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Freistaat-Power: Das sind die Hidden Champions aus München und ganz Bayern

Der geneigte Bajuware weiß in aller Regel, dass bei uns eine Menge geleistet wird, das Restdeutschland und teilweise auch die Welt in Erstaunen versetzt – und damit sind nicht nur fußballerische Leistungen gemeint.

Aber sind wir wirklich so wissend? Denn Tatsache ist, dass es bei uns eine ganze Reihe Unternehmen gibt, die für ihren jeweiligen Zweig bestimmend, teilweise sogar Weltmarktführer sind.

Und noch mehr: Von den rund 400 deutschen Weltmarktführern residiert ein imposantes Viertel bei uns im Freistaat!

Doch ob nun echter Weltmarktführer oder „nur“ branchenbedeutend, sie alle sind wichtig für uns. Daher stehen diejenigen, die wir jetzt vorstellen, sinnbildlich für echte Freistaat-Power.

 

Saubere Platinen für die Welt

Man muss kein Elektronik-Experte sein, um zu wissen, was eine Leiterplatine ist – elektronische Bauteile werden zusammen mit Leiterbahnen auf einem tragenden Material befestigt.

Bloß: Gerade in der heutigen Welt, wo immer mehr dieser Bauteile auf immer kleinerem Raum untergebracht werden wollen, ergibt sich ein veritables Problem: Schon die kleinste Verunreinigung im Mikro-Bereich kann Kurzschlüsse produzieren.

Und eine Firma aus Ingolstadt gilt als Weltmarktführer im Bereich der Reinigung dieser Schmutzelemente. Bloß: Schaut man sich die Seite von Dr. O.K. Wack Chemie an, blickt man erst auf Reinigungsmittel für fahrbare Untersätze.

Doch das ist nur ein Standbein. Im Bereich des sogenannten High-Tech-Cleaning ist Wack mit seiner Sparte Zestron Weltmarktführer – mit einem solchen Arbeitsaufkommen, dass das Unternehmen mit jährlichen 50 Millionen Umsatz 2021 einige Kilometer südlich nach Baar-Ebenhausen ziehen will, wo ab kommendem Jahr eine neue Zentrale entstehen wird.

 

Bolzen bis der Arzt kommt

Stellen wir uns mal kurz vor, man müsste eine Schraube an einem tragenden Untergrund befestigen, damit man wiederum daran Dinge festschrauben kann.

Klingt nach einer Nischenlösung? Aber nur auf den ersten Blick, denn zwischen Autoproduktion, Brückenbau, Schiffskonstruktion und Großbaustelle gibt es dafür zahlreiche Notwendigkeiten – mit dem immer gleichen Problem:

Schweißt man diese Bolzen händisch mit einem normalen Schweißgerät an, ist man entweder automatisch langsam oder produziert unstete Qualität.

Aus dem beschaulichen Dachau kommt ein Unternehmen, das sich genau dieser Problemstellung annimmt: Die HBS Bolzenschweiss-Systeme GmbH. Das Unternehmen erklärt nicht nur ausführlich, wie diese besondere Technik funktioniert, sondern liefert auch die dafür notwendigen speziellen Schweißgeräte aus eigener Herstellung in alle Welt.

Tatsächlich ist HBS damit sogar einer der wichtigsten Technologieführer in dieser Branche – und hat mit dem globalen Bau-Boom mehr als genug zu tun.

 

Verdammt großes Kino

Das Arri Kino in der Türkenstraße dürfte den meisten Münchnern eine wohlbekannte Location sein, in der sie schon viele Filmstunden genossen haben.

Ja, auch das ist Arri. Aber gleichsam verbirgt sich hinter dem Namen auch ein weiterer Beweis bayerischer Superlative. Denn was wir meinen ist die Arri-Gruppe.

Die hat zwar auch mit großem Kino, sogar dem Arri Kino, zu tun, aber weniger auf der Zuschauerseite denn der für die Macher. Denn Arri macht in Filmtechnik.

Darunter fallen Kameras ebenso wie Linsen, Stabilisatorsysteme und eine ganze Menge an Beleuchtungslösungen.

Und als wenn das nicht genug wäre, bietet das Unternehmen auch noch Lösungen für die Nachproduktion an, also beispielsweise Schnitt oder Vertonung.

