S-Bahn fährt auf der Stammstrecke

Los geht´s – Spatenstich für die zweite S-Bahn Stammstrecke

Die Spitzen von Bahn, Freistaat und Stadt München geben am Mittwoch den offiziellen Startschuss für den Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München. Ein schnelles Ende der S-Bahn-Probleme ist allerdings nicht in Sicht: Der Bau wird viele Jahre dauern.

 

 

Nach jahrelanger Planungszeit beginnt an diesem Mittwoch mit dem Spatenstich der Bau der zweiten Münchner S-Bahn-Stammstrecke. Das Milliardenprojekt soll die Kapazitäten der chronisch überlasteten Hauptstrecke durch die Innenstadt fast verdoppeln.

 

Zum offiziellen Start für das derzeit größte Verkehrsprojekt in Bayern werden Ministerpräsident Horst Seehofer, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (beide CSU), Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), Bahnchef Richard Lutz und Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla erwartet.

 

Im vergangenen Oktober hatten die Vorarbeiten begonnen. Straßen rund um den Hauptbahnhof waren gesperrt, weil Fernwärme- und Fernkälteleitung sowie ein Abwasserkanal verlegt werden mussten. Seit März sind Leitungen am Marienhof an der Reihe. Kommendes Jahr gehen schrittweise die Hauptbaumaßnahmen los, der Bau der Tunnelröhren und der drei neuen unterirdischen Stationen.

 

Bis zu 40 Meter tief muss gegraben werden. Denn unter der Innenstadt verlaufen bereits der bestehende S-Bahn-Tunnel und verschiedene U-Bahn-Röhren. Deshalb muss der neue, sieben Kilometer lange Tunnel eine Ebene tiefer geführt werden.

 

2026 sollen dort die ersten S-Bahnen rollen. Dann kann die Zahl der Züge durch die Innenstadt von etwa 30 auf bis zu 54 steigen. Die S-Bahn soll pünktlicher und weniger störanfällig werden. Bisher legen Zwischenfälle auf der Stammstrecke, die alle Linien passieren müssen, immer wieder den gesamten S-Bahn-Verkehr in der Innenstadt lahm.

 

Die Kosten des Projekts werden inklusive eines Risikozuschlags von rund 650 Millionen Euro auf 3,85 Milliarden Euro geschätzt. Nach langem Hin und Her ist seit Ende vergangenen Jahres die Finanzierung geklärt: Gut 1,55 Milliarden Euro übernimmt die Bundesregierung, der Freistaat Bayern rund 1,29 Milliarden Euro, die Stadt rund 160 Millionen Euro. Die Bahn beteiligt sich mit rund 180 Millionen Euro. Sollte es über den Risikozuschlag hinaus weitere Mehrkosten geben, sei die Aufteilung geklärt, heißt es beim Innenministerium. Demnach übernimmt der Bund 60 Prozent der förderfähigen Kosten.

 

Zum Spatenstich wird am Marienhof ein Infozentrum eröffnet und es gibt ein zweitägiges Bürgerfest. Nicht alle Anwohner lieben allerdings das Projekt. Vor allem eine Bürgerinitiative im Stadtteil Haidhausen wehrt sich. Die Anwohner fürchten Belästigungen durch die jahrelange Baustelle. Noch immer sind mehrere Klagen vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof anhängig. Beobachter gehen aber davon aus, dass es dadurch höchstens zusätzliche Auflagen für die Bauphase geben wird.

 

 

dpa/ad