Verbrecher, Polizei, Unbekannt, Schatten, © Symbolfoto

Homophobie: Mann von Schwulen-Hasser in U-Bahn-Toilette angegriffen

In München soll es vergangene Woche einen homophoben Übergriff in der Toilette an der U-Bahn-Station Fraunhoferstraße gegeben haben. Ein Passant soll übel beleidigt und angegriffen worden sein. Die Polizei bestätigte uns, dass sie in diesem Fall ermittelt. Bei unseren Recherchen wird gleichzeitig klar: Manchen Polizisten ist es noch nicht präsent, dass homophobe Straftaten auch als solche erfasst werden müssen. 

 

Der Zeuge gibt zu Protokoll, dass er am vergangenen Montag (18.7.2016) in einer Toilette in der U-Bahn-Station Fraunhoferstraße gerade seine Notdurft verrichtete. Plötzlich sei ein Mann in die Toilette gestürmt und hätte herumgeschrien: „Hier ist die Kriminalpolizei, kommt raus ihr schwulen Dreckschweine, ich warte draußen auf euch“. Er soll dabei auch heftig gegen die verschlossenen Toilettentüren geschlagen haben, so sehr, dass der Mann nach seiner Notdurft die Türe kaum mehr aufbekam.

 

Täter gibt sich als Polizist aus

 

Als er anschließend die Toilette verließ und mit einer Rolltreppe ein Stockwerk höher fuhr, soll sich ihm der Angreifer in den Weg gestellt haben und ihn dazu aufgefordert haben, seinen Ausweis auszuhändigen. Der Mann ging jedoch einfach weiter, da er bemerkt habe, dass es sich nicht um einen Kriminalpolizisten handelt. Das wollte der selbsternannte Sheriff allerdings nicht akzeptieren. „Wenn du jetzt weitergehst schlag ich dich nieder“, soll er gedroht haben und anschließend mit wüsten homophoben Beleidigungen weiter geschimpft haben. Unter anderem soll er geschrien haben: „Du bist auch so eine schwule Drecksau. Ich schieb dir gleich eine Flasche in den Arsch, dann kannst du deiner Frau erzählen wie sich das anfühlt“.

 

Rolltreppe an U-Bahn Station, © Symbolbild

 

An der Ampel an der Kreuzung zur Erhardtstraße angekommen, soll der Angreifer den Mann erneut festgehalten, genötigt und ins Gesicht gespuckt haben. Bis zur Bushaltestelle in der Erhardtstraße sei der Mann verfolgt und mit dem Tode bedroht worden, unter anderem mit einem Gegenstand, den der Mann aus einer Baustelle entwendet haben soll. Der Geschädigte gibt an, dass er einem Schlag ausweichen und anschließend fliehen konnte. Die Polizei ermittelt in diesem Fall wegen Beleidigung, Nötigung und Amtsanmaßung. Über die sexuelle Orientierung des Geschädigten ist uns nichts bekannt, der Angriff richtet sich jedoch ganz offensichtlich gegen Schwule. Wenn die Polizei den Täter ernsthaft ermitteln will, brauche sie nur die Überwachungsvideos der U-Bahn auswerten, so der Geschädigte abschließend. Der Täter sei mit Sicherheit darauf zu sehen. Leider ist es aber auch so, dass der Anzeigenerstatter dies per Fax getan hatte. Die Polizei bittet deshalb aus diesem Anlass darum, in solchen Situationen immer den Notruf unter der 110 zu wählen, weil so ggf. gleich geholfen oder schneller ermittelt werden kann.

 

 

Wie viele weitere Fälle sind bekannt?

 

Wie viele homophobe Übergriffe es in München tatsächlich gibt, ist leider sehr schwer festzustellen, da sich sehr viele Männer nicht trauen, dies überhaupt anzuzeigen. „Sie müssten sich damit nochmals vor den Polizeibeamten outen, was vielen zu unangenehm ist“ sagte uns Christian Schultze, Geschäftsführer im SUB (Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum München e.V.). 2015 seien dort 18 Fälle von homophober Gewalt in der Öffentlichkeit, 12 Fälle innerhalb der Familie und 9 Fälle innerhalb einer Beziehung bekannt. Hierzu muss man allerdings erwähnen, dass es sich dabei um Fälle handelt, bei denen sich die Betroffenen beraten ließen.

 

2015 wurden bis zum 30. November bei der Münchner Polizei sieben Straftaten angezeigt, die etwas mit der sexuellen Orientierung zu tun hatten. Weitere Zahlen, auch für das laufende Jahr, hatte uns das Innenministerium zugesagt, wir werden entsprechend nachberichten. Unter anderem wurde der Sprecher der Grünen Jugend in München am Rande des CSD 2015 angegriffen. Einige Wochen vorher waren im Glockenbachviertel schwule Männer beleidigt und mit einer Schere angegriffen worden.

 

Erfassung homophober Straftaten muss verbessert werden

 

Eigentlich müssen diese Vorfälle erfasst werden, da sie in der Statistik der „politisch motivierten Kriminalität“ zuzuordnen sind und sie sich ganz offensichtlich wegen der sexuellen Orientierung der Opfer ereignet haben. Das jedoch ist manchen Polizisten nicht immer präsent, deshalb kann es durchaus vorkommen, dass die Statistik nicht die tatsächlichen Übergriffe wiederspiegelt. Der Verein lesbischer und schwuler Polizeibediensteter gab selbst an, dass man dies bis 2009 nicht gewusst habe und man laufend versucht in den einzelnen Dienststellen Mitarbeiter zu sensibilisieren, diese Straftaten genau zu erfassen und beim Namen zu nennen.

 

pm