Eine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof, © Symbolbild.

Grablaternen, Metallbuchstaben, Kreuze – Diebe auf dem Friedhof

Den materiellen Wert können Angehörige meist verschmerzen, wenn die Leuchte vom Grab gestohlen wird. Schwerer wiegen der symbolische Wert und die Störung der privaten Atmosphäre des Totengedenkens.

 

 

München/Hamburg – So ein Diebstahl ist die Ausnahme: Anfang 2014 wurde am Grab des Hamburger Zoo-Gründers Carl Hagenbeck ein lebensgroßer Löwe aus Bronze gestohlen – 250 Kilogramm schwer und rund 100 000 Euro wert. Auf den meisten Gräbern auf deutschen Friedhöfen gibt es keine so wertvollen Statuen – und trotzdem sind hier immer wieder Diebe aktiv, die es meist auf Metallgegenstände abgesehen haben: Grablaternen, Figuren, Kreuze – sogar Metallbuchstaben auf Grabsteinen sind ihre Beute. „Das ist ein Dauerthema“, sagt Rolf Lichtner, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter.

 

Gerade im November, wenn die katholische Kirche Allerheiligen und die evangelische Kirche den Totensonntag begehen, komme es vermehrt zu Delikten, weil dann die Gräber oft besonders schön gestaltet seien.

 

Offizielle Statistiken gibt es allerdings nicht; man habe kein landesweites Zahlenmaterial vorliegen, heißt es etwa beim Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen. Aber man wisse, dass es immer wieder zu Diebstählen auf Friedhöfen komme. Tatsächlich finden sich in vielen Lokalzeitungen regelmäßig Berichte über Kriminalität auf dem Friedhof und meist verstörte und verärgerte Angehörige.

 

Das LKA in Bayern hat im vergangenen Jahr 100 Fälle registriert, bei denen es zu Metalldiebstählen auf Friedhöfen, Grabstätten, aber auch in Kirchen, Kapellen und Klöstern gekommen war. Der Schaden lag nach Angaben eines Sprechers bei etwa 100 000 Euro. Schwerpunkte der Taten waren die Friedhöfe in Nürnberg, aber auch in Oberbayern wurden zahlreiche Fälle registriert – im April 2014 etwa gab es in Germering gleichzeitig 16 Fälle. Keine Erkenntnisse habe das LKA über die Täterstruktur – ob es also meist Einzeltäter seien oder es sich um Bandendiebstahl handle, sagt ein Sprecher. 2014 wurden lediglich 11 Tatverdächtige gestellt.

 

Nach Vermutungen der Polizei haben es die Diebe meist auf Metall abgesehen, da es sich gut verkaufen lässt. Es gebe aber auch einen Markt für sakrale Gegenstände – und da sei es egal, ob sie aus Metall oder beispielsweise Holz seien, sagte der LKA-Sprecher in München.

 

Auf den Münchner Friedhöfen halten sich nach Angaben des Referats für Gesundheit und Umwelt die Diebstähle in Grenzen – bei insgesamt 260 000 Gräbern gab es 2013 17 gemeldete Diebstähle. „Allerdings ist dies für die betroffenen Grabnutzer meist sehr schmerzhaft. Hierbei geht es oft weniger um den materiellen Wert, als um den ideellen Wert der Gegenstände“, sagt ein Sprecher. Ähnlich sieht das Rolf Lichtner vom Bestatterverband: „Es wird das gestohlen, was man mit dem Gedenken an den Toten verbindet.“ Wenn jemand in einer Grableuchte eine Kerze anzünde, sei das schließlich ein Akt der Trauer und des Gedenkens – da sei es schmerzhaft, wenn diese Laterne plötzlich geklaut wird.

 

Diebstahl auf dem Friedhof zu verhindern, sei schwer, sagt Lichtner. Man könne die Anlagen nur schlecht überwachen. Zwar sei der Metallpreis inzwischen wieder gesunken, Diebstähle gebe es jedoch immer noch.

 

In München demonstriere die Friedhofsverwaltung Präsenz, sagt Sprecher Alois Maderspacher. Friedhöfe sollten ein Ort der Ruhe und Besinnung bleiben. „Besucher haben hier Ansprechpartner, an die sie sich bei Fragen wenden können.“

 

Vandalismus indes ist auf deutschen Friedhöfen kaum ein Thema, betont Rolf Lichtner. Es seien nur Einzelfälle, in denen etwa Blumenschmuck verwüstet oder gar Grabsteine umgeworfen werden. „Der Friedhof ist immer noch ein Ort des Respekts. Da fällt es schwer, etwas zu zerstören.“

 

Im Fall des Löwen am Hagenbeck-Grab hat die Polizei indes keine Täter ermitteln können. Die Bronzefigur bleibt verschwunden.

 

 

Von Kathrin Zeilmann, dpa