Millionenspiel ums Deutsche Museum in München

Das Deutsche Museum in München ist weltweit bekannt. Doch wie bei so vielen öffentlichen Einrichtungen fehlen auch hier die Millionen für die Sanierung. Nun bricht das Schwarzer-Peter-Spiel zwischen CSU und Museum aus.

 

München (dpa/lby) – Rund 1,5 Millionen Menschen besuchen jährlich das Deutsche Museum in München. Sie stapfen durch das Bergwerk, besichtigen das halbe U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg im Keller, bestaunen den Blitztest am lebenden Menschen im faradayschen Käfig, den die Mitarbeiter jeden Tag unverletzt überstehen. «Das Deutsche Museum ist eine Perle, die weltweit bekannt ist», sagt Generaldirektor Wolfgang Heckl am Mittwoch. Er legt dem Hochschulausschuss des Landtags bei dessen Visite im Museum seine Sicht der Dinge dar.

 

Im Lauf der nächsten zehn Jahre werden viele Attraktionen in einem der weltweit größten Wissenschaftsmuseen nicht mehr zugänglich sein. Das Museum wird saniert – aber nicht vollständig. Nach jetzigem Stand werden Bibliotheksbau und Kongresssaal in dem maroden Zustand bleiben, in dem sie sich derzeit befinden. Denn es stehen 445 Millionen Euro zur Verfügung. Das wird ausreichen, den Sammlungsbau mit den Ausstellungen zu modernisieren, für mehr jedoch nicht.

 

Daneben gibt es inoffizielle Zahlen – und ein politisches Schwarzer-Peter-Spiel. Die Staatsregierung macht in Andeutungen die Museumsspitze dafür verantwortlich, dass eine Gesamtsanierung des Museums sehr viel teurer werden würde.

 

Die Beziehungen von Museum und Staatsregierung sind belastet, weil Heckl und Kuratorium den leerstehenden Kongressbau nicht für den von der Staatsregierung gewünschten neuen Münchner Weltspitzen-Konzertsaal hergeben wollten. «Ich hoffe, dass das nicht eine Revanche ist für die Konzertsaaldebatte», sagt Michael Piazolo (Freie Wähler), der Chef des Hochschulausschusses, zu den Äußerungen aus der CSU.

 

Denn inzwischen kursiert in der CSU die Zahl von 700 Millionen Euro, die die Gesamtsanierung kosten könnte. Darüber berichtete der «Münchner Merkur» (Mittwoch). Schon im Dezember grollte Ministerpräsident Horst Seehofer über die erwarteten Kostensteigerungen: «Und da möchte ich auch wissen: Wer ist dafür verantwortlich?»

 

Nicht verantwortlich will jedenfalls die Staatsregierung sein. Dabei ist sie hauptzuständig für die Finanzierung des Museums. Doch ebenfalls schon seit 2011 ist klar, dass die gut 400 Millionen Euro für eine Gesamtsanierung nicht ausreichen würden. Denn eine Renovierung der Bibliothek war wegen der knappen Finanzen von vornherein nicht einkalkuliert, wie Museumsdirektor Heckl darlegt.

 

«Mit einer Kostenmehrung hat das nichts zu tun», sagt dementsprechend auch ein Beamter des Kultusministeriums. Tatsächlich bereits geplant war aber eine Sanierung des Kongressbaus, die wegen Geldmangels mittlerweile auf Eis gelegt ist. «Die Geschäftsgrundlage hat sich geändert», sagt der Münchner CSU-Abgeordnete Markus Blume.

 

Auf welchen Annahmen aber die nun in der CSU genannten 700 Millionen Euro Kostenschätzung beruhen, bleibt mysteriös. Denn eine offizielle Schätzung der Obersten Baubehörde gebe es nicht, wie es in informierten Kreisen heißt.

 

Laut Kultusministerium stammt die Zahl auch nicht aus dem Haus von Ressortchef Ludwig Spaenle (CSU). Und Museumsdirektor Heckl sagt, dass sich die Kosten ohne Untersuchung der Bausubstanz gar nicht seriös schätzen ließen. «Ich weiß nicht, wo diese Zahl herkommt», sagt er.

 

Einige Entwicklungen der kommenden Jahre sind absehbar: Das fehlende Geld für eine Gesamtsanierung ist nicht in Sicht. Und die Staatsregierung wird aller Voraussicht nach auch künftig die Verantwortung dafür im Museum suchen und nicht bei sich selbst. Der Kongresssaal des Museums wird mutmaßlich für viele weitere Jahre ungenutzt leerstehen.

 

Und deswegen ist die CSU nun auf die Idee gekommen, ob man nicht doch noch den leeren Kongressbau zumindest zeitweise als Konzertsaal nutzen könnte. Das schlägt Oliver Jörg (CSU) vor, der Chef des Hochschulausschusses. «Schon als Interimsspielstätte wäre das ein interessanter Gedanke».

 

 

von Carsten Hoefer, dpa