„Focus“-Gründer Helmut Markwort: Alles Gute zum 80.!

Ob Zeitungen, Zeitschriften, Online, Radio oder Fernsehen, privat oder öffentlich-rechtlich: Helmut Markwort hat in sechs Jahrzehnten alles ausprobiert. Auch mit 80 steuert er in den Medien mit. Seine erfolgreichste Idee hat es auf dem Markt aber immer schwerer.

 

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Von Bernward Loheide, dpa

 

München – Es gibt Menschen, die glauben: Alles, was Helmut Markwort anfasst, wird zum Erfolg. Doch das stimmt nicht. «Ich habe mal einen Klassikradiosender gegründet, der hieß Radio Belcanto. Das war ein Misserfolg», sagt der Journalist und Medienmanager, der gestern (8.Dezember) 80 Jahre alt wurde. «Wir hatten begeisterte Hörer, die hassten es, dass wir Werbung eingestreut haben.»

 

Reklame zwischen zwei Mozart-Sätzen: Markwort, der an mehr als 30 Radiostationen beteiligt ist, sieht darin keinen Widerspruch. Er liebt klassische Musik und spielt gerne Theater. Zugleich hat er ein fast untrügliches Gespür fürs Geschäft. Die Gründung des «Focus» als zweites deutsches Nachrichtenmagazin neben dem «Spiegel» war 1993 ein journalistisch wie wirtschaftlich sensationeller Erfolg. Ebenso die Gründung des reichweitenstärksten Einzelradiosenders, Antenne Bayern, und des Onlineportals «Focus Online», das inzwischen auf 19 Millionen monatliche Nutzer kommt und damit das Magazin überflügelt hat.

 

Die «reißerischen Zuspitzungen» des Online-Ablegers stören Markwort zwar, aber das Schlimmste ist für ihn, wenn Leute sagen: «Oh, Sie sind ja der Markwort vom „Focus“. Fünfmal am Tag gehe ich bei „Focus Online“ rein.» Davon habe er als Herausgeber der Zeitschrift überhaupt nichts, sagt der gebürtige Darmstädter. Der Online-Erfolg färbt eben nicht auf das Printmagazin ab, das – wie «Spiegel» und «Stern» – unter Auflagenschwund leidet. Nur fünf Prozent der «Focus-Online»-User lesen auch «Focus».

 

Bis 2010 war Markwort Chefredakteur des Nachrichtenmagazins im Hause Burda. Seitdem gab es in diesem Amt fünf Wechsel in sechs Jahren. Das waren – wie er betont – nicht seine Entscheidungen. Mit seiner Kolumne «Tagebuch des Herausgebers» gibt er weiterhin die politische Richtung vor, die er als «rechtsliberal» bezeichnet.

 

Rechte Meinungen sind nach Ansicht des langjährigen FDP-Mitglieds in den deutschen Medien unterrepräsentiert: «Es gibt Umfragen speziell unter Journalisten: Was würden Sie wählen? Da kommt eine sensationelle Mehrheit für Grün raus. Die CDU ist bei 8 Prozent.» Markwort geht davon aus, «dass diese gefühlte Neigung zu den Grünen sich auch in der Auswahl der Themen, in der Gewichtung der Meldungen widerspiegelt».

 

Nach dem Volontariat beim «Darmstädter Tagblatt» arbeitete der Sohn eines Justizamtmanns zunächst als Lokalredakteur. 1959 wechselte er zum «Generalanzeiger» nach Wuppertal, 1960 zum Nürnberger «8-Uhr-Blatt», 1964 zum «Stern». 1966 wurde er Chefredakteur bei der TV-Zeitschrift «Bild + Funk», 1970 beim «Gong». 1979 gründete er die Zeitschrift «die aktuelle», 1982 «Ein Herz für Tiere». Seit 2007 moderiert er jede Woche live im BR-Fernsehen den «Sonntags-Stammtisch» – mit hohen Einschaltquoten.

 

Im Mai kündigte Markwort dort den angeblich bevorstehenden Rücktritt des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel an – was prompt dementiert wurde. Markwort berief sich auf eine «Topquelle», mit der er bis heute Kontakt habe. Er glaubt nicht, dass sein Informant ihn benutzt und hereingelegt hat. Die Veröffentlichung habe aber eine Solidarisierung mit Gabriel bewirkt und dadurch den Rücktritt verhindert.

 

Eine andere brisante Personalie machte im April 2013 der «Focus» publik: die Steueraffäre des FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß. Markwort, der bis 2014 im Aufsichtsrat des Fußball-Rekordmeisters saß, wies damals die Vermutung zurück, er selber habe seine Kollegen auf den Fall hingewiesen. Er verhinderte aber auch nicht die Publikation der Affäre, die den Verein in eine Krise stürzte und Hoeneß zum Rücktritt zwang.

 

Der Medienmanager mit der wuchtigen Haarmähne lebt in München mit der «Bunte»-Herausgeberin Patricia Riekel zusammen. Seinen Geburtstag feierte er mit 450 Gästen im Münchner Postpalast.