Früher in den Urlaub? Schule schwänzen kostet 500 bis 1000 Euro

Manche Eltern wollen früher in den Urlaub fliegen, als die Ferien beginnen. Flüge sind dann viel billiger. Im Interesse der Schüler ist das nicht.

 

Eltern, die ihre Kinder schon vor den Ferien aus der Schule holen – das passiert laut der Polizei immer häufiger.  Auch in München werden mehr Bußgelder verhängt, weil Schüler nicht zum Unterricht erschienen: 2014 waren es noch 1962, vergangenes Jahr 2375 Bescheide. Zwischen 500 und 1000 Euro kann es Eltern kosten, wenn sie ihre Kinder aus der Schule nehmen, ohne dass ein zwingender persönlicher Grund vorliegt. Solch ein Grund wäre beispielsweise eine Beerdigung innerhalb der Familie. Dann können Eltern eine Befreiung bei der Schule beantragen.

 

„Es lohnt sich ja nicht“, so ein Polizeisprecher: „Wenn Sie erwischt werden, bringt Ihnen auch der günstige Flug nichts.“ Bei der Passkontrolle an Flughäfen achtet die Polizei auch darauf, ob Kinder im schulpflichtigen Alter nicht eigentlich im Unterricht sein müssten. Kontrolliert wird aber nur bei Flügen außerhalb des Schengenraums.

 

Für Eltern, die für einen billigeren Flug ihre Kinder aus der Schule nehmen, hat das bayerische Bildungsministerium kein Verständnis. „Unterrichtsaufall ist ein Thema, was viele Eltern verfolgen. Gleichzeitig gibt es dann Eltern, die die Ferien einfach verlängern. Wir haben aber eine Schulpflicht“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Zum Schuljahresende gebe es viele Projekte, die die Schulgemeinschaft stärkten.

 

So sieht es auch die fachliche Leiterin des Schulamtes in München, Alexandra Brumann: „Das geht nicht.“ Die Lehrpläne sähen bewusst pädagogische Freiräume für Projekte oder Wandertage vor. Diese seien aber genauso Pflicht, auch wenn sie kurz vor den Ferien stattfänden. „Weil Lernen nicht nur mit Heft und Stift im Klassenzimmer stattfindet“, sagte Brumann. Ein gemeinsamer Abschluss des Schuljahres sei wichtig für die Schüler.

 

„Oft ist es auch Unwissenheit und gar kein böser Wille“, sagte Stefan Kuen vom Schulamt in Nürnberg. Andere Eltern hingegen seien womöglich dreist und wägten das Risiko gegen das gesparte Geld ab. Seiner Erfahrung nach komme es auch häufiger vor, dass Eltern die Ferien eigenständig ausweiten. „Aber es ist kein dramatischer Anstieg.“

 

dpa