Interview vom neunthöchsten Berg der Erde aus nach München!

In diesem Moment ist David Göttler zusammen mit seiner Crew beim Aufstieg auf den Nanga Parbat im Westhimalaya in der Krisenregion Kaschmir in Pakistan.

Dank Internet und Social Media konnten wir für münchen.tv aber ein Interview führen, direkt aus 7000 Metern über Null.  So geht es den Bergsteigern:

Erzähl doch mal über die Expedition bisher : Wie war die Expedition auf den Nanga Parbat? Wie habt ihr die Reise organisiert? Was waren eure wertvollsten Erfahrungen?

Bis jetzt hatten wir sehr viel Glück..mit dem Wetter, mit den Verhältnissen, mit allem! Wir konnten in den ersten vier Wochen seit unserer Abreise bis Lager 3, auf 6800m kommen und noch einwenig höher aufsteigen. Das heisst wenn wir ein ausreichend gutes Wetterfenster – von sagen wir 4 Tagen – bekommen, könnten wir theoretisch einen Gipfelversuch wagen. Nun hoffen wir auf dieses und sind gespannt, wenn wir das nächste Mal kommende Woche mit unserem Meteorologen Karl Gabl aus Innsbruck telefonieren, wie es ausschaut…

Im Moment ist es schlecht. Es schneit und oben am Berg hat es Wind bis über 100km/h… da geniessen wir hier das schöne Basislager – Leben.
Am meisten hat mich, und das gleich am Anfang sehr heftig, die schier unendliche Größe des Nanga Parbats umgehauen. Man steht hier vor einer Wand, einem Berg, der nicht zu enden scheint. Und wir haben uns einfach wirklich hier Lager für Lager den Berg in kleine Teile schneiden müssen. Und auch jetzt wissen wir, es ist noch ein langer Weg vor uns. Und der Tag oben auf fast 7000m war ein sehr spezieller, weil wir hier auch einfach so alleine unterwegs sind. Außer Simone und mir sind noch 4 Polen mit am Berg. Und diese Einsamkeit ist schon speziell. Die spürt man.

Wie sind eure Pläne für die nächsten Tage und Wochen? Plant ihr alles Schritt für Schritt?

Die kommenden Tage oder vielleicht Wochen müssen wir mit warten auf gutes Wetter im im Basiscamp verbringen. Wir wissen nicht oder besser man kann einfach nur 5 Tage im voraus eine verlässliche Prognose abgeben, heißt im Moment wissen wir nicht wann und ob wir überhaupt wieder starten können. Aber wir haben natürlich unseren Plan im Kopf und sind vorbereitet, sobald wir grünes Licht bekommen vom Petrus.

Habt ihr irgendwelche ungewöhnlichen Geschichten, die ihr bisher erlebt habt? Ihr habt schon viel darüber erzählt, wie ihr euch Essen gemacht habe, “geduscht” habt und so weiter… Wäre schön, wenn ihr uns einen Einblick in euer tägliches Leben da oben geben könntet.

 

Hier im Basislager haben wir eigentlich alles…es gibt super Essen und jeder hat sein kleines Zelt zum Schlafen. Was interessant ist, wie man sich an die Kälte gewöhnt. Wenn es in meinem Zelt Minus 10 Grad hat, denke ich mir oft gar nicht mehr „so kalt“…  Minus 20 ist dagegen schon ein wenig unangenehm.
Und Duschen geht meistens in Etappen. Erst die Haare, dann Mütze auf und Oberkörper frei machen, und dann wieder Pulli an und die untere Hälfte… so kühlt man nicht komplett aus und fängt sich keine Erkältung ein.
Oben am Berg ist es dann, vor allem Nachts noch um einiges kälter. Wir hatten sicherlich Minus 35 grad das letzte Mal oben. Und da ist das Aufstehen am Morgen echt mühsam. Man muss alles vorher aufwärmen und was mich am meisten nervt, ist dass ich die ganze Nacht meinen Schlafsack mit meinen beiden Kameras und den Innenschuhen meiner Bergstiefel und einer Wasserflasche teilen muss… und das alles in einem winzigen Zelt zu zweit.  Aber was nimmt man nicht alles in Kauf…

adc / ds / amplify