Zahlreiche Proteste erwarten die Münchner wegen dem G7-Gipfel

Garmisch-Partenkirchen: Erschöpfte G7-Gegner sagen Protestmarsch ab

Den G7-Gegnern geht die Luft aus. Weniger als 100 Demonstranten sind zur Abschlusskundgebung gekommen. Über die Gründe wird nun gerätselt.

 

Vor dem Abschluss des G7-Gipfels hat das Aktionsbündnis „Stop G7 Elmau“ den geplanten Protestmarsch durch Garmisch-Partenkirchen abgesagt. „Weil wir gestern schon so viel gelaufen sind“, sagte die Veranstaltungsleiterin Ingrid Scherf am Montag bei einer Kundgebung auf dem Bahnhofsplatz. Nur einige Dutzend Demonstranten waren dort am Vormittag versammelt. Ursprünglich waren 500 Teilnehmer zu einem Protestmarsch erwartet worden.

 

Viele Bewohner des Protestcamps am Ortsrand waren bereits am Sonntagabend abgereist. Die geblieben waren, erlebten eine regnerische Nacht. Etwa 300 Teilnehmer seien noch im Camp, sagte ein Polizist am Montagmorgen am Rande des Zeltplatzes.

„Nein, nein, ich bin nicht enttäuscht“, versicherte Scherf. Auch nicht darüber, dass am Samstag statt der angemeldeten 10 000 nach Polizeiangaben nur 3600 G7-Gegner demonstriert hatten. Nach Angaben des Bündnisses waren es 5000 gewesen.

 

Andere Demonstranten verhehlten am Montag nicht ihre Enttäuschung. Über die niedrige Beteiligung sei er etwas traurig, sagte der Garmisch-Partenkirchener Heinz-Peter Fehrecke. „Das lag unter anderem an der Drohkulisse der Polizei“, meinte er. Er habe sich auch „mehr Unterstützung aus München“ gewünscht. In München hatten am Donnerstag unter dem Motto „TTIP stoppen – Klima retten – Armut bekämpfen“ fast 35 000 Menschen friedlich demonstriert.

 

 

„Garmisch ist halt nicht der zentralste Ort der Welt“, sagte die Bündnissprecherin Cornelia Teller. Sie sei aber zufrieden mit den Aktionen am Wochenende in Garmisch: „Es war ein sehr bunter, kreativer und kraftvoller Protest.“ Die Einwohner hätten die Demonstranten unterstützt: „Als es uns am Samstag zerregnet hat, haben viele Garmischer ihre Türen geöffnet und Decken zur Verfügung gestellt. Das war überwältigend.“

 

Für das massive Polizeiaufgebot habe es angesichts der friedlichen Demonstrationen keine Rechtfertigung gegeben, kritisierte Teller. „Da hat sich (Bayerns Innenminister Joachim) Herrmann klar verkalkuliert.“

Am Sonntag hatten Globalisierungsgegner vergeblich versucht, über Wanderwege zum abgeriegelten Schloss Elmau, dem Tagungsort der G7-Politiker, in den Bergen zu gelangen. Der Gipfel der Staats- und Regierungschefs wichtiger Industrienationen sollte am frühen Montagnachmittag enden.

Mit einer riesigen Laserprojektion auf das Zugspitzmassiv forderten Umweltschützer die G7-Staaten zu einer globalen Klimawende auf. Ein extrem leistungsstarker Projekter warf am Morgen die Forderung „G7: 100 % Erneuerbare Energien!“ aus knapp 2,5 Kilometern Entfernung auf die Felswand des Waxensteins.

 

Wegen starken Regens am Sonntagabend hatten die Aktivisten der Organisation Greenpeace ihre Projektion auf die frühen Morgenstunden verschoben. Gegen 4.30 Uhr leuchtete der Schriftzug in Grün unter wolkenverhangenem Himmel auf und war von Garmisch-Partenkirchen aus gut zu lesen. Die Projektion habe auf einer Breite von 1000 Metern geleuchtet, teilte Greenpeace mit.

 

rg / dpa