Damit kommt Arri nicht nur auf heftige 400 Millionen Jahresumsatz, sondern kann sich als Beweis seiner enormen globalen Bedeutung damit rühmen, dass seine Kameras 2018 in fast allen Oscar-nominierten Filmen verwendet wurden.

 

Identifikation als Geschäftsmodell

Das „Hidden“ bei Hidden Champions kommt nicht von ungefähr, denn oftmals sind diese Leistungsträger mitten in unserem Alltag und dennoch versteckt.

Auch dieses Produkt hat wahrscheinlich schon jeder gesehen, vielleicht auch mal mit den Fingern abgeknibbelt, weil er etwas, das darunter lag, sehen wollte.

Wovon die Rede ist? Von allem, was Identifikation eingesetzt wird. Das bringt uns direkt nach Oberschleißheim zur Schreiner Gruppe.

Auch sie ist ein Technologieführer. Und zwar für, nennen wir es „Identifikationssysteme“. Schreiner fertigt beispielsweise aufklebbare RFID-Chip-Etiketten, mit denen in Großlagern Dinge gekennzeichnet werden.

Auch Münchens Autofahrer dürften Schreiner (unbewusst) kennen, das Unternehmen fertigt nämlich auch die Feinstaubplaketten, weil an diese besondere Richtlinien hinsichtlich Fälschungssicherheit gestellt werden – daher stammen auch die Anmeldeplaketten der Stadtverwaltung auf Kennzeichen aus diesem Haus.

Darüber hinaus ist Schreiner auch ein Global Player auf dem Gebiet der gedruckten Elektronik und hat rund 450 Patente auf dem Kerbholz.

 

Wenn es klebrig sein soll

Wer sich heute ein neues Auto kauft – ganz gleich von welchem Hersteller – kann davon ausgehen, dass sich in dessen Teilen roundabout 15 Kilogramm Klebstoff befinden.

Und wo? Nun, da wären beispielsweise sämtliche nicht-versenkbaren Scheiben zu nennen, die heute eingeklebt werden, weil sie eine tragende Rolle der Karosseriestabilität übernehmen.

Ferner sind es die ganzen elektronischen Bauteile, die vor den hässlichen Belastungen eines Autolebens, vor Schmutz, Nässe und so weiter geschützt werden müssen.

Und wovon man ebenso ausgehen kann, ist, dass diese Stoffe mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit aus Windach stammen.

Dort sitzt nämlich einer der wichtigsten Klebstoffhersteller der Welt, Delo Industrie Klebstoffe. Was dort produziert wird, findet sich zwar eher weniger auf dem Schreibtisch oder in der Tube im Küchenschrank (das wäre eher das NRW-Unternehmen Henkel).

Delo ist viel mehr ein Ausrüster für die Industrie. Und er klebt alles. Flugzeugteile werden ebenso mit Delo-Produkten verklebt wie Handys, Siliziumblöcke in Photovoltaikplatten oder auch die Scharniere an Glastüren.

Gut genug für 160 Millionen Jahresumsatz und eine wirklich globale Kundschaft.

 

Gemütlicher Name, grüne Weste

Für uns Oberbayern oder generell Freistaatbewohner mag es ein normaler Nachname sein. Aber für die Restdeutschen ist Huber so etwas wie der bayerische Nachname.

Ob Rheinländer oder Norddeutscher, die meisten verbinden damit den Klischee-Bayern in der Krachledernen, der irgendwo an einem klaren Gebirgsbächlein sitzt und über eine Weide blickt.

Und wir alle kennen ja den Spruch, dass in jedem Klischee ein Körnchen Wahrheit steckt. Bei Huber ist es das mit dem Gebirgsbächlein.

Wie das? Es ist die Rede von der Huber SE aus Berching. Das ist nicht nur einer, sondern einer der weltweit wichtigsten Hersteller für die Teile, die für die Herstellung von Wasseraufbereitungs- und Abwasserbehandlungsanlagen zwingend benötigt werden.

Ob Grobsieb, das Baumstämme fernhält oder Membransystem, welches noch den letzten Keim aus dem Wasser filtert. Bei allem ist Huber dabei und macht gut über 100 Millionen Euro Umsatz.