Merkel trifft die deutschen Wirtschaftsverbände

Die großen deutschen Wirtschaftsverbände gehen mit scharfer Kritik an der bisherigen Politik der großen Koalition in das Spitzengespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die abschlagsfreie Rente mit 63 setze «falsche Signale», ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn gefährde Beschäftigungschancen, heißt es im Entwurf eines Positionspapiers der vier Verbände, aus dem die «Nordwest Zeitung» vor dem Treffen am Freitag in München zitierte.

 

An dem traditionellen Spitzengespräch mit Merkel am Rande der Handwerksmesse nehmen der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Ulrich Grillo, Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, sowie Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer teil. Ein Thema dort dürfte auch das Ringen um die Energiewende sein.

Beim Mindestlohn fordern die Verbände demnach umfangreiche Ausnahmen. Insbesondere müssten Abweichungen für junge Menschen vorgesehen werden, «um keine falschen Anreize zu setzen, durch die die Ausbildungsbereitschaft eingeschränkt wird». Ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn dürfe «die Tarifautonomie und das bewährte System der Lohnfindung nicht übermäßig beeinträchtigen». Und zur Rentenpolitik heißt es in dem Papier, längeres Arbeiten sei zur Begrenzung des Arbeitskräftemangels sowie im Interesse der Finanzierbarkeit der Rentenversicherung «notwendig und sachgerecht».

 

 

Handwerkspräsident Wollseifer kritisierte die Rentenpläne der Koalition in der «Passauer Neuen Presse» (Freitag) als Wahlgeschenk. «Wir brauchen im Handwerk unsere Fachkräfte, auch die jenseits der 60», sagte er. Frühverrentung verschärfe die Fachkräfteengpässe.

Auch BDI-Präsident Grillo hatte sich in dieser Woche bereits mit deutlicher Kritik an der bisherigen Arbeit von Schwarz-Rot in Berlin zu Wort gemeldet. Für eine gute Weiterentwicklung des Industriestandortes Deutschland könne er «leider bislang nicht viel Gutes erkennen», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

 

 

jn / dpa

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