München: Die deutschen Bobteams blasen wieder zum Angriff

Die deutschen Bobs sind zurück auf der Erfolgsspur: mit einem neuen dynamischen Auftritt in gelb schwarz haben sie mit dem Posthorn zum Angriff geblasen.

 

Nach dem desaströsen Auftritt der deutschen Bobteams in Sotschi können die Verantwortlichen im Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) nach nur zwei Weltcup-Stationen in Lake Placid und Calgary sowie sechs Europacup-Rennen beruhigt in die kurze Weihnachtspause gehen. Olympiasieger Alexander Resch vom BSD zeigte sich beim traditionellen Weißwurstfrühstück am 23. Dezember in München, das Emotional Engineering und der BSD veranstalteten sichtlich zufrieden: “Dieser Auftakt war sehr wichtig für uns.” Sportmanager Axel Watter, der den neuen Partner Deutsche Post AG mit dem BSD verknüpft hat,  ist stolz auf den Neustart: “Mit unseren Bobs geht wieder die Post ab. Der größte Logistikkonzern der Welt hat an den Sport geglaubt und wird schon jetzt dafür belohnt.” Mit den neuen Deutschen Schlitten in dem unverwechselbaren gelben Design mit dem schwarzen Posthorn sind die Erfolge in den Eiskanälen dieser Welt wieder gekommen.

 

Bob-Cheftrainer Christoph Langen bilanzierte nach den Übersee-Rennen positive Startzeiten, verbessertes Material und vor allem ein funktionierendes Team. „Das sind alles noch Zwischenstationen. Für uns zählt die WM in Winterberg und dann Olympia 2018“, so der zweimalige Olympiasieger Langen. Bei den Deutschen Meisterschaften am 30./31. Dezember wird es ein Hauen und Stechen zwischen den Etablierten und den Youngstern geben. Immerhin geht es für einige Routiniers wie Playboy-Pilot Manuel „Machete“ Machata  um die letzte Chance auf ein Weltcup- und WM-Ticket. Große Chancen kann sich Shootingstar Johannes Lochner ausrechnen. Mit seinem Buchbinder-Schlitten rast der Debütant im Europacup von Sieg zu Sieg. Der für den Bob-Club Stuttgart Solitude startende Berchtesgadener gewann in der heimischen „Deutsche Post Eisarena Königssee“ gleich zwei Europacup-Rennen. Auch der Viererbob-Weltmeister von 2011, Machata, verbuchte auf seiner Heimbahn einen Sieg mit dem großen Schlitten. In Winterberg, wo er in der vergangenen Saison als Spurschlitten sogar schneller fuhr als der spätere Weltcup-Sieger Maximilian Arndt, will der Bayer volles Risiko gehen. „Ich mag solche Rennen. Da steigt der Adrenalinspiegel nochmal richtig an. Meine Jungs und ich sind heiß auf das Finale“, meinte Machata, dessen Anschieber Joshua Bluhm als Leihgabe in Lake Placid Weltcup-Sieger im Viererbob von Arndt wurde.
 

Den steilsten Leistungsschub absolvierte der 24-jährige Lochner. Und sein Selbstbewusstsein wächst kräftig mit. „Es ist derzeit ein riesiger Lernprozess für mich. Im Zweierbob läuft es schon richtig sauber. Da will ich in Winterberg einen raushauen“, meinte der Bayer, der schon mit einer Weltcup-Chance liebäugelt. Ein Duell mit dem jüngsten Zweierbob-Weltmeister aller Zeiten, Francesco Friedrich, wäre genau sein Ding. „Der Weltcup ist mein Ziel. Und Duelle mit Francesco wären ein Traum, nicht nur aus deutscher Sicht“, meinte Lochner.

 

Dass die schweren Jungs auch eine zarte Seite haben, bewiesen sie am Rande des Europacups in Königssee. Die deutschen Bobfahrer aus dem Buchbinder-Team überraschten mit einer ungewöhnlichen Geste. Bei der Siegerehrung trugen die Teams der siegreichen Piloten Lochner und Machata schwarze Mützen mit der Aufschrift „Tugce#Zivilcourage#Engel#Mut#Respekt“ und gedachten so der in Offenbach getöteten Studentin Tugce. Die junge Frau war Mitte November nach der Prügelattacke eines 18-Jährigen vor einem Schnellrestaurant in Offenbach ins Koma gefallen, aus dem sie nicht mehr erwachte. Zuvor soll sie in dem Lokal zwei belästigten Mädchen geholfen haben. „Zivilcourage und Mut sollten in unserer Gesellschaft selbstverständlich sein. Daher haben wir für den mutigen Einsatz von Tugce höchsten Respekt“, meinte Machata.

 

axel watter