Gefesselte Hände, © Symbolfoto

Hohe Strafen nach brutalem Raubüberfall auf Rentner gefordert

Mit Kabelbindern an Stühle gefesselt – so harrten ein verletzter Mann und seine herzkranke Frau in ihrer Villa am Tegernsee über 15 Stunden aus. Zwei Brüder hatten die betagten Eheleute überfallen und ihre Sammlung an Meißner Porzellan in siebenstelligem Wert geraubt.

 

München – Sie gingen brutal vor, haben ihre Opfer wehrlos und gefesselt zurückgelassen: Für die beiden Hauptangeklagten im Prozess um einen spektakulären Raubüberfall mit Millionenbeute auf ein betagtes Ehepaar in einer Villa am Tegernsee hat die Staatsanwaltschaft am Montag lebenslange Haft gefordert. Die 42 und 49 Jahre alten geständigen Brüder sind aus Sicht der Anklagebehörde des versuchten Mordes und schweren Raubes schuldig. Die Verteidigung hielt den Mordversuch nicht für erwiesen und plädierte auf niedrigere Strafen. Das Landgericht München will das Urteil am 16. März sprechen.

 

Das Duo soll am 8. Januar 2014 über die Terrasse in das Anwesen in Rottach-Egern (Landkreis Miesbach) eingedrungen sein. Die beiden Männer schlugen den Hausherrn laut Anklage zusammen, dann fesselten sie ihn und seine herzkranke Frau mit Kabelbindern, Schals und Gürteln an Stühle. Anschließend flüchteten sie mit Porzellan aus den frühen Meißner Jahren im Wert von gut einer Million Euro sowie Schmuck und Uhren für rund 256 000 Euro im Auto der Frau.

 

Die 73 und 76 Jahre alten Opfer blieben bei heruntergelassenen Rollläden hilflos zurück. «Sie waren in Lebensgefahr», sagte der Staatsanwalt im Münchner Landgericht. Seinem Plädoyer zufolge haben die Räuber mit der Flucht die Folgen ihres Vorgehens für die Eheleute «aus der Hand gegeben». Die vorbestraften Brüder hatten keinen Einfluss darauf, ob das Paar rechtzeitig gefunden wurde.

 

Tatsächlich mussten die Eheleute mehr als 15 Stunden auf ihre Befreiung warten. Diese hatten sie dem Umstand zu verdanken, dass der Mann einen Termin bei seinem Anwalt nicht wahrnehmen konnte.

 

Für einen Mitangeklagten, einen Freund des älteren Bruders aus gemeinsamen Gefängnistagen, beantragte der Staatsanwalt eine neunjährige Strafe wegen Anstiftung sowie Hehlerei. Er hatte das kostbare Porzellan nach Nordrhein-Westfalen zu einem Antiquitätenhändler gebracht. Für diesen hielt der Anklagevertreter eine Bewährungsstrafe von 22 Monaten für ausreichend.

 

Das Quartett stammt aus Lünen und Hagen (beides NRW). Die Polizei hatte die Beschuldigten im Herbst 2014 festgenommen. Das geraubte Porzellan konnte zum überwiegenden Teil sichergestellt werden.

 

(dpa/lby)