Flüchtlinge: Bayerisches Rotes Kreuz ruft um Hilfe – Helfer sind überlastet

Das Bayerische Rote Kreuz ruft in der Flüchtlingskrise um Hilfe: Die ehrenamtlichen Helfer sind überlastet. Doch das ist nicht repräsentativ. Viele Flüchtlingsinitiativen haben eher das gegenteilige Problem.

 

 

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) fordert wegen der Dauerbelastung seiner ehrenamtlichen Helfer Entlastung in der Flüchtlingskrise. Derzeit hat das BRK nach Angaben des Verbands täglich etwa 500 Helfer im Einsatz. Sie organisieren in der Grenzregion zu Österreich Notunterkünfte und Essen für die neu ankommenden Flüchtlinge. Außerdem hilft das BRK bei den medizinischen Untersuchungen, denen sich alle Flüchtlinge unterziehen müssen. Verbandspräsident Theo Zellner warnt, dass sich der derzeitige Einsatz nicht auf Dauer aufrechterhalten lasse.

 

Video zur aktuellen Lage am Hauptbahnhof

 

Allerorten erklingen dieser Tage Hilferufe: Ämter, Kommunen und Polizei sind überlastet, weil eine Rekordzahl von Flüchtlingen ins Land kommt. Nun ruft auch das Bayerische Rote Kreuz um Hilfe. „Lange halten wir das mit rein ehrenamtlichen Kräften nicht mehr durch, so geht es nicht weiter“, sagte Landesgeschäftsführer Leonhard Stark schon vor einigen Tagen. Viele BRK-Helfer sind seit Wochen im Dauereinsatz. Das BRK fordert mehr Geld von der Staatsregierung für den Einsatz von Hauptamtlichen.

 

 

Doch das ist kein repräsentatives Bild. Wer die vielen ehrenamtlichen Flüchtlingsinitiativen in Bayern befragt, hört häufig sogar das Gegenteil: Nicht Überlastung sei das Problem – sondern eher, die Vielzahl der Freiwilligen sinnvoll zu organisieren.

 

„Der Ansturm von ehrenamtlichen Helfern auf alle denkbaren und nicht denkbaren Bereiche ist sehr groß“, sagt Norbert Huber, Geschäftsführer der Caritas in der Erzdiözese München. Das wirft eine Frage auf: Warum hat das große Rote Kreuz Probleme, andere Verbände und Initiativen aber nicht?

 

 

Denn der rasante Anstieg der Flüchtlingszahlen hat auch zu einem ebensolchen Anstieg der Hilfsbereitschaft in Bayern geführt. „Vor eineinhalb Jahren haben wir mit 30, 40 Helfern angefangen“, sagt Norbert Büker vom Helferkreis Neubiberg, einer Initiative der katholischen Kolpingsfamilie. „Wir sind jetzt bei 250 Helfern und 70 Interessenten.“

 

Ihre Tätigkeiten reichen von der Begleitung bei Behördengängen über Sprachunterricht und Kinderbetreuung bis zur ärztlichen Rudimentärversorgung und der Organisation von Sport-, Freizeit- und kulturellen Aktivitäten.

 

 

Die meisten Helferkreise versuchen, das gedrängte Leben in den Unterkünften zu erleichtern und den Asylbewerbern bei den ersten Schritten in Deutschland behilflich zu sein. „Wir sind nicht dazu da, den Leuten ein all-inclusive-Paket anzubieten“, sagt Büker.

 

Wenn die Hilfsbereitschaft so groß ist, warum ist die Lage beim Bayerischen Roten Kreuz dann so schwierig? „Die Tätigkeiten kann man nicht vergleichen“, sagt BRK-Sprecherin Hanna Hutschenreiter. Die Helferkreise seien in den Unterkünften tätig, das BRK in der Sofort- und Akuthilfe. „Da geht es zum Beispiel darum, ganz schnell am Sonntagabend eine Notunterkunft für 500 Leute aufzubauen.“

 

 

Das BRK hilft auch bei den medizinischen Untersuchungen, denen sich alle Aylbewerber nach der Ankunft unterziehen müssen oder begleitet die Flüchtlinge auf den Zugfahrten in andere Bundesländer. Derzeit sind beim BRK nach Angaben des Verbands jeden Tag etwa 500 bis 600 Helfer im Flüchtlingseinsatz.

 

Eines ist sicher: Ohne den großen Einsatz ehrenamtlicher Helfer wäre die Versorgung der vielen Flüchtlinge mindestens sehr viel schwieriger, wenn nicht unmöglich. Bisher sei von einer Abnahme der Hilfsbereitschaft nichts zu spüren, sagt Hanna Smuda vom Bayerischen Flüchtlingsrat. „Ich habe noch von keinem Helferkreis gehört, der wegen zu hoher Flüchtlingszahlen aufgegeben hätte.“

 

Sofern Behörden und Verbände überlastet sind, ist dies nach Einschätzung des Münchner Caritas-Geschäftsführers nicht in der hohen Zahl der Asylbewerber begründet. „Momentan haben wir keine Flüchtlingskrise, sondern eine Organisationskrise“, meint Huber. „Die Schwierigkeit ist, diese hohe Hilfsbereitschaft ins System zu bringen.“

 

Das glaubt angesichts der Vielzahl der Hilfswilligen auch Büker vom Neubiberger Helferkreis: Er empfiehlt den Behörden, noch stärker auf Ehrenamtliche zu setzen als bisher und „weniger nach Schema F zu verfahren“. Sinnvoll wären eine bessere Koordination und Organisation der Ehrenamtlichen, meint er. «Es ist eher die Schwierigkeit, alle Freiwilligen hinter eine Pflugschar zu bekommen.»

 

 

(dpa/lby)