Jugendämter in Bayern nehmen vermehrt Kinder aus Problemfamilien

3.046. Das ist die Anzahl der Kinder, die im vergangenen Jahr vom Jugendamt aus ihren Familien genommen wurden – zu ihrem eigenen Schutz. Denn immer wieder kommt es in Deutschland zu Todesfällen von vernachlässigten, misshandelten Kindern. Diesen Schuh wollen sich die bayerischen Jugendämter nicht anziehen und nehmen immer häufiger gefährtete Kinder in ihre Obhut.

 

Oft sind die Eltern mit den Kindern überfordert

 

3.046 Kinder – das ist der höchste Wert seit zehn Jahren. Im Vergleich zu 2002 (1.692 Kinder) stieg die Zahl um 80 Prozent, wie das Statistische Landesamt in München der dpa mitteilte. Hauptgrund, warum Kinder in Obhut genommen werden, ist eine Überforderung der Eltern. Manchmal kommen mehrere Probleme zusammen, etwa auch eine Vernachlässigung und Misshandlung des Kindes oder Beziehungsprobleme.

 

Lehrer, Nachbarn und Trainer suchen oft Kontakt zum Jugendamt

Der neue Rekordwert von 2012 bedeute nicht automatisch, dass mehr Kinder gefährdet seien, sondern eher, dass die Gesellschaft sensibilisierter sei für dieses Thema, erklärt Harald Britze vom Jugendamt München. «Es herrscht eine größere Aufmerksamkeit.» Lehrer, Nachbarn oder Trainer suchten bei Verdachtsfällen eher den Kontakt zum Jugendamt. Hilfreich sei auch das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz. Es ermöglicht Kooperationen zwischen Behörden, Schulen, Kindertagesstätten, Arztpraxen und Hebammen.

 

Individueller Schutz der Kinder

Welche Schutzmaßnahme das Amt ergreift, hängt laut Britze vom Einzelfall ab. Manche Kinder werden vorübergehend bei Angehörigen untergebracht, andere kommen in eine Pflegefamilie oder eine Kinder- und Jugendeinrichtung. Sind die Eltern motiviert und daran interessiert, die Situation zu verbessern, kann ein Kind auch schnell in die Familie zurückkehren. Und nicht hinter jeder Anzeige steckt auch tatsächlich eine Kindesmisshandlung, weiß Britze aus Erfahrung. «Manchmal wird so ein Streit unter Nachbarn ausgetragen. Das fliegt aber in der Regel schnell auf.»

 

dpa / lby