explosion feuer, © Symbolfoto

Mali: Geiselnahme in Luxushotel

Alles deutet auf einen neuen islamistischen Anschlag hin – diesmal in Afrika. Terroristen bringen ein Hotel in Mali in ihre Gewalt. Während der Polizeieinsatz gegen die Angreifer läuft, halten diese noch Dutzende von Geiseln.

 

 

Bamako (dpa) – Mutmaßlich islamistische Attentäter haben ein Luxushotel in Malis Hauptstadt Bamako überfallen und Dutzende Menschen in ihre Gewalt gebracht. Zunächst hielten die Angreifer 170 Menschen als Geiseln, 87 kamen jedoch frei, wie ein Beamter des Innenministeriums am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Auch zwei Deutsche hätten das Hotel verlassen können, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. „Wir haben noch keinen vollständigen Überblick. Die Aufklärung läuft auf Hochtouren.“

 

Alle Mitarbeiter der Botschaft, deutsche UN-Mitarbeiter und deutsche Entwicklungshelfer hätten sich inzwischen gemeldet, sagte Steinmeier, der sich derzeit zu einer viertägigen Afrika-Reise in Sambia aufhält. Deshalb habe er die Hoffnung, dass keine weiteren Deutschen unter den Geiseln seien.

 

Kurz zuvor hatten malische Spezialeinheiten mit dem Sturm auf das Radisson Blu begonnen. Es waren Schüsse zu hören. Die bewaffneten Angreifer sollen sich in einem oberen Stockwerk des Hotels verschanzt haben. Dem Innenministerium zufolge wurden bei dem morgendlichen Angriff drei Sicherheitsleute des Hotels getötet. In dem bei Geschäftsleuten und Diplomaten beliebten Hotel mit 180 Zimmern befanden sich auch türkische, indische, chinesische und belgische Staatsbürger. Unter den Gästen sollen auch Franzosen gewesen sein. Besatzungsmitglieder der Fluglinien Air France und Turkish Airlines befanden sich zeitweise in der Gewalt der Angreifer. Air France teilte mit, die zwölf Mitarbeiter seien „herausgeschleust worden und in Sicherheit“.

 

Frankreichs Präsident François Hollande sprach mit seinem malischen Kollegen Ibrahim Keita und sagte ihm die „notwendige Unterstützung“ zu. „Der Zugriff läuft, und wir werden mit unseren Mitteln vor Ort dazu beitragen, die Befreiung der Geiseln erreichen zu können“, sagte Hollande. „Wieder wollen Terroristen ihre barbarische Präsenz zeigen an allen Orten, an denen sie töten können, wo sie Eindruck schinden und massakrieren können“, sagte Hollande eine Woche nach den Terroranschlägen von Paris. „Wir müssen einmal mehr standhaft bleiben und unsere Solidarität mit einem befreundeten Land zeigen.“

 

Ein Polizeibeamter in Bamako sagte, bei den Angreifern handle es sich vermutlich um Dschihadisten. Sie hätten jene freigelassen, die das islamische Glaubensbekenntnis aufsagen könnten, und seien vor allem an westlichen Geiseln interessiert. Die Hotelgruppe Rezidor mit Hauptsitz in Brüssel, die das Radisson betreibt, hatte am Morgen von 170 Geiseln gesprochen – 140 Gästen und 30 Angestellten.

 

Nach Angaben eines Mitglieds des Hotel-Sicherheitsteams nutzten die Angreifer einen Wagen mit diplomatischen Kennzeichen, um Zugang zum normalerweise sehr gut gesicherten Radisson zu erhalten.
Medienberichten zufolge skandierten die Angreifer „Allahu Akbar“ (Gott ist am größten). Sicherheitskräfte riegelten das Hotel weiträumig ab. Die US-Botschaft und andere westliche Vertretungen forderten ihre Staatsbürger in Bamako auf, in den Häusern zu blieben.

 

Islamistische Attentäter hatten bereits im August ein Hotel in Sévaré angegriffen. Dabei kamen 13 Menschen ums Leben. Unter den Opfern waren auch fünf Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Derzeit läuft ein internationaler Einsatz zur Stabilisierung Malis. Die UN-Mission hat momentan rund 9000 Soldaten und 1000 Polizisten in dem westafrikanischen Land stationiert. Die Bundeswehr beteiligt sich auch an der Ausbildung der malischen Streitkräfte.

 

Bundeswehr-Soldaten sind nicht unter den Geiseln im Hotel. „Unser Hauptquartier liegt einige Kilometer von dem Hotel entfernt, alle sind in Sicherheit“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Freitag in Berlin. In Bamako sind aktuell mehr als 50 deutsche Soldaten als Teil der European Training Mission in Mali stationiert. Das Mandat erlaubt den Einsatz von bis zu 350 Soldaten.

 

Die Bundesregierung erwägt derzeit auch, den Einsatz der Bundeswehr auf den unruhigen Norden auszuweiten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte, es sei noch zu früh zu sagen, ob der Überfall auf das Hotel Auswirkungen auf die Planungen der Bundeswehr für ihren Beitrag an der UN-Mission im Norden Malis haben werde.