandels immer wichtiger, weswegen es auch von gesundheitspolitischer Seite darum gehen muss, die Grundlagen hierfür zu schaffen. Von Bedeutung sind in diesem Zusammenhang die verschiedensten Aspekte einer guten Lebensqualität: Gesundheit, Eigenverantwortung und Selbstbestimmung, Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben.

 

  • Gesundheitliche Chancengleichheit

Ziele: Unter diesem Handlungsfeld verbergen sich vor allem zwei Ansätze – zum einen die Chancengleichheit unabhängig von Alter und Lebenssituation, zum anderen die Ausarbeitung von Gesundheits- und Präventionsangeboten, die verschiedensten kulturellen Hintergründen und Geschlechterunterschieden Rechnung tragen.

 

Damit die Umsetzung der Vorgaben aus dem Bayerischen Präventionsplan nachvollzogen werden kann, wird dieser parallel von der sogenannten Präventionsberichterstattung begleitet. Kurz gesagt, handelt es sich dabei um Datenerhebungen zu den verschiedenen Schwerpunktthemen. Ausgehend von den Resultaten können dann weitere Maßnahmen ausgearbeitet und geplant werden. Sie sind sozusagen Bestandsaufnahme und Planungsgrundlage zugleich.

 

Ein Beispiel ist der Gesundheitsreport „Körperliche und sportliche Aktivität“, der sich – das ist keine allzu große Überraschung – mit der Wirkung von Bewegung auf die Gesundheit befasst. Der Report wertet Daten aus unterschiedlichen Quellen aus, von Erhebungen des Robert Koch-Instituts über die Weltgesundheitsorganisation WHO bis zum Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen. Beobachtet wurden zwei Ausprägungen der Aktivität:

 

  • Die körperliche Aktivität, die zunächst einmal jede bewusste Bewegung umfasst, durch die der Energieumsatz des Körpers über den Grundumsatz hinaus gesteigert wird. Der Rahmen für derlei Aktivitäten ist der normale Alltag.
  • Mit sportlicher Aktivität sind körperliche Aktivitäten gemeint, die über den alltäglichen Umfang hinausgehen – und „willentlich“ ausgeübt werden.

 

Neben einer Darstellung der Untersuchungsergebnisse zeigt der Report außerdem auf, in welchem Rahmen sich die Bayern am ehesten bewegen. Erfreulich in diesem Zusammenhang: Immerhin rund 50 Prozent der bayerischen Erwachsenen erreicht die von der WHO empfohlenen 2,5 Stunden wöchentliche Aktivität.

 

Weniger erfreulich allerdings: Eine ähnlich große Zahl der erwerbstätigen Männer und Frauen verbringt den Arbeitstag weitgehend sitzend oder zumindest mit wenig Bewegung. Ebenfalls ausbaufähig ist das Gefälle zwischen den unterschiedlichen Sozialstatusgruppen, denn laut Robert Koch-Institut liegt die körperliche Aktivität während der Freizeit in der unteren Bildungsgruppe auffallend unter der der oberen Bildungsgruppe (der Themenumfang der „Gesundheit in Deutschland Aktuell“-Studie war im Übrigen deutlich breiter gefächert).

 

Infografik: Wie aktive sind Kinder und Jugendliche bundesweit in ihrer Freizeit?

Bilder-Infografik: fotolia.com © Sergey Novikov und matimix und Photographee.eu

 

Vorbildlich hingegen ist es um die Bewegungsfreude von Kindern und Jugendlichen (von denen sich zwischen 75 und 80 Prozent auch außerhalb der Schule, zum Beispiel in Vereinen, mit verschiedenen Sportarten befasst) bestellt. Umso trauriger daher die Erkenntnis, dass diese Freude an der körperlichen und sportlichen Aktivität mit dem Alter zumindest teilweise verloren geht. Allerdings setzen viele der oben genannten Maßnahmen des Präventionsplans genau hier an, um Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen mehr Bewegung sich ganz natürlich in die Abläufe des Alltags integrieren lässt.

 

Für jede Lebenslage: Projekte und Initiativen rund um die Gesundheit

 

So wie der Präventionsplan jede Lebenssituation zwischen Kindheit und Alter umfassen soll, sind auch verschiedenste Projekte und Initiativen in Bayern auf die damit verbundenen, sehr unterschiedlichen Bedürfnisse zugeschnitten. Sie liefern Information und Unterstützung, damit jeder seinen Alltag so gesund und gesundheitsfördernd wie nur möglich gestalten kann.

