Ein Schrebergarten bei München

Kleingartenkolonie und Balkon-Oase – der Garten boomt

Die einen bauen Gemüse an, die anderen wollen im Grünen entspannen: Immer mehr Menschen in Deutschland legen sich einen eigenen Garten an. Doch es gibt einiges zu beachten.

 

Berlin/München – Eigentlich hatte er Schrebergärten immer für spießig gehalten. Bis er eine Frau mit einem Kleingarten in Berlin kennenlernte. Zehn Jahre später – die Frau hat er mittlerweile geheiratet – kann sich Wolfgang Krüger das Leben ohne jenes kleine Fleckchen Grün inmitten der Bundeshauptstadt kaum mehr vorstellen. „Ich bin gesünder geworden“, sagt der Psychotherapeut und Autor. „Das Hopsen der Krähen, der Blick ins Grüne – ich merke, wie mich das Ganze beruhigt.“ Vielen seiner Patienten verschreibe er drei Dinge: Sport, bestimmte Literatur – und Gärtnern. „Wir wissen schon seit Goethe-Zeiten: Der Aufenthalt und insbesondere die Tätigkeit im Garten sind etwas, das uns sehr erdet.“

 

Diese Wirkung wissen nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde (BDG) immer mehr Menschen in Deutschland zu schätzen. „Der Garten boomt“, sagt Thomas Wagner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim BDG. In wachsenden Städten wie Berlin, Hamburg und München sei die Nachfrage nach Schrebergärten größer als das Angebot. „Der Trend zum Erlebniskonsum ist vorbei“, erklärt Wagner. „Wir haben zu wenig oder zu viel Freizeit, mehr Sorgen, mehr Stress. Wir suchen Ruhe, Erholung und Ausgleich.“ Und das betreffe nicht nur die ältere Generation, sondern besonders auch junge Menschen und Familien.

 

Ein Kleingarten mit Gewächshaus bei München

 

Das wachsende Interesse sorgt allerdings auch für lange Wartezeiten vor allem in beliebten deutschen Großstädten. Nach BDG-Angaben wollen allein in Berlin mehr als 10 000 Städter einen der begehrten Kleingärten – Wartezeit 3 bis 4 Jahre. In München betrage die Wartezeit 2 bis 3 Jahre, in einigen Anlagen auch bis zu 5 Jahre, berichtet Axel Pürkner vom Kleingartenverband München. Insgesamt waren im Jahr 2017 rund eine Million Pächter im BDG organisiert.

 

Gleichzeitig verschwinden Schrebergärten in Städten wegen des wachsenden Bedarfs an Wohnraum, erklärt Thomas Wagner. Hinzu kommt: Ganz günstig ist der Spaß nicht. Die Ablösesumme für einen Kleingarten mit Laube und Pflanzen liegt nach BDG-Angaben bei 1900 Euro im Schnitt, in Großstädten sogar bei 3300 Euro. Daneben müssen Naturliebhaber Pacht und Nebenkosten einkalkulieren. Pro Jahr kostet ein Kleingarten in Deutschland etwa 373 Euro.

 

Gemüsebeet in einem Schrebergarten

 

Wem das zu teuer ist, kann sich alternativ auch auf dem heimischen Balkon austoben. Das sogenannte „Urban Gardening“, also Gärtnern in der Stadt, sei schon länger im Trend, berichtet Anette Stadler vom Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege, in dem die Obst- und Gartenbauvereine im Freistaat organisiert sind. Im Kommen seien derzeit besonders Obst- und Gemüsepflanzen – denn die Menschen entwickelten zunehmend ein Bewusstsein für gesunde Ernährung.

 

Bei Gemüse sollten Neugärtner vor allem die richtige Nachbarschaft beachten: „Nicht alle Gemüsesorten vertragen sich gut miteinander.“ Gute Nachbarn seien beispielsweise Buschbohnen und Salate oder Kohlrabi und Tomaten. „Erdbeeren gehen gut überall“, ergänzt sie.

 

Insektensterben und Pflanzenvielfalt seien aktuell weitere große Themen, denen sich Naturfreunde auch am Tag des Gartens am 10. Juni widmen wollen. Dabei gehe es darum, die Pflanzenvielfalt zu erhöhen und mit Blühpflanzen Gärten zu gestalten, die bienenfreundlich sind. Allein in Deutschland gilt nach Angaben des Naturschutzbundes jede Dritte der 560 Wildbienenarten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. 39 Arten sind sogar schon ausgestorben.

 

Bienenfreundliche Pflanzen seien zum Beispiel die Kornelkirsche, einfache Blüten wie Wildrosen, verschiedene Laucharten und auch Katzenminze, erklärt Stadler. „Da muss man kein Öko-Freak sein – das ist für alle interessant.“

 

Von Wera Engelhardt, dpa