München: Die Menschen des Jahres 2014

Schlagzeilen haben 2014 auch Menschen gemacht, die sonst nicht im Rampenlicht stehen. Manchmal sind es wahre Heldentaten, die sie vollbracht haben, ein anderes Mal genügt schon ein seltener Beruf oder ein skurriler Rekord, um in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu geraten. Hier ein paar Beispiele:

 

JOHANN WESTHAUSER (54):

 

Es war die Rettung des Jahres: In einer einmaligen Aktion wird der schwer verletzte Höhlenforscher am 19. Juni aus der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden ans Tageslicht gehievt. Bei einem Steinschlag in 1000 Meter Tiefe hatte ein Brocken ihn elf Tage zuvor am Kopf getroffen – schweres Schädel-Hirn-Trauma. 728 Helfer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Kroatien reisten an, um ihn aus der Tiefe zu holen. Westhauser dankte seinen Rettern per Videobotschaft aus der Intensivstation – noch mit undeutlicher Stimme und zwischen Schläuchen im blauen Klinikhemd. Inzwischen ist der 54-Jährige genesen und arbeitet wieder am Karlsruher Institut für Technologie. Und er will wieder hinunter. Schon im August sagte er: «Dort wo es passiert ist, geht es noch weiter, da gibt es noch nicht erkundete Passagen.»

 

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ANNA SCHAFFELHUBER (21):

 

Das Jahr 2014 wird Anna Schaffelhuber nie vergessen. Fünfmal Gold bei fünf Starts heimste die querschnittsgelähmte Monoskifahrerin bei den Paralympics von Sotschi ein – eine phänomenale Ausbeute. «Ich wusste, dass in jeder Disziplin Gold möglich ist», kommentierte das neue Covergirl des deutschen Behindertensports später und präsentierte historische Fakten: «Ich bin erst die dritte im alpinen Paralympics-Bereich, die fünfmal Gold auf einmal geschafft hat.» Dass sie es in der sitzenden Alpin-Startklasse mit nur wenigen Gegnerinnen zu tun hatte, schmälerte die Freude kaum. Nach den traumhaften Erlebnissen von Sotschi rückte für die Behindertensportlerin des Jahres schnell der Alltag wieder in den Fokus. «Ich komme häufig zum Bäcker und zwei Stufen versperren mir den Weg», sagte die Rollstuhlfahrerin jüngst als Patin einer ARD-Themenwoche zum Thema Toleranz.

 

 

WALERI GERGIJEW (61):

Er war noch gar nicht im Amt, da brachte er schon gehörig Wirbel in das Orchester. Proteste von Menschenrechtsaktivisten begleiteten die Auftritte des künftigen Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, der als Vertrauter Wladimir Putins gilt und sich nicht von dessen Anti-Schwulen-Politik distanzierte. Im Frühjahr wuchs die Kritik, nachdem der russische Musikstar einen Künstler-Appell zur Krim-Annexion unterschrieben und sich damit offiziell zur Putins Politik bekannt hatte. Er schrieb daraufhin einen Brief an sein Münchner Publikum, um die Wogen zu glätten.

 

 

GUSTL MOLLATH (58):

 

Mehr als sieben Jahre saß Gustl Mollath in der Psychiatrie – sehr lange zu Unrecht. Das stellte im Sommer das Landgericht Regensburg in einem Wiederaufnahmeverfahren fest. Mollath war 2006 vom Landgericht Nürnberg wegen angeblicher Wahnvorstellungen und Gemeingefährlichkeit in die Psychiatrie eingewiesen und erst im Sommer 2013 entlassen worden. Der Nürnberger ist nun zwar ein freier Mann und kann mit Entschädigungszahlungen rechnen. Aber das Landgericht Regensburg beurteilte ihn auch als Gewalttäter, der seine damalige Ehefrau verprügelt, gebissen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt habe. Das Gericht schloss nicht aus, dass bei Mollath eine «wahnhafte Störung» vorgelegen haben könnte. Mit Hilfe eines neuen Anwalts hat Mollath Revision eingelegt. und kämpft um volle Rehabilitation.

 

 

FABIAN LEHNER (19):

 

Der Auszubildende aus Niederbayern hat sich erfolgreich mit der Deutsche Post AG angelegt. Der junge Mann aus Simbach am Inn hatte eine Petition gegen die Werbebroschüre «Einkauf aktuell» gestartet, die wöchentlich an mehr etwa 20 Millionen Haushalte geht und in Plastikfolie eingewickelt ist. «Einfach wegschmeißen geht nicht, die Tüte muss in den Gelben Sack und der Prospekt ins Altpapier», sagte Lehner. Damit schien er den Nerv vieler getroffen zu haben. Nach wenigen Monaten hatte er 140 000 Unterstützer und zwang die Deutsche Post zu einem Runden Tisch. Jetzt will sie die Plastikverpackung für ihr Werbemagazin überdenken.

 

 

PETER NOLL:

 

Der Münchner Richter hat mit der Einstellung des Bestechungsprozesses gegen Bernie Ecclestone für Furore gesorgt. Der Formel-1-Boss zahlte die Rekordsumme von 100 Millionen Dollar, und Noll beendete den spektakulären Prozess, weil seine Strafkammer zu viele Zweifel an der Anklage hatte und nur eine geringe Schuld bei Ecclestone sah. Der Brite blieb damit offiziell straffrei. Noll hatte nicht viel Zeit, die aufgeregte Debatte zu verfolgen: Seine Strafkammer brütet längst über der nächsten dicken Anklage, gegen Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Top-Banker wegen versuchten Prozessbetrugs im Zusammenhang mit der Kirch-Pleite. Wenn Noll und seine Kollegen sie zulassen, müssten sich die Banker 2015 in einem Prozess verantworten.

 

 

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