 

Gesund.Leben.Bayern.

 

Hierbei handelt es sich um eine Initiative bzw. ein Programm des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege. Es ist eng an die Handlungsfelder des Präventionsplans angelehnt und befasst sich deshalb mit denselben Zielsetzungen. Wenn man so will, ist „Gesund.Leben.Bayern“ so etwas wie das ausführende Organ das Bayerischen Präventionsplans: Die Initiative begleitet und fördert Projekte, mit denen sich die Gesundheitsförderung für unterschiedlichste Zielgruppen weiter verbessern lässt.

 

Um dies so nachhaltig und weitreichend wie möglich zu tun, müssen die beantragten Projekte (hier gibt es eine Übersicht der aktuellen Modellprojekte) bestimmte Kriterien erfüllen. Bevorzugt werden daher

 

  • Ansätze mit einem Fokus auf Gesundheitsförderung und Primärprävention;
  • Projekte mit „Setting-Ansatz“, die also auf die Lebenswelt der Menschen einwirken wollen oder aber individuumsbezogene und umfeldbezogene Verhaltensprävention miteinander verbinden;
  • sozial inklusive Projekte, im Sinne der vom Präventionsplan angestrebten Chancengleichheit;
  • Kooperationen und Partnerschaften, die eine nachhaltige Weiterführung angelaufener Projekte gewährleisten können – gerne auch über verschiedene Sektoren hinweg, die sich im Rahmen des Projekts zu einer gemeinsamen Zielsetzung zusammenfinden;
  • Projekte mit Modellcharakter, die auf den Prinzipien Wissensbasierung, Evaluation und Qualitätsmanagement beruhen;
  • Modellansätze, die eine aktive Teilnahme der Zielgruppe vorsehen;
  • Innovationen, mit denen Wissen und Effekte über die bereits bestehenden Ansätze hinaus für zukünftige Maßnahmen gewonnen werden können.

 

Mit diesen strengen Kriterien will das Staatsministerium garantieren, dass die geförderten Projekte einen wirklichen Gewinn für die Menschen erbringen können.

 

In Bewegung Bleiben

 

Wie eingangs schon erwähnt, ist genau das im Alltag häufig das Problem. Dabei wäre im Prinzip gar nicht viel nötig, um zumindest das Minimum an täglicher Bewegung zu erreichen. Die Empfehlung der WHO liegt in dieser Hinsicht bei überschaubaren 30 Minuten, auf die Woche gerechnet sollten die ebenfalls schon angeführten 2,5 Stunden zusammenkommen.

Der Gesundheitsreport für Bayern attestiert der erwerbstätigen Bevölkerung einen „Leistungsstand“, der definitiv noch viel Luft nach oben lässt. Allerdings zielen die Projekte, die unter dem Motto „In Bewegung bleiben“ stehen, grundsätzlich auf alle Altersgruppen und alle Lebensumstände ab. Ausreden gibt es deswegen also keine und nur, weil die Wahrnehmung eher dahingeht, Bewegungsmangel als exklusives Problem von Büromenschen und Älteren einzuordnen, muss das nicht der Wahrheit entsprechen.

 

© Fahrrad statt Auto, das ist sogar in einer Großstadt wie München vorstellbar – noch dazu, weil die Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ auf eine bayerische Urheberschaft blicken kann. fotolia.com © Richtsteiger

 

Tatsächlich liegt nichts weiter von der Wahrheit entfernt, als diese Annahme, denn ausreichend Bewegung trägt von Kindesbeinen an dazu bei, nicht nur die motorische, sondern gleichzeitig die geistige Entwicklung voranzutreiben. Da der Effekt ein Leben lang abrufbar ist, lohnt es sich also, die Beweglichkeit des Körpers zu erhalten und sie, wann immer es geht, zu nutzen. Ein Hochleistungssportler muss zu diesem Zweck niemand sein, weswegen viele Projekte versuchen, im wahrsten Sinne des Wortes mehr Bewegung in den Alltag zu bringen.

