Flüchtlinge aus Afghanistan beinahe aus Transporter gestürzt

Eine lebensgefährliche Flucht auf der Ladefläche eines Transporters haben 31 Afghanen hinter sich. Bei der Fahrt auf der Autobahn Salzburg-München (A8) sprang plötzlich die Hecktüre auf.

 

Ums Haar wären einige der stehend in den Kastenwagen gepferchten Flüchtlinge auf die Fahrbahn gestürzt, wie die Bundespolizei am Montag in Rosenheim berichtete. Erst nach einiger Zeit habe der Fahrer angehalten und die Tür geschlossen.

 

Die Flüchtlinge berichteten, dass sie in Athen gewaltsam regelrecht in den Transporter hineingequetscht worden seien. Während der fast neunstündigen Fahrt hätten sie dicht aneinandergedrängt stehen müssen – zum Sitzen war kein Platz. Beamte nahmen den mutmaßlichen Schleuser aus Deutschland am Samstag nahe Rosenheim fest. Der 26-Jährige kam in Untersuchungshaft. Die Flüchtlinge wurden in Raubling aufgegriffen.

 

Am Wochenende registrierte allein die Rosenheimer Bundespolizei rund 770 neu angekommene Flüchtlinge. Sechs mutmaßliche Schleuser wurden angezeigt.

 

Theologen kritisieren Flüchtlingspolitik – Fokus auf Abschreckung

 

Der Münchner Diözesanratsvorsitzende Hans Tremmel und der Theologe Martin Schneider kritisieren den derzeitigen Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland und der Europäischen Union. „Im Mittelpunkt steht nicht mehr die Frage, wie ein Ort der Zuflucht geschaffen und Menschen zu ihrem Recht verholfen wird. Der Fokus ist auf Abschreckung, Kontrolle und baldige Abschiebung gerichtet“, schreiben beide in einem Beitrag für die «Internationale Katholische Zeitschrift Communio».

 

Tremmel und Schneider fordern auch, den Flüchtlingsbegriff auszuweiten. Die Abgrenzung zwischen politisch Verfolgten einerseits und Wirtschaftsflüchtlingen oder Armutsmigranten andererseits sei „nicht so einfach, wie es scheint“. Die daraus abgeleitete moralische Bewertung sei aber in hohem Maße ungerecht. Eine der strittigsten Fragen werde sein, ob Not ein für das Asylrecht oder den Flüchtlingsschutz hinreichender Fluchtgrund sei. Dafür spreche, dass Leib und Leben nicht nur durch Verfolgung oder Folter bedroht würden, sondern auch durch Armut und Hunger. Letztlich gehe es auch in diesem Fall um elementare Daseinsansprüche und damit um Menschenrechte.

 

rg / dpa