Polizei will Taser im Streifendienst testen - Einsatzbeispiele

Mehr Polizisten mit Tasern? Bayern prüft Testlauf

Schießen ohne Kugeln: Elektroschockpistolen sollen verhindern, dass Polizisten in gefährlichen Situationen gleich zur echten Waffe greifen müssen. In Bayern könnten bald mehr Polizisten davon Gebrauch machen dürfen.

 

Der bayerische Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft setzt sich dafür ein, dass mehr Polizisten im Freistaat Elektroschockpistolen nutzen dürfen. Die Beamten gingen verantwortungsvoll mit ihren Einsatzmitteln um, sagte Landeschef Hermann Benker am Mittwoch in München. Da jeder Gebrauch der sogenannten Taser lückenlos dokumentiert werde, sei eine volle Transparenz gewährleistet. Szenarien, wonach sie reihenweise gegen Demonstranten und Fußball-Hooligans zum Einsatz kommen könnten, wies er zurück.

 

Ausschließlich ausgewählte Einsatzkräfte sollen Taser nutzen dürfen

 

Das Innenministerium erwägt, den Einsatz der Taser probeweise auszuweiten. Der Testlauf könnte 2018 starten. Seit fast elf Jahren dürfen im Freistaat Spezialeinheiten (SEK) Elektroschocker nutzen. Sie kämen drei bis vier Mal im Jahr zum Einsatz, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Einsatzschwelle entspreche der von Schusswaffen. Dass alle Streifenbeamten damit ausgestattet würden, stünde nicht zur Debatte. Es gehe um ausgewählte Einsatzkräfte, sagte der Sprecher – ohne Details zu nennen.

 

Wie funktioniert ein Taser?

 

Bei einem Taser-Einsatz schießt der Polizist aus einer Distanz von drei bis fünf Metern mit Draht verbundene Pfeile ab. Ein Leuchtpunkt auf dem Körper der Zielperson zeigt die Trefferstelle an. Der Pfeil dringt einen Zentimeter tief in die Haut ein. Über den Draht wird ein Stromimpuls mit hoher Spannung abgegeben. Der Strom wirkt sich unmittelbar auf Nerven und Muskeln aus, was für die Dauer von mehreren Sekunden eine völlige Handlungsunfähigkeit bewirkt.

 

 

Taser-Testlauf erfährt Gegenwind von den Grünen

 

Der Taser-Beschuss ist umstritten. Bayerns Grüne kritisierten, dass die gesundheitlichen Risiken der Stromschläge noch unzureichend untersucht seien. «Gerade Ältere, Kinder, Schwangere und Herzkranke sind besonders gefährdet, wenn der Taser die Muskeln verkrampft», sagte Fraktionschefin Katharina Schulze. Für mehr Sicherheit in Bayern brauche es mehr Polizeipräsenz statt immer mehr technische Aufrüstung.

dpa