 

  • Mit dem Rad zur Arbeit

So zum Beispiel die alljährlich wiederholte und seit 2006 auch bundesweit durchgeführte Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“. Bei ihrer Erstauflage konnte die Veranstaltung – die damals noch auf den Freistaat beschränkt war – noch nicht einmal 1.000 Teilnehmer aktivieren. Im vergangenen Jahr waren es dann etwa 200.000 Radler, was nicht nur ein Zeichen für das wachsende Interesse an der Aktion beweist, sondern außerdem eine neue Bestmarke aufstellte.

Am 21. April fand im Münchener Olympia-Park die Auftaktveranstaltung zum diesjährigen „MdRzA“ statt, die Aktion selbst läuft zwischen dem 1. Mai und dem 31. August – eine Nutzung des Fahrrads, um den Weg zur und von der Arbeitsstelle zurückzulegen, über diesen Zeitraum hinaus, ist selbstverständlich gerne gesehen.

 

  • Netzwerk „Familien mit Kindern von 3 bis 6 Jahren“

Während der Arbeitsweg einen – verhältnismäßig – kleinen Teil des Alltagslebens ausmacht (sofern er nicht aus stundenlangem Pendeln besteht), versucht das Netzwerk „Familien mit Kindern von 3 bis 6 Jahren“ gleich die zwei großen Themen der Gesundheitsförderung zusammenzufassen und verschiedenen Zielgruppen näherzubringen.

 

Die wichtige Frage dabei: Wie lassen sich Ernährung und Bewegung gemeinsam mit den Kindern so im Alltag einbringen, dass sich daraus ein für die Gesundheit förderlicher Lebensstil entwickeln kann? Vor allem die Eltern sollen im Rahmen des Programms durch verschiedene Angebote in ihrer Vorbildfunktion bei diesen Themen gestärkt werden.

 

Das bedeutet, sie sollten weiter für die Bedürfnisse ihrer Kinder sensibilisiert werden, damit sie zum einen für ausreichend Bewegungsmöglichkeiten sorgen (sei es privat oder in einem Verein) und zum anderen mit einer kindgerechten Ernährung den Grundstein für ein gesundes Leben legen.

 

© Bewegung gehört für Kinder ganz selbstverständlich zum Alltag dazu. Verschiedene Projekte arbeiten deshalb daran, diese Selbstverständlichkeit über Kindergarten- und Schulzeit hinaus zu bewahren. fotolia.com © davit85

 

  • BAERchen!

Einem ähnlichen Anliegen widmet sich das BAERchen-Projekt, bei dem die Bayerische Sportjugend federführend mitwirkt. Bewegung, Aufklärung, Ernährung und die notwendigen Ressourcen, um das Projekt in der Praxis umsetzen zu können, das sind die grundlegenden Elemente, mit denen auch hier eine bewusste, gesunde Lebensführung an Eltern und Kinder herangetragen werden sollen.

 

Dazu arbeiten Sportvereine und Kindertagesstätten Hand in Hand. Letztere erhalten durch die Vereine und geschultes Personal Unterstützung, vor allem angesichts der Bewegungsangebote vor Ort als auch bei den Vereinen selbst. Dadurch ergeben sich zahllose neue Möglichkeiten, um den Kindern bei ihrer motorischen Unterstützung zu helfen. Die Vereine selbst gewinnen durch ihr soziales Engagement im Idealfall genau die öffentliche Anerkennung, die es für ihren Fortbestand braucht – ohne Mitglieder gibt es schließlich kein Vereinsleben.

 

Die Kooperation auf einer solch breiten Basis, an der etablierte Einrichtungen beteiligt sind, erfüllt außerdem das vom Präventionsplan vorgegebene Kriterium für eine nachhaltige Wirkung des Projekts.

 

  • BIG: Bewegung als Investition in Gesundheit

Das BIG-Projekt widmet sich einer ganz anderen Zielgruppe und versucht das „Bewegung als Investition in Gesundheit“-Konzept besonders mit Frauen in schwierigen Lebenslagen umzusetzen. Studien zufolge sind Frauen aus dem unteren Bildungsniveau häufiger als jede andere Bevölkerungsgruppe von Bewegungsmangel und den daraus resultierenden Folgeerscheinungen betroffen.

 

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie das angeschlossene Department für Sportwissenschaft und Sport arbeiten zusammen mit einigen Kooperationspartnern deswegen auf wissenschaftlicher Basis an praktischen Lösungen, um genau diese Frauen zu erreichen und ihnen langfristig Möglichkeiten aufzuzeigen, Bewegung in ihren Alltag zu integrieren.

