Flüchtlinge schicken offenen Brief Richtung München

Die Flüchtlinge, die bis vor kurzem am Sendlinger Tor in München protestiert hatten, sind wieder da.

Ab Montag wollen sie mit einem Infostand erneut protestieren und haben außerdem einen offenen Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter geschickt.

Schwere Schüsse in Richtung Münchner OB

Hier der Brief der Flüchtlinge an den Münchner Oberbürgermeister:

Wir, die Geflüchteten des Refugee Struggle for Freedom, wurden von Oberbürgermeister Dieter Reiter und Sozialreferentin Brigitte Meier aus München herausgeworfen. Am Dienstag, den 2.12.14, kamen Polizeikräfte zu den Orten, an denen wir in München untergebracht waren und zwangen uns zu gehen.

Warum waren wir für sechs Tage im Hungerstreik? Um uns von Politiker*innen Versprechen geben zu lassen und uns täuschen zu lassen? Ist dies Ihre Art und Weise, Herr Reiter?

Wir verlangen nach gesellschaftlicher Akzeptanz. Was sollen das für „Sonderrechte“ sein, die wir verlangen, wenn wir unsere grundlegenden Menschenrechte einfordern? Wir zogen es vor, auf der Straße zu bleiben als in den modernen Gefängnissen, die ‚Flüchtlingsunterkünfte‘ genannt werden. In den Medien wurde berichtet, dass die Stadt mehr als 100 Angebote erhalten hatte, um NonCitizens unterzubringen. Warum ist es für uns also nicht möglich in München zu bleiben? Wenn 150 bis 500 Geflüchtete jeden Tag in München ankommen, warum ist es ein Problem 33 Protestierende unterzubringen? Es hat sich wieder gezeigt, dass Geflüchtete keine menschlichen Wesen und kein Teil der Gesellschaft sind.

Verehrter Hr. Reiter, Ihre Worte waren „dies muss sich ändern“. Wir fragen Sie: In welchem Jahrhundert wird sich dies ändern? Warum kommen Sie selbst nicht mit uns, um im Lager zu leben?

Wir möchten uns immer noch am Runden Tisch mit Minister*innen treffen. Dieses Treffen wurde uns vom ersten Tag des Hungerstreiks angeboten. Wir setzten unseren Streik für andere Forderungen fort und kamen von den Bäumen für andere Versprechungen. Wir verlangen immer noch nach unseren Rechten. Selbst wenn der Präsident der Vereinigten Staaten kommen und mit uns sprechen würden, würde dies bedeutungslos sein wenn das System immer noch dasselbe ist und uns unsere Rechte nicht zugestanden werden.

Wir, die Geflüchteten vom Refugee Struggle for Freedom, haben ihr Leben in den Lagern aufgegeben. Wir nehmen dieses Leben nicht mehr hin. Wir verlangen, dass Sie Ihre Versprechen halten. Gemeinsam werden wir dieses unmenschliche System für Geflüchtete in Deutschland ändern. Wir fordern Sie auf, nochmals einen Blick in Ihre letzten Statements zu werfen. Wir fordern, die Menschlichkeit nicht mehr zu missachten!

 

Reiter weißt Vorwürfe zurück

Dieter Reiter fühlt sich nicht schuldig.

Ganz im Gegenteil: Der Münchner Oberbürgermeister sagt, er habe alle Vereinbarungen mit den Flüchtlingen eingehalten. Die hingegen hätten sich geweigert, sich an geltendes Recht und auch an die Abmachungen mit der Stadt zu halten.

Außerdem warf Reiter den Asylbewerbern vor, sie würden „mit ihren Aktionen die Hilfbereitschaft der Bevölkerung aufs Spiel setzen“.

adc / muc