Flüchtlinge

Flüchtlinge weiter ohne Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Viele träumen von Job und Wohlstand in Deutschland. Doch für Asylbewerber blieb der deutsche Arbeitsmarkt bisher weitgehend verschlossen. Das soll sich zwar ändern, ohne Förderung bleiben sie aber chancenlos, befürchten Fachleute.

München/Nürnberg – Für manche erfüllt sich der Traum von einem gut bezahlten Job in Deutschland nie. Andere Flüchtlinge warten jahrelang darauf, endlich ihren Lebensunterhalt ohne staatliche Hilfe bestreiten zu können. Zu hoch waren bisher die gesetzlichen und bürokratischen Hürden, die Asylbewerber bei der Jobsuche zu überwinden hatten – in den Augen von Fachleuten eine Folge der jahrzehntelang eher auf Abschottung als auf Integration ausgerichteten deutschen Flüchtlingspolitik.

 

Doch das beginnt sich unter dem Eindruck des drohenden Fachkräftemangels zu ändern. Im Juli 2013 hatte die damals noch schwarz-gelbe Bundesregierung die bisherigen Regelungen gelockert und Asylbewerbern bereits nach einer Wartezeit von neun Monaten die Jobsuche erlaubt. Geht es nach dem Willen der schwarz-roten Koalition, sollen Flüchtlinge künftig sogar schon nach dreimonatigem Aufenthalt in Deutschland arbeiten dürfen.

 

Pro Asyl trotzdem skeptisch

 

Die Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl begrüßt diesen Schritt zwar, den großen Durchbruch sieht sie darin aber noch nicht, wie der stellvertretende Geschäftsführer Bernd Mesovic betont. Mit der sogenannten Vorrangregelung bleibe Asylbewerbern weiterhin der Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert.

 

Diese sieht vor, dass Asylbewerber nur dann eine Beschäftigung aufnehmen dürfen, wenn für eine Stelle kein Jobsucher mit deutschem oder EU-Pass zur Verfügung steht. „In strukturschwachen Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit kommt diese Regelung einem Arbeitsverbot gleich“, sagt Mesovic.

 

Fast keine vermittelten Asylbewerber

 

Tatsächlich erhielten im Jahr 2013 nach Zahlen der Bundesagentur lediglich 6700 Asylbewerber oder geduldete Ausländer eine Arbeitsgenehmigung. In 2900 Fällen wurde sie Asylbewerbern und Geduldeten versagt. Nach Zahlen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge erhielt damit im Vorjahr nur etwa jeder siebte länger als neun Monate in Deutschland lebende Asylbewerber eine Arbeitserlaubnis.

 

Tatsächlich scheinen Asylbewerber im Alltag deutscher Arbeitsagenturen keine große Bedeutung zu haben. Denn selbst in einer deutschen Großstadt-Agentur wie Frankfurt am Main mit relativ vielen Flüchtlingen spielt die Job-Vermittlung von Asylbewerbern kaum eine Rolle, wie Sprecherin Anna Morales berichtet. „Das sind so wenige, dass es über sie bei uns keine Aufzeichnungen gibt. Das tendiert gegen Null.“

 

Chancen dank „Xenos“

 

Das vom Bundesarbeitsministerium und dem Europäischen Sozialfonds geförderte Projekt „Xenos“ zeigt hingegen, dass Flüchtlinge keineswegs ohne Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind – eine entsprechende Förderung vorausgesetzt.

 

Allein zwischen 2008 und 2009 hatten 28 im Rahmen des Projekts eingerichtete Beratungsstellen 12 300 Bleibeberechtigte und Flüchtlinge betreut. „Davon wurden 22 Prozent in Arbeit oder eine duale Ausbildung vermittelt“, heißt es in einer Zwischenbilanz des bis 2014 angelegten Projekts. Zu den Hilfen gehören Deutschkurse, Berufsberatung, Fortbildung, Bewerbungstraining und psychosoziale Hilfe.

 

Residenzpflicht als großes Problem

 

Astrid Blascke, die im Zuge des «Xenos»-Projekts seit 2008 bleibeberechtigte Ausländer und Asylbewerber in Südostbayern bei der Suche nach Arbeit oder Ausbildung unterstützt, stellte eine hohe Motivation bei den Flüchtlingen fest: „Sehr häufig fallen Asylsuchende, aber auch Personen mit Duldung durch hohe Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen auf“, berichtete sie. Inzwischen entdeckten auch Arbeitgeber „die Leistungsbereitschaft und Motivation als interessante Ressource dieser Zielgruppe“.

 

Als Hürde bei der Vermittlung von Flüchtlingen sieht Blaschke, dass Asylbewerber normalerweise keinen Zugang zu Deutschkursen hätten. Neben mangelnden Deutschkenntnissen schrecke manche Arbeitgeber auch die ungewisse aufenthaltsrechtliche Perspektive der Ausländer ab, berichtet die Beraterin im Münchner Sozialreferat. Ein Problem sei auch die Vorrangprüfung durch die Arbeitsagenturen und die Residenzpflicht. Wenn aber Asylbewerber die Region nicht verlassen dürften, in der sie untergebracht sind, behindere das ihre berufliche Fortbildung und die Job-Vermittlung, gibt Blaschke zu bedenken.

 

dpa/make

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