 

Diese Arbeit ist sehr vielschichtig, sie beginnt bereits bei der Evaluation potenziell wirksamer Maßnahmen, setzt sich über die Umsetzung von Teilprojekten fort und beinhaltet nicht zuletzt Aus- und Weiterbildungsangebote, um den BIG-Ansatz weiterzutragen. Hinzu kommt der interkulturelle Aspekt, denn das Projekt bemüht sich ausdrücklich darum, dass auch Frauen mit Migrationshintergrund beim Thema Gesundheitsförderung durch Bewegung nicht außen vorgelassen werden.

 


In Form

 

Ähnliche Zielsetzungen, wie sie der Bayerische Präventionsplan vorsieht, werden auch auf Bundesebene verfolgt. Der Nationale Aktionsplan „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ setzt – als sozusagen länderübergreifender Rahmenplan – allerdings in mancherlei Hinsicht andere Schwerpunkte. Ablesen lässt sich das an den zugrundeliegenden Handlungsfeldern, an denen sich die Umsetzung des Plans seit nunmehr zehn Jahren orientiert:

 

  • Bund, Länder und Kommunen sollen als Vorbild dienen und durch ihre politischen Entscheidungen die Gesundheitsförderung mittragen. Das bedeutet zum Beispiel, die Möglichkeiten im Rahmen der Gesetzgebung wahrzunehmen, öffentliche Gelder zur Förderung entsprechender Projekte einzusetzen und auch – ganz banal, aber deswegen so wichtig – als Arbeitgeber selbst für ein gesundes Umfeld zu sorgen.

 

  • Informationen über Ernährung, Bewegung und Gesundheit lassen sich heutzutage leicht und im Prinzip überall finden. Das bedeutet nicht, dass diese Informationen immer wirklich zielgruppenorientiert, verständlich oder für eine praktische Umsetzung geeignet sind. In dieser Hinsicht müssen daher verbesserte Angebote ausgearbeitet werden.

 

  • Bewegung im Alltag, das ist das zentrale Thema, das auch im Nationalen Aktionsplan „IN FORM“ eine prominente Rolle spielt. Ausschlaggebend für alle damit zusammenhängenden Maßnahmen ist auch hier die Berücksichtigung aller Bevölkerungsgruppen mit ihren jeweils ganz spezifischen Bedürfnissen.

 

  • Die Außer-Haus-Verpflegung nimmt im gesamtgesellschaftlichen Ernährungsverhalten eine immer größere Rolle ein – und genau deswegen sollte sie bestmögliche Qualität haben. Nur so kann sie im Alltag zu einer ausgewogenen, gesunden Ernährung beitragen.

 

  • Wie es schon die oben genannten, wenn auch auf Bayern beschränkten Beispiele gezeigt haben, ist die Einbindung von Wissenschaft und Forschung für die Ausarbeitung und Umsetzung konkreter Angebote enorm wichtig. Mit unterschiedlichen nationalen Studien zum Gesundheitsstand in allen seinen Facetten sowie der Berücksichtigung internationaler Forschungsergebnisse soll dem Rechnung getragen werden.

 

Der vorliegende Zwischenbericht zeigt allerdings, ganz wie der Gesundheitsreport Bayern zum Thema körperliche und sportliche Aktivität, dass es durchaus noch Verbesserungsbedarf gibt: Trotz zahlreicher Projekte besteht vor allen Dingen das Problem Bewegungsmangel auch weiterhin.

 

Sich bewegen bringt Segen

Was diese Ergebnisse aber in erster Linie zeigen, ist die Notwendigkeit eines Umdenkens bei jedem Einzelnen. Die Angebote, den Alltag aktiver und damit gesünder zu gestalten, sind vorhanden. Sie müssen nur genutzt werden. Und das nicht einmalig, in der Hoffnung, damit schon etwas für die eigene Gesundheit getan zu haben, sondern regelmäßig.

 

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Wenn also das Wetter ohnehin dazu einlädt, mehr Zeit im Freien zu verbringen, warum dann diese nicht einfach einmal mit Freiluftsport füllen, statt gleich in den Biergarten zu wandern? Über fehlende Möglichkeiten kann sich jedenfalls kein Münchener beklagen – und Gesundheit und Genuss schließen sich ja auch nicht gegenseitig aus.