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Minimalistisch leben in München

Die bayerische Hauptstadt besticht mit ihrer Schönheit und bietet den Einwohner eine Vielzahl an Freizeitoptionen. Zudem ist München sehr sicher und offeriert ein gutes Leben. Das allerdings hat seinen Preis. Denn die Mieten sind horrend – selbst für sehr kleine Wohnungen. Doch selbst der Umstand, überhaupt eine bezahlbare Unterkunft zu ergattern stellt sich bereits als Schwierigkeit dar. Dennoch gibt es viele Münchner, die „satt“ sind vom Überfluss und gerne weniger denn mehr hätten. Mit allen Vorteilen, die das bringt.

Um dieses Ziel zu realisieren, bietet sich der von immer mehr Menschen praktizierte Minimalismus an. So kann mit dem bewussten Konsum und ohne Verzicht ein Leben mit weniger Dingen gestaltet werden, die einen selbst „festhalten“. Denn all das, was man selbst besitzt, besitzt eben auch einen selbst. Der Minimalismus an sich lässt sich dabei recht einfach umsetzen. Denn es geht darum, die eigene Motivation hinter einem Kauf oder den eigenen Besitztümern zu hinterfragen. Wird das wirklich noch gebraucht? Habe ich nicht schon eines davon? Ist der Kauf dieses Teils unbedingt nötig? Dabei gilt es im Besonderen das, was im eigenen Haushalt bereits vorhanden ist, zu prüfen. Denn mit der Zeit sammeln sich schnell Unmengen an Kleidungsstücken, Büchern, Dekoartikeln, Aktenordner und vieles mehr, an. Einiges davon ist uns oftmals gar nicht mehr bewusst, da es in Kartons im Keller liegt.

Doch im Minimalismus geht es nicht alleine um das Materielle. Denn viele konsumieren auch im Bereich Social Media viel zu viel, werden überladen mit Werbung oder erleben zu viele unterschiedliche Eindrücke jeden Tag. Auch hier ist es möglich, den Konsum einzuschränken, bewusster mit seinem Leben umzugehen und dadurch Freiheit zu gewinnen. Denn egal, ob es sich um ein gekauftes Objekt oder die Emotionen handelt – es tut unheimlich gut, diese ganzen belastenden und bindenden Einflüsse von außen zu minimieren. Denn das Bewusstsein für das eigene Leben, das, was einem wichtig ist und die Zeit, auch einmal den eigenen Gedanken zuzuhören, ist ein in der Zwischenzeit ein luxuriöses Gut.

Und nur weil man sich und sein Leben minimalistischer aufstellt, heißt das ja auch nicht, dass man verzichten muss. Beim „Ausmisten“ in den eigenen vier Wänden lässt sich schnell viel Geld machen. Gerade alte, noch gut erhaltene Dinge finden auf diversen Plattformen zahlungswillige Käufer. So lässt sich dann schnell einmal ein Urlaub als Belohnung finanzieren. Soll es viel mehr eine Weltreise werden, um den eigenen Mittelpunkt zu definieren, bietet sich auch ein Kredit an, mit dem die eigenen Finanzen entsprechend aufgebessert werden. Alles, was es zu dem Thema wichtiges zu wissen gibt, ist in Ratgebern zusammengefasst, die keine Fragen offenlassen. Und mit einem aufgeräumten Leben samt Flugticket in der Tasche, geht es dann auch schon los, ins bewusstere Leben.

Wer erst einmal klein anfangen möchte, der nutzt die Minimalismus Challenges, die immer einmal wieder im Internet ihre Runden ziehen. Hier kann sich dann mit Anleitung auf einen bestimmten Aspekt fokussiert werden. So muss man nicht gleich in die Vollen gehen. Echte Minimalisten hingegen würden ja sagen: Ganz oder gar nicht! Jedoch ist auch der Weg das Ziel und wer sich überfordert fühlt, bekommt meist kaum etwas zustande. Daraus ergibt sich ein unbefriedigendes Gefühl, das wohl jeder von uns kennt. Insofern kann es durchaus sinnvoll sein, klein zu beginnen und sich dann zu steigern.

 

Einfacher Einstieg

Besonders einfach gelingen die ersten Schritte im Minimalismus, wenn mit Dingen begonnen wird, die offensichtlich sind. Zu viele Zeitschriften in der Ablage vom Fernsehtisch, ein überquellender Schreibtisch oder der Kleiderschrank, in dem sich die Klamotten der vergangenen fünf Jahre sammeln. Dabei ist Letzteres sicher bei den meisten lohnenswert. Denn vieles, dass da noch rumhängt und einmal ein wirkliches Highlight auf einer der unzähligen Partys der Münchner Club-Szene war, ist heute nicht mehr relevant. Warum also daran festhalten? Beginnen kann man dabei einfach, in dem erst einmal eine Bestandsaufnahme erfolgt. Was habe ich denn überhaupt noch alles? Passt das noch? Dabei bietet sich der Einsatz des Drei-Stapel-Prinzips an. So lässt sich schnell und zuverlässig aussortieren. Das, was wegkann, ist separat noch einmal zu bewerten. Vielleicht ist es möglich, damit noch den einen oder anderen Euro durch einen Verkauf zu verdienen.

Varianten, die eigenen Garderobe dabei zusammenzustellen gibt es im Internet viele. So hat die Neuseeländerin Frederique Gulcher zum Beispiel sechs Wochen lang nur ebenso viele Kleidungsstücke getragen – Unterwäsche ausgenommen. Auch der bewusste Verzicht auf Konsum ist eine Form des Minimalismus. So gehen viele dazu über, ihre Schuhe so lange zu tragen, bis diese wirklich ersetzt werden müssen, ein neues Smartphone erst dann gekauft wird, wenn das Alte den Geist aufgibt oder der Pullover auch nach fünf Jahren noch getragen wird. Das Prinzip lässt sich auch bei Lebensmitteln anwenden. So kann zum Beispiel in Gemeinschaftsgärten Gemüse selbst geerntet oder beim Bauern direkt gekauft werden. Zudem kann in vielen „unverpackt Läden“ heute exakt das bezogen werden, was gebraucht wird. Damit wird unnötiger Überschuss bei Nahrungsmitteln effektiv bekämpft. Ebenso ist es möglich, im herkömmlichen Supermarkt darauf zu achten, weniger Verpackungen zu kaufen, die neue Zeitschrift eben heute einmal nicht mitzunehmen oder die lustige Deko stehenzulassen und stattdessen die „alte“ aus dem Keller zu nehmen.

Neben dem Einsparen von Ressourcen geht es aber gerade in München um noch einen anderen Aspekt. Denn durch den Minimalismus ist es möglich, richtig viel Geld zu sparen. Geld, dass dann besonders in der bayerischen Hauptstadt für andere, vielleicht sogar wichtigere Dinge, zur Verfügung steht. Zudem kann mit weniger Geld, das benötigt wird, ein ganz anderes Leben angestrebt werden. Zu nennen wäre in diesem Kontext beispielsweise weniger Arbeitsstunden und somit mehr Freizeit. Zudem wird weniger Müll verursacht, der wiederum alle belastet. Somit hat der Minimalismus, selbst in den kleinen Schritten, einen großen Einfluss auf uns selbst, die eigenen Gesundheit und für die Allgemeinheit an sich. Da das Konzept gar nicht schwer ist, keinen monatlichen Beitrag benötigt oder die „Minimalisten“ verpflichtet, einen Eid zu schwören, kann es wirklich jeder ausprobieren. Im Kleinen wie auch im Großen.