Gedenken an Opfer des NSU: Münchner Max-Joseph-Platz wird zum Ismail-Yaşar- Platz

Am 4. November 2014, drei Jahre nach dem Bekanntwerden des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), werden in ganz Deutschland zeitgleich Straßen in Gedenken an die Opfer der rassistischen Mordserie und der Bombenanschläge umbenannt. Der Münchner Max-Joseph-Platz wird zum Ismail-Yaşar- Platz.

 

Ein bundesweiter Zusammenschluss von Initiativen möchte den Angehörigen und Betroffenen mit der Aktion Solidarität aussprechen und einen würdigen Rahmen des Gedenkens schaffen. Gemeinsam fordern die Initiativen eine lückenlose Aufklärung der Hintergründe des NSU-Komplexes.

 

Am 4. November 2011 enttarnte sich der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) selbst. Der Jahrestag steht nach Ansicht der Organisatoren, „für den Anfang einer bisher kaum stattgefundenen gesellschaftlichen Auseinandersetzung“, so Manuel Friedrich vom
Initiativenbündnis. „Hätte die Selbstenttarnung nicht stattgefunden, wären die Betroffenen wahrscheinlich bis heute noch nicht von der Verdächtigung und Gängelung der deutschen Behörden befreit und als Opfer rassistischer Gewalt anerkannt. Bis zum heutigen Tag jedoch hat in keiner Stadt ein den Wünschen der Betroffenen entsprechendes Gedenken an die verlorenen Freunde und Familienmitglieder stattgefunden“, so Manuel Friedrich weiter.

 

Münchner Max-Joseph-Platz wird zum Ismail-Yaşar- Platz

 

Um die Opfer wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, werden bundesweit antirassistische Initiativen und Einzelpersonen unter dem Motto „Die Opfer des rassistischen Terrors bleiben unvergessen“ Solidarität mit den mehr als 30 Nebenkläger/innen im NSU-Prozess und den Angehörigen der Opfer zeigen. An diesem Tag werden zeitgleich um 17.30 Uhr in ganz Deutschland Straßen nach den NSU-Opfern Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut , İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat benannt. Das Bündnis aus Initiativen kritisiert die auf der „Einzeltrio-These“ basierende Anklageschrift der
Bundesanwaltschaft. Dadurch werde der Aufklärung im NSU-Prozess sehr enge Grenzen gesetzt.

 

Stattdessen fordern die Initiativen eine lückenlose Aufklärung der Hintergründe und der Verwicklung staatlicher Behörden. „Wir verlangen zu erfahren, wer zum NSU-Netzwerk gehört und welche Rolle der Verfassungsschutz darin spielt“, erklärt Manuel Friedrich, Sprecher des Bündnisses. Um diesen kritischen Fragen Nachdruck zu verleihen, mobilisiert das Bündnis zudem zum ersten Verhandlungstag des Nagelbombenanschlags auf die Keupstraße im NSU-Prozess in München zu einer Demonstration und einer solidarischen Begleitung der Betroffenen.

 

RG / Bündnis gegen Naziterror und Rassismus