Polizei Pressesprecher Marcus da Gloria Martins Amoklauf München — © Im Gespräch: Jörg van Hooven und Marcus da Gloria Martins
Im Gespräch: Jörg van Hooven und Marcus da Gloria Martins

Im Interview: Polizeipressesprecher Marcus da Gloria Martins

Seit dem Amoklauf in München ist er in der ganzen Welt bekannt: Marcus da Gloria Martins. Der Pressesprecher der Polizei informierte die Öffentlichkeit ruhig und sachlich über den Stand der Dinge. Im Interview mit münchen.tv-Chefredakteur Jörg van Hooven erzählt er, wie er den Amoklauf erlebt hat.

 

Jeder Münchner wird auch noch in zehn Jahren wissen, was er am 23. Juli 2016 in den frühen Abendstunden gemacht hat. Wo waren Sie, als Sie von den Schüssen im Olympia-Einkaufszentrum erfahren haben? Der Pressesprecher der Münchner Polizei, Marcus da Gloria Martins, war gerade zu Hause in seiner Küche. Der Papa von zwei Kindern hatte sich gerade etwas um den Haushalt gekümmert. Das Handy war aus. Ausgerechnet an diesem Tag war der Akku leer, was sonst nie passiert.

 

Plötzlich kommt seine 11-jährige Tochter in die Küche: „Papa, im Radio erzählen die was von Schüssen in einem Einkaufszentrum in München.“ Sofort kontaktiert da Gloria Martins seine Kollegen und bringt die Kinder zu den Großeltern. Wie wir heute wissen: Es wird eine lange Nacht für den Beamten.

 

Der „Weltuntergangs-Pressesprecher“

 

Der gebürtige Kölner hat für seine Arbeit im Zusammenhang mit dem Amoklauf viel Lob bekommen. Ihm wurde eine eigene Facebook-Fanpage gewidmet. Falls die Welt untergehe, wünscht sich ein BILD-Journalist, solle diese Nachricht von da Gloria Martins überbracht werden. Der Rummel um seine Person ist dem Polizisten nicht recht. Er lese sich das alles auch nicht durch. „Ich bin dafür da, dass ich mein Gesicht in die Kamera halte und ich habe nur meinen Job gemacht.“ Irgendjemand müsse diese Arbeit schließlich machen „und das war zufällig ich“.

 

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Klar, es war sein Job. Er wurde von der Presse und der Öffentlichkeit aber deswegen so viel gelobt, weil er so sachlich und klar informiert hat. Er hat sich einfach nicht an Spekulationen beteiligt, wovon es zwischenzeitlich an diesem Freitag jede Menge gab. Es sei wichtig, so da Gloria Martins, dass die Pressestelle Rückgrat zeige und auch zugebe, dass manche Dinge noch nicht bekannt seien. „Auch wenn das die Medien oft nicht befriedigt“, so der Pressesprecher. „Es muss Standard sein, dass wir nur mit Fakten ‚raus gehen“.

 

„Wir sind vom Schlimmsten ausgegangen“

 

Wo es Lob gibt, gibt es auch Kritik: Viele fragten sich, ob der Polizeiaufwand für einen Einzeltäter gerechtfertigt war. Hierfür hat da Gloria Martins eine einfache Erklärung. Schließlich hätte die Polizei anfangs auch keine genauen Infos gehabt. „Deswegen sind wir vom schlimmsten Fall ausgegangen: Terror-Angriff.“ Die Polizei ziehe in so einem Fall die Sicherheit der Bevölkerung vor. „Wir können nicht zuerst überprüfen, und dann das Personal einplanen.“

 

 

 

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