mord haus in königsdorf absperrband mit blauem auto vor dem haus und hohen hecken, © Doppelmord in Königsdorf

Habgier, Heimtücke und Grausamkeit: Prozess um Doppelmord von Höfen

Das Verbrechen erschütterte die Idylle in dem oberbayerischen Weiler Höfen: Aus Habgier sollen drei Männer eine wohlhabende Witwe brutal zugerichtet und zwei Senioren getötet haben. Nun beginnt der Prozess. Eine Verwandte der Täter soll den Anstoß zum Überfall gegeben haben.

 

Königsdorf: Sie sollte helfen, einen Schwerkranken zu betreuen. Doch dabei soll die Pflegekraft aber auch das Haus ausgekundschaftet – und nach dem Tod des Mannes zusammen mit ihrem Sohn, ihrem Bruder und einem Dritten einen Einbruchsplan ausgeheckt haben. So jedenfalls rekonstruieren die Ermittler den Überfall auf eine wohlhabende Witwe im oberbayerischen Weiler Höfen in der Gemeinde Königsdorf im Februar vergangenen Jahres. Die Tat endete mit einem Doppelmord. Nun müssen sich die frühere Pflegekraft und die drei Männer vor dem Landgericht München II verantworten. Die Vorwürfe: Mord, erpresserischer Menschenraub, besonders schwerer Raub. Motiv: Habgier.

 

Die Staatsanwaltschaft wirft der 50-jährigen Frau aus Polen versuchten Mord vor. Die drei Männer – ihr Bruder (44), ihr Sohn (25) und ein Bekannter (34) – sind wegen Mordes angeklagt. In der Nacht vom 22. zum 23. Februar 2017 sollen die drei Männer in das Anwesen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen eingedrungen sein. Wahrscheinlich wähnten sie die damals 76-jährige Hausbesitzerin alleine, doch diese hatte Besuch von einer gleichaltrigen Freundin aus dem Raum Frankfurt am Main und von einem Mann (81) aus Nordrhein-Westfalen.

 

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Den Ermittlungen zufolge stemmten die Täter ein Fenster auf, überwältigen die drei Senioren und schlugen mit diversen Gegenständen brutal auf sie ein. Dann zerrten sie die ohnmächtige und schwer verletzte Witwe sowie deren Bekannten in den Keller und sperrten sie ein. Die andere und nicht mehr ansprechbare Frau fesselten sie. Dann raubten sie das Haus aus. Einen Tresor schleppten sie mit, auch Bargeld in fünfstelliger Höhe, Gold und andere Wertsachen nahmen sie mit – den Schmuck vergaßen sie. Die Beute sollen sich die Angeklagten geteilt haben.

 

Die beiden Bekannten der Witwe starben, sie selbst wurde erst nach Tagen mit lebensgefährlichen Verletzungen gefunden. Ihr Leben verdankt sie vermutlich einem Nachbarn, der sich Sorgen machte, weil er sie nicht erreichte. Nur langsam erholte sie sich von ihren Verletzungen und konnte sich zunächst so gut wie nicht an den Überfall erinnern. Der Staatsanwaltschaft zufolge gingen die Täter heimtückisch und grausam vor. Die Polizei sprach damals von einer «schockierenden und sehr brutalen Tat, die für die Region einzigartig ist».

 

Der Verdacht fiel schnell auf die frühere Pflegekraft. Sie wurde Anfang März 2017 verhaftet. Im Laufe der nächsten Wochen wurden ihre mutmaßlichen Komplizen in Polen dingfest gemacht. Sie sitzen nun alle in Deutschland in Untersuchungshaft.

 

Der Fall könnte Sorgen wecken – nicht zuletzt ermittelt die Staatsanwaltschaft in München gerade in einem anderen Fall gegen einen Pfleger aus Polen, der einen 87-jährigen Pflegebedürftigen in Ottobrunn bei München mit Insulin getötet haben soll, um ihn zu bestehlen. Auch ein 84 Jahre alter Mann im Landkreis Kitzingen könnte Opfer dieses Hilfspflegers geworden sein. Bekannt ist bisher, dass der Mann an mindestens 67 Orten in ganz Deutschland tätig war. Die Anklagebehörde schließt weitere Mordversuche nicht aus.

 

Dennoch geht die Polizei davon aus, dass es sich hier um Einzelfälle handelt. Selbst Diebstähle von Haushaltspersonal oder Pflegekräften spielen keine große Rolle. «Uns sind keine besonderen Fälle bekannt, dass Haushaltshilfen Diebstähle begehen», sagt die stellvertretende Pressesprecherin der Münchner Polizei, Angela Samietz. Sie mahnt dennoch: «Wenn man sich jemanden für die Pflege aussucht, muss man sehen, von welcher Organisation derjenige kommt. Man sollte sich sehr gut erkundigen.»

 

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Von Sabine Dobel, dpa