Geschäftstüchtig und schillernd – Rudolph Moshammer zehn Jahre tot

Stets lächelnd, perfekt gestylt und makellos – so kannte man Rudolph Moshammer. Eine Seite seines Lebens hielt er verborgen. In einer kalten Januarnacht vor zehn Jahren wurde der Modezar ermordet.

Weihnachtsgestecke mit dicken Goldkugeln zieren noch Anfang Januar das herrschaftliche Mausoleum auf dem Münchner Ostfriedhof. Efeu wuchert aus Blumentöpfen. Die pompöse Grabstätte des Modehändlers Rudolph Moshammer ist kurz vor seinem zehnten Todestag bescheiden geschmückt. Am 14. Januar wird alles blitzblank aussehen: Der Verein «Licht für Obdachlose» lädt dann zum Gedenken – und «Mosi» war doch so auf ein perfektes Äußeres bedacht.

 

Mit pechschwarzer, angeklebter Perücke, die ebenso perfekt frisierte Yorkshire-Hündin Daisy auf dem Arm, stets lächelnd und ein bisschen Märchenkönig: So inszenierte der Modezar sein Leben, so kannten ihn die Menschen, so liebten ihn die Fans. Einen Teil seines Lebens verbarg er akribisch – seine Liebe zu Männern. Ein Stricher erdrosselte ihn in der Nacht zum 14. Januar 2005 in seiner Grünwalder Doppelhaushälfte im Streit um Liebeslohn.

 

«Mosis» Tod löste weithin Trauer aus. Autogramme, Sterbebildchen, Plüsch-Daisys und Moshammer-Krawatten fanden reißenden Absatz. 15 000 Menschen gaben ihm das letzte Geleit zum Mausoleum, in dem bereits seine Mutter Else begraben liegt. Viele kamen in prachtvollen Kleidern, teils im König Ludwig-Stil. Während die echte Daisy, die damals kurzzeitig eine eigene Pressesprecherin hatte, ausnahmsweise mit auf den Friedhof durfte, trippelten im Trauerzug mehrere Daisy-Kopien mit, allesamt modisch nach ihrem Vorbild mit Schleifchen im Fell.

 

Seinen extravaganten Lebensstil zelebrierte Moshammer nach allen Regeln der Kunst – und blieb eine Kunstfigur. Zu Lebzeiten hielt er sogar sein Alter geheim. Es wurde nur bekannt, weil es in Österreich bei einer Verhandlung wegen eines Verkehrsdeliktes festgehalten wurde. Und von seinem Ein und Alles, dem Schoßhündchen Daisy, soll es im Laufe der Zeit in Wirklichkeit mehrere Exemplare gegeben haben.

 

Aus bescheidenen Verhältnissen hatte er sich hochgearbeitet, seine Boutique an der noblen Maximilianstraße wurde Treffpunkt der Promis. Als findiger Geschäftsmann ließ er seinen Namen schützen, außerdem vermarktete er unter anderem eine Hundepflegeserie namens «Daisy».

 

 

Immer ein offenes Herz

Zwischen Auftritten am Roten Teppich – mit Daisy und bis zu ihrem Tod auch mit Mutter Else – vergaß Moshammer seine Herkunft nie. Jenseits des Rummels kümmerte er sich um Obdachlose, an Weihnachten besuchte er sie unter den Isar-Brücken und brachte Geschenke, auch im Testament bedachte er sie. Sein Vater war obdachlos gestorben.

 

Eines hielt er verborgen: Seine Homosexualität. Selbst Freunde ahnten kaum etwas von seinen nächtlichen Autofahrten durch München. Auf der Suche nach Sex und Nähe setzte sich Moshammer, der sonst Bodyguards dabei hatte und seine drei Rolls-Royce von einem Chauffeur lenken ließ, selbst ans Steuer. Bei einer dieser einsamen Touren nahm er in jenem kalten Abend im Januar seinen Mörder mit nach Hause. Der damals 25-Jährige hatte Geld seiner Freundin verspielt. In der Hoffnung auf schnelle Euros stieg er in den Rolls-Royce, fuhr mit in den Münchner Vorort Grünwald. Angeblich wollte Moshammer dann den geforderten Lohn nicht zahlen – der Freier nahm ein Kabel und erdrosselte ihn.

 

Die Polizei fasst ihn nach nur zwei Tagen über seine DNA-Spur – ein spektakulärer Erfolg, der die Debatte um eine Ausweitung der DNA-Speicherung anheizte. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Prozess lockte Schaulustige an und geriet einmal mehr zur Bühne schriller Selbstdarstellung. Etwa brüstete sich ein mit Moshammer-Frisur als «Doppelgänger» zurecht gemachter Zeuge mit angeblichen Kenntnissen aus dessen Intimleben und wurde wegen Falschaussage im Gerichtssaal festgenommen.

 

Moshammers Leben wurde als TV-Dokumentation verfilmt, kam als Oper und Musical auf die Bühne, Bücher erschienen. Sein Chauffeur machte sich ans Werk und verfasste «Mosi, Daisy und ich». Er erbte neben einer Wohnung auch Daisy, deren Tod 2006 für Medienwirbel sorgte.

 

Auch zehn Jahre nach Moshammers Tod werden im Internet Fotos, Sterbebildchen und Bücher wie «Mama und ich» gehandelt – große Summen werden nicht geboten. «Mosi» bleibt unvergessen. In dem Verein «Licht für Obdachlose», der die Obdachlosen-Zeitung «BISS» und andere Einrichtungen unterstützt, wirkt sein soziales Werk weiter.

 

Der Vereinsvorsitzende und Anwalt Florian Besold versucht weiter unermüdlich, die Rechte für die Marke Moshammer aufrecht zu halten – um sie zugunsten der Obdachlosen zu nutzen, etwa über Modeartikel wie Krawatten. «Das geschieht in der Hoffnung, dass auch dadurch die Mittel zur Obdachlosenhilfe weiteren finanziellen Zuwachs erhalten.»

 

dpa